Fahrplan für den Klimawandel?

Kompakt

Gerade noch war die Hitzewelle über Deutschland das medienbeherrschende Thema

31. August 2010

Weniger in Form einer Sommerloch-üblichen Berichterstattung aus deutschen Freibädern als vielmehr in Form eines handfesten Ärgernisses: dem serienmäßigen Ausfall der Klimasysteme bei der Deutschen Bahn. Doch während ich diese Zeilen zu Papier bringe, verdrängen bereits andere Klimaauswirkungen das Thema aus den Schlagzeilen: »Land unter« heißt es in Sachsen und Brandenburg, nachdem heftige Regenfälle zu Dammbrüchen geführt haben. Während Politiker und Wetterexperten darüber diskutieren, ob und in welchem Maß diese Katastrophen Ausdruck eines Klimawandels sind oder noch im statistischen Mittel liegen, haben weichgekochte Fahrgäste oder geflutete Hausbewohner in Sachsen ganz andere Probleme.

Offensichtlich ist derzeit nicht allein die Frage wichtig, wie sich künftige Klimaauswirkungen begrenzen lassen, sondern wie wir auf die bereits vorhandenen Wetterextreme reagieren können. Denn selbst, wenn wir schlagartig die Energieeffizienz von Maschinen erhöhen und den Gesamtausstoß an CO2 drastisch reduzieren könnten, wären die Auswirkungen zunächst nicht zu stoppen. Deswegen sind die Hersteller von Antrieben, Maschinen und allen Systemen, die zum Betrieb eine robuste und leistungsfähige Kühlung benötigen, aufgerufen, ihre Produkte daraufhin zu überprüfen, ob sie auch den veränderten Temperaturbedingungen standhalten. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, entschuldigte das Versagen der Klimaanlagen damit, dass diese bis 32 Grad Celsius ausgelegt sein und dass das längerfristige Überschreiten dieser Temperatur in Deutschland vor wenigen Jahren als unwahrscheinlich galt. Das hilft aber den Geschädigten nicht, und solche Entschuldigungen werden bald auch nicht mehr akzeptiert werden, da die gestiegenen Anforderungen allen bekannt sind. Ähnliches gilt für den Deichbau: Alles Lamentieren nützt nichts – wenn wir trockene Füße behalten wollen, hilft nur deichen oder weichen. Dass das nicht nur in küstennahen Regionen gilt, zeigen uns die aktuellen Katastrophenmeldungen aus dem Osten Deutschlands.

Vor Kurzem berichtete mir auch ein Elektronikhersteller aus dem Süden unserer Republik, wie sich das kleine beschauliche Flüsschen hinter der Produktionsstätte nach tagelangem Regen seinen Weg mitten durch die Werkshalle suchte. Es hilft also nichts, wir müssen uns mit den Wetterextremen arrangieren. Wieder einmal ist der Einfallsreichtum von Ingenieuren, Maschinenbauern und Architekten besonders gefordert. Und gegebenenfalls ist es erforderlich, die eigene Fertigung wetterfest zu machen. Achten Sie einmal auf das Gefälle der Wiese hinter Ihrer Fabrik und finden Sie heraus, ob die Entwässerungsmöglichkeiten ausreichen, damit Sie ein paar Wochen Regen nicht teuer zu stehen kommen.

Rüdiger Eikmeier

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Erschienen in Ausgabe: 06/2010