Feine Leitung

Spezial

Schlauchtechnik – Immer mehr Therapien erfordern die Gabe von Infusionen. Entscheidend für den Heilungserfolg ist dabei auch der verwendete Infusionsschlauch.

02. November 2011

Eine der häufigsten Anwendungen im Alltag von Kliniken und vieler Arztpraxen ist das Legen von Infusionen. Im klinischen Sprachgebrauch versteht man darunter meist die Einleitung einer medizinisch notwendigen Flüssigkeit in eine Vene des Patienten mit Hilfe von Verweilkanülen oder eines zentralen Venenkatheters. Die Infusionstherapie erfolgt vornehmlich über einen längeren Zeitraum und wird oft unter Verwendung von Dosiergeräten durchgeführt. Das Einsatzspektrum reicht dabei von der schlichten Flüssigkeitsgabe über die kontinuierliche Verabreichung von Medikamenten, etwa im Rahmen einer Chemotherapie, bis zur parenteralen Ernährung, bei der dem Patienten alle notwendigen Nährstoffe über das Blutgefäßsystem zugeführt werden.

Ein kritisches Element dieser Therapieform sind die zur Infusion verwendeten Schläuche, an deren Material und Beschaffenheit zunehmende Anforderungen gestellt werden. Als kostengünstiges Material für flexible Infusionsleitungen hat sich seit vielen Jahren Weich-PVC bewährt. Aufgrund der zunehmenden Diskussion um die mögliche Gesundheitsschädlichkeit mancher Weichmacher wie DEHP etablieren sich am Markt jedoch immer mehr DEHP-freie PVC-Infusionsschläuche mit identischem Eigenschaftsprofil, deren Rohstoffe absolut unbedenkliche und biokompatible Weichmacher wie TOTM, DEHT, DINCH oder ATBC enthalten.

Aufgrund der Vielzahl verschiedener Anwendungen müssen zunehmend besondere Anforderungen an den jeweiligen Infusionsschlauch realisiert werden. Spezialisiert auf die Konzeption und Herstellung von anspruchsvollen Schläuchen für den Einsatz in Medizinprodukten ist die Novoplast Schlauchtechnik GmbH aus Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der geeigneten Materialwahl über den gesamten Entwicklungsprozess bis in die Serienfertigung .

Breites Portfolio

Das breit gefächerte Portfolio an PVC-Schläuchen für Infusion und Transfusion reicht vom Standard-Infusionsschlauch in den Abmessungen 3,0 x 4,1 Millimeter bis zu einem Angiographie-Superhochdruckschlauch, der Druckbelastungen bis 1.500 psi (rund 103,4 Bar) standhält. Daneben realisiert das Unternehmen individuelle Ausführungen mit speziellen Farbcodierungen und in definierten Shore-Härten. Für PVC-freie Anwendungen ist der Standard-Infusionsschlauch ebenso aus weichmacherfreiem, biokompatiblem Polyurethan erhältlich, auf Wunsch auch wahlweise mit transparenter oder matter Oberflächengestaltung sowie in UV-absorbierender Ausführung.

Wichtig für die Krebstherapie

Im Zuge der voranschreitenden Entwicklung hochwirksamer Medikamente bestehen vor allem im Bereich der Onkologie zunehmend Probleme mit der Kompatibilität von PVC-Material. Hier können einerseits Weichmacher in die Infusionslösung diffundieren und damit in den Körper des Patienten gelangen, andererseits können Bestandteile des Medikamentes adsorbiert werden, wodurch das Medikament seine Wirksamkeit teilweise verliert.

Sicherheit bietet hier ein medikamentenverträglicher Infusionsschlauch mit einem mehrschichtigen Aufbau. Als Werkstoff für die Innenschicht kommt dabei inertes LD-Polyethylen zum Einsatz, das sich neutral zum durchfließenden Medium verhält. Die Außenschicht besteht aus PVC-NoDOP, das mit dem biokompatiblen und gesundheitlich unbedenklichen Weichmacher Mellitsäure-1,2,4-(2-ethylhexyl)-Triester (noDOP) dotiert ist und somit eine hohe Flexibilität und die Beibehaltung der etablierten Weiterverarbeitungsschritte gewährleistet wie beispielsweise Kleben, Schweißen, Bedrucken oder Sterilisieren. Auch individuellen Farbwünschen sind keine Grenzen gesetzt, da die Außenschicht ganz auf das jeweilige Anforderungsprofil abgestimmt werden kann.

Ohnehin bietet die Herstellung im Verfahren der Mehrschichtextrusion nahezu unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten, um unterschiedliche Polymere und deren besondere Eigenschaften gezielt auf die Anwendung abzustimmen. So ist die Zweischichtextrusion von Polyamid (PA) und Polyurethan (TPU) bereits seit vielen Jahren etabliert, die die Vorteile beider Werkstoffe kombiniert: Dabei bietet die Innenschicht aus Polyamid eine hohe mechanische Festigkeit, während die Polyurethan-Außenschicht einen flexiblen Mantel bildet, der mit Körperflüssigkeiten oder Schleimhäuten in Kontakt kommt. Ferner ist auch hier die Weiterverarbeitung wie Verkleben oder Sterilisieren etc. ohne Probleme möglich. Als Beispiel haben die Spezialisten aus dem Harzvorland einen PA/TPU-Superhochdruckschlauch in den Abmessungen 1,80 x 3,65 Millimeter entwickelt, der zugleich weichmacherfrei wie auch hochflexibel ist. bt

Auf einen BlicK

-Die Novoplast Schlauchtechnik GmbH in Halberstadt produziert Kunststoffschläuche und Profile für verschiedenste Anwendungsbereiche, vom Maschinenbau bis zur Medizintechnik.

-Die Produktion der Schläuche für die Medizintechnik mit 0,2 bis 20 Millimeter Durchmesser geschieht in Reinräumen der Klassen 7 und 8.

-Das Produktprogramm umfasst unter anderem Mono- und Multilumenschläuche für Infusionen, Dialyse, Drainage usw. sowie Multilayerschläuche für Infusion, Transfusion, PTCA usw.

Erschienen in Ausgabe: 08/2011