Ergänzen und profitieren

Industrieelektronik

Steckverbinder – Durch eine Kooperation erschließen sich die Partner ganz neue Kundenkreise. In einem Paradebeispiel entstanden daraus sehr robuste Steckverbinder mit hoher Datenrate.

30. März 2012

Als der Steckverbinderspezialist Escha aus Halver im Sauerland und Metz Connect aus Blumberg im September 2010 eine weltweite, langfristige Partnerschaft in der Entwicklung und Produktion von industrietauglichen Ethernet-Steckverbindern eingingen, hatten beide ein klares Ziel: Sie wollten durchgängige Übertragungslösungen zwischen IT-Verkabelung, Schaltschrank und Anschlüssen in der Feldebene anbieten. Da die Unternehmen in unterschiedlichen Märkten aktiv sind und dort in der Vergangenheit viel Erfahrung gesammelt haben, ergänzen sie sich beim Erreichen des gemeinsamen Ziels und profitieren auf diese Weise voneinander.

So steuert Escha seine Entwicklungskompetenz auf dem Feld industrietauglicher M12x1 Rundsteckverbinder in den Schutzklassen IP67 und höher bei. Das Unternehmen kann dabei auf seine hohe Entwicklungs- und Fertigungstiefe zurückgreifen sowie auf seine Erfahrungen mit Standardprodukten und Sonderlösungen für die Automatisierungsindustrie gleichermaßen. Metz Connect bringt im Gegenzug das langjährige Know-how des Tochterunternehmens BTR Netcom im Bereich der Datenübertragung und Verkabelung auf der Basis von RJ-45- und LWL-Verbindern ein. Zudem stehen die Kenntnisse des Tochterunternehmens RIA Connect für Geräteanschlüsse und Leiterplattensteckverbinder für die Partnerschaft zur Verfügung.

Direkt nach Bekanntgabe der Kooperation kam 2010 das erste Ergebnis der Kooperation auf den Markt: Das gemeinsame Produktprogramm mit vierpoligen M12x1-Rundsteckverbindern basiert auf dem von Escha entwickelten 360-Grad-Schirmkonzept, das besonders zuverlässig sein soll und die Anforderungen nach Cat5e erfüllt. Die Anbindung des Schirms erfolgt dabei nicht wie üblich durch eine auf die Leitung gecrimpte Steckverbindung, sondern durch die direkte Verbindung mit dem Schirmgehäuse.

Angetrieben durch Normierungsbemühungen, den M12x1-Rundsteckverbinder als achtadrige Lösung für Gigabit-Ethernet-Applikationen zu etablieren, haben die Partner den Ausbau des gemeinsamen Produktprogramms beschlossen. Um ein vollständiges und zukunftsfähiges Produktprogramm anbieten zu können, präsentierten sie Ende 2011 eine Steckverbinderfamilie mit x-codiertem Steckgesicht sowie zwei RJ-45-Steckverbinder.

Hohe Schutzklassen erfüllt

Auch bei den neuen achtpoligen M12x1-Rundsteckverbindern mit X-Codierung bildet das Escha-Schirmkonzept die Grundlage. Sie erfüllen dadurch die Anforderungen der Schutzklassen IP67, IP68 und IP69K und garantieren darüber hinaus eine sichere und zuverlässige Datenübertragungsrate nach Cat6A. Neben einer konfektionierten Leitung haben Escha und Metz auch einen feldkonfektionierbaren Stecker, einen x-codierten Geräteanschluss, Verbindungsleitungen von M12x1 auf M12x1 sowie eine Leiterplattenbuchse neu im Sortiment.

Ergänzend zum bereits vorhandenen vierpoligen Portfolio für Cat5e-Anwendungen gibt es für die x-codierten Produkte jetzt Gehäusedurchführungen für die Vorder- und Hinterwandmontage mit Litzen oder Printkontakten. Dazu gehört auch ein M12x1-Flansch mit gewinkelten Kontakten für die Platinendirektbestückung. Bei Bedarf kann dieser sogar Wandstärken zwischen einem und fünf Millimetern kompensieren. Des Weiteren ist eine reflowfähige Einbaubuchse für den Gerätebau neu im Programm, die sich für kundenspezifische Gehäuse eignet. Auch bei diesen Produkten wurde das Schirmkonzept durchgängig umgesetzt.

Die Kooperation zeitigt zudem unterschiedliche RJ-45-Steckverbinder. Hierzu zählen eine vier- und eine achtpolige Variante, die jeweils eine Datenübertragungsrate nach Cat5e garantieren. Als Verbindungsleitung von RJ-45 auf M12x1 ergeben sie eine Schnittstelle für die von beiden Partnern angestrebte durchgängige Übertragung von der IT in die Feldebene. Zudem ist die Meterware auch bei den RJ-45-Steckverbindern nach UL zugelassen. Wegen der zunehmend steigenden Datenraten sind sich Escha und Metz Connect sicher, dass sie mit ihrem großen Produktprogramm für Industrial-Ethernet-Anwendungen den aktuellen und zukünftigen Kundenanforderungen mehr als gerecht werden.

Aus Sicht von Daniel Gottschalk, dem für Industrial Ethernet zuständigen Projektleiter bei Escha, existieren im Moment vor allem drei Bereiche, die die Datenübertragungsraten in der Vergangenheit immer weiter nach oben getrieben haben und in Zukunft treiben werden: »Hierzu zählen die Gebäudeinstallation in Industriebauten sowie der Gerätebau. Aber auch im Bereich der Vision- und Scanner-Systeme zur Fertigungsüberwachung und Echtzeitdatenauswertung werden die Anforderungen steigen.«

Neben der Industrie gibt es weitere Einsatzgebiete: »Wir sind auch stark in Bahnapplikationen. Vor allem bei Entertainmentsystemen in Zügen für eine zuverlässige Internetanbindung am Sitzplatz«, berichtet Gottschalk, »sehen wir uns mit hohen Anforderungen an Datenübertragung und Robustheit der Steckverbinder konfrontiert.« Ein weiterer Trend in den kommenden Jahren ist das Thema Qualität in der Datenübertragung. Denn nur wenn Fehlinformationen während der Datenübermittlung vermieden werden, lassen sich die zur Verfügung stehenden hohen Übertragungsraten auch nutzen.

In neuen Applikationen mit höheren Datenvolumina führen qualitativ minderwertige Leitungen zu Fehlübertragungen. Datenpakete müssen erneut gesendet werden, was wiederum zu einer höheren Netzwerkauslastung und längeren Verarbeitungszeiten des Protokolls führt. An dieser Stelle setzt Escha mit seinen neuen Industrial-Ethernet-Komponenten an. Der Steckverbinder- und Gehäusehersteller hat Anschlusstechnik auf den Markt gebracht, die die hohen Datenübertragungsraten messbar zur Verfügung stellt. »Durch eine erhöhte Signalreserve garantieren alle unsere Produkte eine zuverlässige, schnelle und somit zukunftssichere Datenübertragung«, ergänzt Daniel Gottschalk.

Erschienen in Ausgabe: 02/2012