Ergonomie per pedes

Spezial Medizintechnik

Fußbedienung – Bei der Behandlung des Grauen Stars steuert der Operateur zentrale Funktionen der Geräte mit dem Fuß. Nur wenn die Bedienung intuitiv und ergonomisch ist, klappts mit der neuen Linse.

15. Oktober 2010

Wenn der Arzt im Krankenhaus oder in der Praxis beide Hände zum Operieren benötigt, bedient er wichtige Funktionen der Geräte häufig mit dem Fuß. So wie beispielsweise bei der Behandlung des Grauen Stars (Katarakt). Die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation besteht darin, dass die getrübte Augenlinse entfernt und gegen eine künstliche Linse ausgetauscht wird. Als Stand der Technik hat sich hier das sogenannte Phacoemulsifikationsverfahren etabliert. Bei diesem Eingriff schneidet der Operateur zunächst eine kreisrunde Öffnung von etwa fünf Millimeter Durchmesser in den Kapselsack, in dem sich die Augenlinse befindet, sowie in die Hornhaut, zertrümmert die getrübte Linse dann durch Ultraschallbestrahlung und saugt sie durch die Öffnung ab. Anschließend platziert er eine neue, künstliche Linse in eingerollter Form durch einen kleinen Schnitt am Rand der Hornhaut im Kapselsack, wo sie sich zu voller Größe entfaltet.

Für diese Operation hat der Steute-Geschäftsbereich Medizintechnik ein spezielles Bediensystem entwickelt. Im Zentrum der Stelleinrichtung befindet sich ein Pedal, das sich in horizontale und vertikale Richtung verstellen lässt. Die Nullposition des Pedals kann der Bediener an die individuellen Anforderungen anpassen, ebenso die Pedalkräfte und den Pedalweg. Der Operateur kann somit das Fußbedienpult nach seinen Bedürfnissen einstellen, um ermüdungsfrei und konzentriert zu arbeiten. Mit der Fußspitze und der Ferse lassen sich bis zu vier weitere Stelleinrichtungen bedienen, die als Wipptaster ausgeführt sind. Auf diese Weise kann man über das Bediensystem bis zu zwölf Funktionen gleichzeitig steuern.

Verschiedene Modi möglich

Mit dem Bediensystem lassen sich aber noch mehr Funktionen betätigen. Denn je nach gewähltem Betriebsmodus, der über die Steuerung des Phacoemulsifikationsgerätes festgelegt wird, bedient der Operateur mit dem Pedal bzw. den Wipptastern unterschiedliche Funktionen. In der Betriebsart Schneiden kann er z.B. den Schnitt in die Netzhaut regulieren, in der Betriebsart Absaugung die Stärke des Absaugvorgangs, mit dem die emulsifizierte Linse aus dem Auge entfernt wird. Auf diese Weise bleibt die Anzahl der Bedienelemente übersichtlich, und die Bedienung ist auch bei einer Vielzahl von Funktionen ergonomisch. Für den Phaco-Schalter hat Steute in diesem Jahr sogar den iF Design Award erhalten. Zu den zahlreichen Optionen, mit der die neue Baureihe ausgestattet werden kann, gehört die kabellose Signalübertragung über ein Wireless-Protokoll, das speziell für die Anforderungen der Medizintechnik entwickelt wurde. Eine weitere Option ist die Kombination mit einem zusätzlichen Laser-Schalter für den Einsatz in kombinierten Geräten für die Phacoemulsifikation und die Behandlung von Netzhautablösung.

Das Unternehmen bietet aber auch für andere Anwendungsfelder ein umfangreiches Programm an Fußbediensystemen, die speziell für die Medizintechnik entwickelt wurden. Für bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT (Magnetresonanztomografie) und CT (Computertomografie) entwickelt Steute die Bediensysteme in der Regel kundenspezifisch.

Guido Becker, Steute/aru

Erschienen in Ausgabe: 07/2010