Es wird wieder automatisiert

Automatica

Messe – Im Zeichen von Industrie 4.0, immer weniger Bauraum und immer höherer Dynamik steigen die Anforderungen an automatisierte Systeme. Das spielt der Leitmesse Automatica in München natürlich bestens in die Karten.

04. Juni 2016

Was ist schöner als zufriedene Gesichter bei der Organisation einer Messe? Ein Anmelderekord zum Beispiel, schon lange im Vorfeld der Automatica, der Münchner Branchenleitmesse für Automation und Mechatronik. In fünf Messehallen werden demnach bei der Ausgabe 2016 wieder mehr als 800 Aussteller ihre Lösungen für die Optimierung von Produktionsprozessen sowie die professionelle Servicerobotik zeigen.

»Die Ära der smarten Robotik und Automatisierung hat begonnen, und die Geschäfte in der Branche könnten derzeit kaum besser laufen«, freut sich denn auch Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des Fachbereichs Robotik + Automation im VDMA. »11,4 Milliarden Euro setzte die deutsche Robotik- und Automationsbranche 2014 um. Dieses neue Rekordergebnis entspricht einer Umsatzsteigerung von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im laufenden Jahr rechnen wir mit einem Umsatzplus von fünf Prozent. Unter diesen positiven Vorzeichen treibt die Branche Entwicklungen wie die Mensch-Maschine-Kollaboration, mobile Robotik und Industrie 4.0 mit Nachdruck voran.« Für die Automatica hieße das: Revolution statt Evolution im Hinblick auf Technologien und Exponate.

Diese positive Einschätzung ist auch aus der Industrie zu hören. »Bestimmende Themen wie Industrie 4.0, sichere Mensch-Roboter-Kollaboration oder neue Einsatzbereiche von Robotern sind gefragt«, betont zum Beispiel Wilfried Eberhardt, Chief Marketing Officer von Kuka. »Anwender wollen aber Erfolge in der Praxis. Darum arbeiten wir an Lösungen, die die Produktivität steigern und Automatisierung da zeigen, wo sie bisher nur schwer möglich war.«

Komplettes Spektrum abbilden

Die Automatica ist bestrebt, das komplette Spektrum an Produkten, Systemen und Lösungen für nahezu jedes Automatisierungsvorhaben abzubilden. Die Messe will dazu Anwender aus Automobil- und Metall verarbeitender Industrie genauso ansprechen wie aus der Medizin-, Pharma-, Lebensmittel- und Kunststoffbranche. Immer geht es um die Optimierung von Produktionsprozessen.

Dazu haben Roboter ihren schützenden Käfig verlassen und arbeiten eng mit dem Menschen zusammen. Ob Bergbau oder Landwirtschaft, Baugewerbe, Forstwesen oder Frachtabwicklung, ob im Boden oder unter Wasser, in der Luft oder im Weltraum – Serviceroboter sind in der Praxis angekommen. Der Messeschwerpunkt »Professionelle Servicerobotik« auf der Automatica zeigt erneut die konkreten Anwendungen zum Anfassen. In einer Show werden in der Automatica Service Robotics Demonstration Area aktuelle Highlights präsentiert.

Nach der erfolgreichen Premiere des Themenbereichs »Industrie 4.0 in der Praxis« auf der Automatica 2014 bindet die Messe die neu entwickelte Fachmesse und Open Conference »IT2Industry« für intelligente, digital vernetzte Arbeitswelten ein. In Halle A5 präsentieren Aussteller Lösungen und Services zum industriellen Internet der Dinge und stellen in der Konferenz Best-Practice-Beispiele vor. Bestimmende Stichworte hier sind Integrated Assembly Solutions, industrielle Bildverarbeitung und natürlich Robotik. Stets ist das Ziel, Produktionssysteme selbst zu optimieren und zu konfigurieren.

Neben diesen Schwerpunkten bietet die Automatica eine Reihe von weiteren Sonderthemen und -veranstaltungen. Energieverbrauch und Emissionen reduzieren, Produktivität und Effizienz erhöhen sowie die Lebensqualität der Menschen verbessern: Darum geht es bei Blue Competence, der Nachhaltigkeitsinitiative des VDMA. Über 400 Unternehmen sind bereits Mitglied und bieten Lösungen für nachhaltige Produktion.

Über 150 Präsentationen geben 2016 beim 47. International Symposium on Robotics (ISR) Einblicke in die neuesten Robotertechnologien. Die Vorträge namhafter Experten beschäftigen sich mit Themenfeldern wie Forschung und Entwicklung, Komponenten und Technologien und zeigen neue Märkte und Anwendungen auf. Auf dem Automatica Forum stellen Experten neue Anwendungsbereiche der Automatisierung vor. In Vorträgen und Diskussionen erfahren Sie alles über Entwicklungen, die die Branche in Zukunft verändern werden.

Die Start-up World bietet aufstrebenden Start-ups einen Marktplatz, der Industrie, den Investoren sowie einem internationalen Publikum ihre Neuentwicklungen zu präsentieren, mit etwas Glück können sie beim angeschlossenen Award erfolgreich sein.

Im Forum »Praxiswissen Bildverarbeitung« der Vision Academy geben Experten kostenfreie Weiterbildungs- und Beratungsangebote zu anwendungsbezogenen Bildverarbeitungsthemen.

Der Automatica Makeathon ist ein Software- und Hardware-Entwicklungswettbewerb für Top Young Professionals und Studenten aus den Bereichen Software Engineering, Mechatronik und Mechanik. Ziel ist es, innerhalb von 24 Stunden erste Prototypen herzustellen und vor einer hochkarätigen Fachjury zu bestehen.

Die Anwendungen für Roboter treiben auch kuriose Blüten. So komponiert der Doppelarm-Roboter »Balthazar« Beauty- und Wellnessprodukte nach individuellen Rezepten direkt aus dem Internet. Vor der Auslieferung können die Auftraggeber das Verpackungsdesign selbst gestalten und die Fertigung per Live-Stream verfolgen. Ein slowenischer Start-up-Betrieb bietet diese neuartige Dienstleistung an und profitiert von den Fortschritten der digitalen Vernetzung.

Der Roboter folgt also dem Konzept »Built-to-Order«, wobei die Fertigung erst nach der Bestellung erfolgt. Der Wunsch nach Individualisierung in der Massenproduktion wird durch kooperative Roboter der jüngsten Generation stark vereinfacht. Unterschiedliche Produktvarianten lassen sich nahtlos ohne Anpassung hintereinander herstellen. Durch Bildverarbeitung und Sensoren können Roboter mit der umgebenden Infrastruktur kommunizieren.

»Der flexible Einsatz des Roboters Balthazar steht exemplarisch für einen neuen Automatisierungstrend, der jetzt auch kleinen und mittleren Unternehmen zunehmend offensteht«, sagt Dr. Martin Lechner, Leiter Technologiemessen der Messe München, zuständig für die Automatica.

42 Linien im Angebot

Wie immer lebt eine Messe also von den Ausstellern und ihren Exponaten und Anwendungsbeispielen. Die Produktpalette von Hepco Motion auf der Automatica reicht von linearer und umlaufender Bewegung über Schwerlastführungen bis hin zu XYZ-Systemen. Das Angebot umfasst mehr als 42 Kernproduktlinien mit Tausenden Einzelkomponenten in unterschiedlichen Größen.

Zu sehen sind das neue Führungssystem für das Beckhoff XTS zusammen mit den Führungssystemen der Serien »PRT2« und »1-Trak«. So entsteht eine robuste und produktive Lösung für anspruchsvollere XTS-Anwendungen mit komplexen Bewegungsprofilen und hohen Anforderungen an die Langlebigkeit.

Das GV3-Linearsystem als Kernprodukt arbeitet mit V-Führungen selbst in rauen Umgebungen zuverlässig und wird häufig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Es ist genauso zu sehen wie das »DTS2«-angetriebene Ovalsystem für Anwendungen mit hoher Positioniergenauigkeit und anspruchsvollem Arbeitszyklus. Das 1-Trak-System lässt Designern bei der Entwicklung zweidimensionaler Schienensysteme große Freiheit. Es eignet sich bei begrenzten Platzverhältnissen, da platzsparende Kurven mit engem Radius möglich sind und das System passend zu bereits bestehenden Maschinen maßangefertigt werden kann.

Leantechnik will zeigen, wie sich schwere Lasten mit ihren Modulen leicht und präzise heben, senken und fördern lassen. Ein besonderes Highlight ist dabei der neue Hub-Senk-Förderer HSF aus der Produktsparte Leantranspo. Der Hubtisch inklusive Skid-Förderer kann die hohen Geschwindigkeiten und exakt ausgeführten Hubbewegungen und Positionierungen gewährleisten, wie sie vor allem in der Automobilindustrie gefordert sind.

Ausgestattet mit zwei Hubsäulen und einer Rollenbahn hebt, senkt und fördert das ausgestellte System schwere Lasten hochpräzise und in Sekundenschnelle. Die Basis der Neuentwicklung sind zwei Lifgo-5.3-Getriebe aus dem hauseigenen Baukastensystem von Leantechnik. Merkmale wie bei allen Lifgo-Getrieben sind das wiederholgenaue Arbeitsprinzip und die lange Lebensdauer. In München visualisiert eine Bildschirmpräsentation, wie die Anlage Karosserien für die weitere Bearbeitung exakt positioniert.

In Höchstgeschwindigkeit

Ein weiteres sehenswertes Exponat ist eine Portalanlage für den Blister-Transfer, die sich per Joystick steuern lässt. Die Kombination aus Zuführeinheit mit Dreiachs-Greiferarm und Zweiachs-Palletierer übernimmt die Entnahme von Bauteilen sowie deren Positionierung auf einem Förderband. Wie sich Lasten oder Produktionsvorrichtungen schnell und exakt einheben und positionieren lassen, zeigt eine auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegte Hubsäule.

Ein Schwerpunkt bei Tretter liegt auf der bewährten Alu-Schienenführung. Für Korrosionsbeständigkeit sorgen Stahleinlagen in Niro-Ausführung und eloxiertes Aluminium. Dieses Führungssystem ist jetzt mit einem magnetischen Wegmesssystem erhältlich, das berührungslos und damit verschleißfrei arbeitet. Flüssigkeiten oder Staub in rauen Industrieumgebungen sind kein Problem mehr. Der Sensor in Schutzart IP67 ist nicht in einem zusätzlichen Vorsatzteil integriert, sondern befindet sich komplett im Wagen. Das vereinfacht die Konstruktion und den problemlosen Austausch gegenüber einer Lösung ohne Messeinrichtung.

Eine von Tretter entwickelte Linearachse ist im Standard vor allem für die manuelle Verstellung konzipiert, sie lässt sich jedoch auch automatisieren. Anwender können sie zum Beispiel zur Formatverstellung, Verstellung von Anschlägen oder für einfache Längenmessaufgaben einsetzen. Die Linearachse wird mit einem handelsüblichen Profil aus Aluminium stabil aufgebaut und nutzt die Alu-Schienenführung mit integriertem Messsystem.

Neu im Programm sind die Kurzhub-Kugelbuchsen. Bei diesem Linearlager befinden sich die Kugeln zwischen Buchse und Welle in einem Käfig, daher sind diese Kugelbuchsen hubbegrenzt. Dies ermöglicht sowohl Linear- als auch Rotationsbewegungen. Auch bei Hochgeschwindigkeit und großer Beschleunigung ist eine reibungslose, gleichmäßige Bewegung sichergestellt. Zudem können Besucher Drehmomentkugelbuchsen, Kugelrollen, Toleranzringe sowie das umfangreiche Programm an Profilschienenführungen begutachten.

Auf einen Blick

Die Automatica in Zahlen

 

Die Automatica, Internationale Fachmesse für Automation und Mechatronik, findet alle zwei Jahre auf dem Gelände der Messe München statt.

- Termin 2016: 21.-24. Juni

- Öffnungszeiten:Dienstag, 21. Juni 201609:00 - 17:00 Mittwoch, 22. Juni 2016 09:00 - 17:00 Donnerstag, 23. Juni 2016 09:00 - 17:00 Freitag, 24. Juni 2016 09:00 - 17:00

- Ticketpreise (vor Ort):Tagesticket 20 Euro, Dauerticket 46 Euro

Erschienen in Ausgabe: 05/2016