Ergonomisch runde Sache

Schalter - Die wachsende Funktionsvielfalt der Bedienelemente in modernen Kraftfahrzeugen gefährdet die Bedienungssicherheit. Eine neue Multifunktions-Schaltereinheit für das Lenkrad eröffnet jetzt neue Möglichkeiten für die Ergonomie im Automobil.

25. Februar 2007

Das Thema Bedienen und Beobachten betrifft nicht allein die Konstrukteure und Anwender von Maschinen: Auch Autofahrer müssen permanent eine Vielzahl von Anzeigegeräten beachten und immer neue technische Funktionen schalten oder regeln, vom Scheibenwischer bis zum CD-Wechsler. Parallel zu der zunehmenden Funktionsvielfalt bei Komfort-, Fahrerassistenz- und Informationssystemen steigt jedoch auch die Anzahl von Bedienelementen im Auto. Die Ergonomie und die Bedienungssicherheit bleiben dann oft auf der Strecke.

Die Automobilhersteller sind deshalb schon lange auf der Suche nach der idealen Bedienlösung für die zahlreichen Systeme in ihren Fahrzeugen. Das Ergebnis sind jedoch oft überfrachtete Lenkstockhebel, nicht sichtbare Bediensatelliten hinter dem Lenkrad oder wenig intuitive, multifunktionale Dreh-Schiebe-Drücksteller zwischen den Vordersitzen.

Erreichen ohne verrenken

Traditionell sind die Bedienelemente für die wichtigsten Funktionen am Lenkrad oder an der Lenksäule platziert. So kann der Fahrer sie erreichen, ohne die Hand vom Steuer zu nehmen ? beispielsweise Geschwindigkeitsregelanlage, Hupe, Blinker, Scheibenwischer. Seltener benutzte sicherheitsrelevante Funktionen befinden sich meist nahe des Lenkrads, sodass der Fahrer nicht den Oberköper verlagern muss, etwa Warnblinker, Lichtschalter und Nebelleuchte. In zunehmender Entfernung zum Lenkrad sind die Komfortfunktionen wie Klimasteuerung und Radio angeordnet. Ebenso entscheidend für eine gelungene Ergonomie wie die Platzierung der Bedienelemente ist auch die Haptik: So erleichtern beispielsweise durch Fugen voneinander separierte, groß dimensionierte Tasten die Orientierung. Die zweifelsfreie Bedienbarkeit gewährleistet eine eindeutige Kraftrückmeldung, zu der auch akustisches Feedback über mechanischen Klick oder einen elektronisch erzeugten Quittungston gehört. Daneben vermittelt eine hochwertige Haptik der Bedienelemente ein Gefühl von Wertigkeit und verhindert auch Abrutschen und Fehlbedienung.

In der automobilen Oberklasse hat sich deshalb ein Bedienkonzept mit Dreh-Drück-Schalter zwischen den Vordersitzen durchgesetzt, das eine intuitive Bedienung nahezu sämtlicher Fahrzeugfunktionen ermöglichen soll. Allerdings liegen diese Systeme nicht im direkten Blickfeld des Fahrers. Zudem muss der Fahrer zum Bedienen die Hand vom Lenkrad nehmen. Eine optimale Bedienungssicherheit ist jedoch erst dann gegeben, wenn sich die meisten Funktionen vom Lenkrad aus bedienen lassen: Nur dann kann der Fahrer den Blick auf der Straße und die Hände am Lenkrad lassen, sodass Konzentration und Reaktionsfähigkeit voll erhalten bleiben.

Der Schalterspezialist Rafi aus Berg bei Ravensburg hat deshalb eine neue Multifunktionseinheit für den Einbau in Lenkräder entwickelt, bei der sämtliche Bedienelemente ergonomisch sinnvoll und intuitiv verständlich angeordnet sind. Die Lenkrad-Multifunktionseinheit besteht aus einem Drehrad auf der rechten und einer Drehwalze auf der linken Seite, um die jeweils vier Funktionstasten kreisförmig angeordnet

sind. Diese Tasten mit Kippfunktion ermöglichen es beispielsweise, wie mit den Cursortasten einer Computertastatur nach oben, unten, links und rechts zu navigieren. Das Drehrad erlaubt endloses Scrollen durch Drehen und Bestätigen durch Drücken, ohne den Daumen abzuheben. Eine mögliche Anwendung ist beispielsweise die Lautstärkeregelung des Radios oder der Freisprecheinrichtung für das Telefon.

Die auf der linken Seite angebrachte Walze mit vier segmentierten Einzeltasten bietet eine vergleichbare Funktionalität, jedoch muss der Daumen bei längeren Wegstrecken abgehoben und wieder neu aufgesetzt werden. Darstellbare Funktionen wären hier etwa das Blättern durch Auswahllisten. Insgesamt erlaubt die komplette Bedieneinheit damit 14 Aktionen: Jeweils zwei Drehfunktionen mit Bestätigungsfunktion sowie die zweimal vier Kippfunktionen der kreisförmig angeordneten, segmentierten Einzeltasten.

Damit integriert allein die rechte Bedieneinheit auf einer einzigen Lenkradspeiche die gleichen Bedienungsmöglichkeiten wie beispielsweise der Controller des i-Drive von BMW ? und das, ohne dass der Fahrer die Hand vom Lenkrad nehmen muss. Schon in der Basisausführung lassen sich damit Komfortsysteme wie Klimaanlage, Freisprecheinrichtung oder Radio direkt über das Lenkrad ansprechen. Die geringe Bauhöhe der Multifunktionseinheit von lediglich 12 Millimetern inklusive der nötigen Mechanik und Elektronik für die Basisfunktionen gewährt größtmögliche Designfreiheit bei der Gestaltung des Lenkrads.

Basis der Neuentwicklung sind die geschlossenen, miniaturisierten Schalter und Taster der Serie Micon 5 mit einem Grundmaß von 5,1 x 6,4 Millimeter und einem deutlich spürbaren Tastenklick. Die Betätigungskräfte variieren zwischen 2,7 und 6,9 Newton, so kann für jedes Einsatzgebiet das richtige Tastgefühl erzeugt werden. Goldkontakte gewährleisten maximale Schaltsicherheit auch unter erschwerten Umweltbedingungen und erlauben eine Lebensdauer von bis zu einer Million Schaltspielen. Innovative Materialien erlauben eine Betriebstemperatur von ?40 bis +90 Grad Celsius.

Axel Müller, Rafi

Erschienen in Ausgabe: 01/2007