Evonik investiert in chinesisches 3D-Druck Start-up Meditool

Evonik Venture Capital hat in ein chinesisches 3D-Druck Start-up investiert, das Implantate für die Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie herstellt.

08. September 2019
Evonik investiert in chinesisches 3D-Druck Start-up Meditool
Die von Meditool im 3D-Druck hergestellten Implantate für die Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie ermöglichen eine schnellere Genesung der Patienten und verringern die Operationsrisiken. (Bild: Evonik)

Die von Meditool entwickelte Technologie, so heißt es in einer Mitteilung, ermöglicht eine schnellere Genesung und weniger Nachuntersuchungen der Patienten sowie ein verringertes Operationsrisiko für Ärzte. Evonik ist der Hauptinvestor der mit einem hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich ausgestatteten Finanzierungsrunde.

„Das ist unsere erste Direktinvestition in China und die erste Direktinvestition nach Auflage unseres zweiten Venture Capital Fonds, den wir in diesem Jahr initiiert haben“, sagt Bernhard Mohr, Leiter von Evonik Venture Capital. „Meditool ist ein Beleg dafür, wie Evonik sich durch Wagniskapital den Zugang zu disruptiven Technologien sichert.“

Meditool entwickelt eigene Hardware- und Softwaresysteme, die Bilder gängiger Magnetresonanztomographen (MRT) und Computertomographen (CT) direkt lesen und verarbeiten können. Aus diesen Daten generiert die Software ein druckbares 3D-Modell und sendet es an einen Drucker. Dieser fertigt die Implantate im 3D-Druck mit dem von Evonik gelieferten Hochleistungspolymer Polyetheretherketon (PEEK).

„Die Technologie von Meditool passt perfekt zu unserer Strategie, unser Geschäft auf Hightech-Anwendungen für unsere 3D-Druckmaterialien auszuweiten“, so Thomas Grosse-Puppendahl, Leiter des Innovationswachstumsfelds Additive Manufacturing. „Medizinische Anwendungen sind dabei von besonderem Interesse für uns. Unsere Hochleistungspolymere haben sich bereits als zuverlässige Implantat-Materialien bewährt, unter anderem im Dentalbereich.“

PEEK-Implantate bieten Vorteile im Vergleich zu Metall

Für Patienten und Ärzte sind 3D-gedruckte PEEK-Implantate im Vergleich zu Metall, der derzeit üblichen Lösung für den Orthopädie-Implantat-Markt, revolutionär. Der 3D-Druck ermöglicht eine individuelle Anpassung, sodass beispielsweise eine Platte exakt auf die Schädelform des Patienten abgestimmt werden kann.

Dadurch verringert sich die Wahrscheinlichkeit weiterer Eingriffe, um die Größe, Form oder Position des Implantats anzupassen. Darüber hinaus besitzt PEEK eine geringere Wärmeleitfähigkeit als Metall. Für Patienten, die hohen oder niedrigen Temperaturen ausgesetzt sind, besteht dadurch nicht die Gefahr, dass sich das Implantat stark erwärmt oder abkühlt.

Ferner ist das Material biokompatibel und folglich nicht schädlich für lebendes Gewebe. CT- und MRT-Untersuchungen sind nach der Operation ebenfalls möglich. „Meditool gehört zu den Vorreitern bei der Entwicklung von 3D-Druckverfahren für medizinische PEEK-Implantate“, sagt Ken Jin, Mitbegründer und Chief Technology Officer von Meditool. „Evonik ist dabei unser zuverlässiger Partner für qualitativ hochwertige Materialien. Die Investition gibt uns einen zusätzlichen Schub, innovative Lösungen für Patienten und Chirurgen in China und dem Rest der Welt zu entwickeln.“

„China ist ein bedeutender Wachstumsmarkt für Evonik und einer der wichtigsten Innovationstreiber weltweit“, sagt Claas Klasen, Regional President Evonik Asia Pacific North. „China überspringt derzeit nicht nur einzelne Schritte technologischer Entwicklungen, seine Größe und eine wachsende Mittelschicht kurbeln die Nachfrage rasant an.“ China ist der zweitgrößte Markt für medizinische Implantate weltweit mit erwarteten jährlichen Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent.

Meditool ist die erste Direktinvestition für Evonik in China

Die Venture-Capital-Einheit von Evonik hat bereits in zwei Fonds in China investiert. Meditool ist die erste Direktinvestition. Zu den Mitinvestoren zählen ZN Ventures, Morningside Ventures und Puhua Capital.

Evonik Venture Capital übernimmt auf dem Weg des Konzerns zum besten Spezialchemieunternehmen der Welt die strategische Aufgabe, den Zugang zu disruptiven Technologien und innovativen Geschäftsmodellen zu sichern und die digitale Transformation zu unterstützen. Hierfür hat Evonik Anfang 2019 seinen zweiten Venture Capital Fonds mit einem Volumen von 150 Millionen Euro aufgelegt und damit das verwaltete Volumen an Wagniskapital auf 250 Millionen Euro ausgeweitet und damit mehr als verdoppelt.

Evonik vermarktet sein Hochleistungspolymer Polyetheretherketon unter dem Namen Vestakeep.