Ethernet im Schutzgebiet

Gehäusebaukasten - Ethernet verbindet die Büro- mit der Fabrikwelt. Industrieverteiler erleichtern den Spagat von der IT-Leitebene bis ins Feld. Gehäusebaukästen sind eine Nahtstelle bei der Verbindung der Welten. Sie bieten auch Schutz vor Staub und Öl und Hitze.

08. Mai 2006

Rittal hat vor zwei Jahren ein durchgängiges Packaging- und Schutzkonzept für industrielle Ethernet-Verkabelungen vorgestellt. Dieses Komplettpaket wird weiter verfeinert: ›RiLAN Industrial‹ liefert Anlagenbauern und IT-Technikern alle Tools, um den Factory-Bereich sicher ans Netz zu bringen. Es bietet individuell konfigurierbare Lösungen für jede Netzwerkhierarchie - und orientiert sich an der strukturierten Ethernet-Verkabelung nach der geplanten Industrienorm ISO/IEC 24702.

Für den Brückenschlag zwischen klassischen IT-Schränken und den unterschiedlichsten Netzwerkteilnehmern, die - wie Maschinen- und Robotersteuerungen, Industrie-PCs, Bedienterminals oder Industrial Workstations - an vorderster Front zum Einsatz kommen, sorgen RiLAN-Industrieverteiler sowie kompakte Anschlussdosen mit hoher Schutzart. Sie bringen das Netzwerk direkt an die Maschine. Da Ausfälle von Maschinen und Anlagen im Factory-Bereich mit sehr hohen Kosten verbunden sind, ist ein redundanter Aufbau der strukturierten Industrieverkabelung wichtig. Eine redundante Sternverkabelung, eine ringförmige Vernetzung oder eine Kombination der beiden Verkabelungsarten sind nur einige Beispiele für Netzwerk-Topologien, die sich problemlos mit dem Rittal-Baukasten machen lassen - und unter dem Strich die geforderte Verfügbarkeit der Fertigungsanlagen gewährleisten. Dezentralität spielt eine große Rolle bei diesen Netzwerkstrukturen: Sie sorgt für Flexibilität und Schnelligkeit beim Anschluss neuer ›Teilnehmer‹ und zahlt sich auch bei nachträglichen Anlagenumbauten aus.

»Mit unseren Industrieverteilern haben wir alles getan, um dem Anwender ein flexibles Gehäuse mit auf den Weg zu geben, das sich schnell und sicher bestücken bzw. erweitern und ebenso schnell warten lässt,« so Heinz Schmitt, Leiter im Produktmanagement Schaltschrank-Systeme bei Rittal. So sorgt etwa ein ausgeklügeltes System aus Montageschienen, Kabelführungen, Spleißkassettenab­lagen und Patchfeldern für schnelle Installation der Einbaukomponenten und Kupfer- bzw. LWL-Kabel. Das Ergebnis ist eine vorbildliche Ordnung, in der man sich schnell zurecht findet. Öffnet der Anwender die Tür des Industrial-Industrieverteilers, hat er direkten Zugriff auf sämtliche Komponenten - und das von der Kabeleinführung bis hoch zum Switch. »Im Handumdrehen lassen sich Änderungen oder Erweiterungen in der Verkabelung vornehmen - und zwar ohne echte Störung des laufenden Betriebs,« so Schmitt. Während in klassischen 19-Zoll-Gehäusen die Verkabelung von hinten und das Stecken von vorn im Schrank erfolgt, kann bei den RiLAN-Industrial-Gehäusen komplett von vorn auf alle Komponenten zugegriffen werden.

Offen für alle Ethernet-Protokolle

Bei Bestückung und Innenleben setzen die RiLAN-Gehäuse auf Neutralität gegenüber den diversen Ethernet-Ansätzen und herstellerspezifischen Komponenten. Montiert und geschützt werden kann alles, was etablierte Player im Markt anbieten.

Da an der Schnittstelle zwischen reiner Netzwerk- und industrieller Steuerungstechnik zwei Verkabelungskonzepte aufeinander stoßen, lassen sich die Industrieverteiler wahlweise mit bzw. ohne Patchfelder ausrüsten. So wird der Bogen zwischen der IT-Welt mit Patchkabeln und der Industrie-Welt, in der Konstrukteure und E-Planer traditionell auf feldkonfektionierbare Steckverbinder setzen, geschlagen. Auch bei den Patchfeldern, die mit zwei bzw. acht Ports angeboten werden, ist Vielfalt angesagt. Es gibt sie in den vielen Varianten, die auf die RJ45-Steckersysteme namhafter Hersteller wie ADC KRONE, BTR, Corning, Dätwyler, R& und Tyco Electronics zugeschnitten sind. Im Handumdrehen lässt sich das gewünschte Patchfeld direkt auf Montageplatte oder über einen Montage-Clip auf der im Gehäuse angebrachten Hutschiene installieren. Über die Hutschienen erfolgt auch die Montage der Aktivkomponenten und von wichtigem RiLAN-Zubehör - etwa praktischen Metallbügeln zur präzisen Kabelführung im Gehäuse.

Kabel - Kupfer sowie LWL - spielen eine entscheidende Rolle. Ohne sie geht in industriellen Netzwerken nichts. Während die gegen äußere Störeinflüsse unempfindlichen LWL-Kabel längere Distanzen mit höheren Datenübertragungsraten übernehmen, liegt die Domäne von Kupfer auf Kurzstrecken - etwa dem letzen Stück zwischen Industrieverteiler und Anschlussdose.

Um Sicherheit und Schutzart zu optimieren, stellt Rittal ein ausgefeiltes System für das Kabelmanagement zur Verfügung. Zum Lösungsbaukasten zählen etwa Flanschplatten mit vormontierten metrischen Kabelverschraubungen aus Polyamid, die für eine Abdichtung bis zu IP 66 sorgen.

Die Verbindung zwischen den Unterverteilern erfolgt zumeist über LWL-Kabel, weshalb zum RiLAN-Baukasten passgenau abgestimmte Spleißkassettenablagen gehören. In den Kassetten erfolgt eine Aufteilung und Spleißung der mikroskopisch feinen Glasfasern, die dann über Pigtails auf Steckverbindungen weitergeführt werden. Die empfindlichen Spleiße und der Kabelvorrat werden in den Ablagen sicher geschützt.

Spleißkassetten - geschickt installiert

In RiLAN-Gehäusen ist Raum für bis zu vier Kassetten. Ganz wichtig: Sie lassen sich - wie in einer Jukebox - einzeln entnehmen, so dass bei Erweiterungs- bzw. Wartungsarbeiten keine Beschädigung der anderen Datenstrecken droht. Pfiffig ist auch die Montageoption: Wahlweise können die Spleißkassetten horizontal oder vertikal auf Montageplatte oder auch in Schaltschränken am Systemchassis installiert werden.

Dies schafft Platz im Industrieverteiler. Handfesten Nutzen bietet auch die Schnittstellenklappe, die sich in den Unterverteiler integrieren lässt. Bei Diagnose-, Wartungs- bzw. Programmierarbeiten ermöglicht sie direkten Zugang zu den installierten Bauteilen. Ohne das Gehäuse zu öffnen, geht es über die Schnittstellenklappe, die per Deckel und Schnappverschluss sicher abgedichtet (IP 65) ist, direkt vom Notebook ins Innenleben des Verteilers. Da das Gehäuse geschlossen bleibt, ist der Schutz der eingebauten Komponenten vor Fremdzugriff und Umgebungseinflüssen gewährleistet. Die in einfacher oder doppelter Ausführung angebotene Schnittstellenklappe ist modular ausgelegt: Per Einbaurahmen lässt sie sich bequem mit den erforderlichen Datensteckereinsätzen (u.?a. RJ45, SUB-D und USB) bzw. Steckdosenmodulen bestücken - einfaches Einrasten genügt.

Vielfalt gilt auch bei den Industrial-Anschlussdosen. Verfügbar sind Dosen für zwei IP-Klassen mit unterschiedlichem mechanischen Interface. Während die aus robustem Aluminiumguss gefertigte Anschlussdose IP 65 vom RJ45-Steckgesicht für Automatisierungsprotokolle nach IEC 61918 zugeschnitten ist, garantiert die IP-67-Variante aus Polycarbonat Kompatibilität zur ISO/IEC 24702. Ausgestattet ist sie mit zwei RJ45-Buchsen für massive und flexible Kabel (AWG 22-24). Die Kabeleinführung erfolgt von oben oder unten über Verschraubungen. Ein integrierter Kabelmanager sorgt für Ordnung im Inneren.

Thomas Reichenbach, Rittal

FAKTEN

-Den Industrieverteiler ›RiLAN Industrial‹ gibt es in zwei Größen (600 x 760 x 210 mm und 600 x 300 x 125 mm).

- Es kann von vorn auf alle Komponenten zugegriffen werden.

- Je nach Verkabelungskonzept lässt sich der Verteiler mit oder ohne Patchfelder ausrüsten.

Erschienen in Ausgabe: 03/2006