Feine Technik

Porträt

Giessbauteile – Es zischt zwar und ist warm, aber bei Feinguss Blank herrscht Hochtechnologie wie der Vakuumguss vor.

19. September 2013

Gießen ist eher als raues Verfahren bekannt. Wer würde denken, dass es dabei auch filigran zugehen kann. Bei Feinguss Blank in Riedlingen jedenfalls sieht der Besucher teils sehr feine Gebilde aus Wachs an großen Wagen hängen, und einige Abteilungen weiter putzen Mitarbeiter teilweise einbaufertige Bauteile. Mitunter wird es auch mal heißer und ungemütlicher, aber generell ist der Feinguss überraschend wenig rau. Das Verfahren erfordert viel Fertigungsaufwand und technisches Know-how. Das zeigt sich in Riedlingen auf Schritt und Tritt, die Produktionsstätte erstreckt sich über mehrere Werke.

Dabei hat alles klein angefangen: 1960 gründet Wilhelm Blank in der Stadtmitte von Riedlingen eine Handelsvertretung für Werkzeuge und Werkzeugmaschinen und er beschäftigt sich viel mit der Technik des Gießens. Wenige Jahre später beschließt er den Übergang zum produzierenden Unternehmen und zieht an den Stadtrand, da das Gießen viel Raum erfordert und mit Emissionen verbunden ist.

Neben dem Stammhaus entstehen bald An- und Neubauten, 1999 wird der Formenbau ausgegliedert. »Wir stellen alle benötigten Formen selbst her«, erklärt Alfred Brückner, Geschäftsleiter Vertrieb. »Das Know-how von vielen Jahren soll direkt in unsere Werkzeuge einfließen, denn diese sind der Garant für die hochwertige Qualität. Außerdem können wir flexibler und schneller agieren und sind wesentlich wettbewerbsfähiger geworden.« Die Formenbau Blank GmbH entwickelt die Werkzeuge und auch Vorrichtungen für die mechanische Bearbeitung und erstellt die Zeichnungen. Sie arbeitet fast ausschließlich für die Feinguss Blank GmbH und wenige externe Auftraggeber.

Im Jahr 2000 konnte Blank ein angrenzendes Gebäude übernehmen, an das längs ein Neubau gesetzt wurde. Hier sind heute verschiedene Abteilungen angesiedelt. Sechs Jahre später steigt das Unternehmen in den Vakuumfeinguss ein und erweitert die Werkstoffpalette sowie das Firmengelände ein weiteres Mal. Aktuell ist der nächste Abschnitt im Bau, Ende 2013 soll er fertig sein.

Anspruchsvolles Verfahren

Der Vakuumguss hat bei Feinguss Blank zum Wachstum im Automobilbereich beigetragen und dem Unternehmen die Möglichkeit gegeben, spezielle Produktsegmente zu erschließen. Alfred Brückner: »Aus den Anfangszeiten hat sich Blank im Maschinenbau etabliert. Erst in den 90er-Jahren konnten wir uns mit Feingussteilen die Automobilzuliefererbranche erschließen. Dieser Bereich bedeutete gutes Wachstum und bedingt durch den Automobilbau haben wir uns Know-how im Bereich der Hochtemperaturwerkstoffe erworben, zum Beispiel für Turbolader. Die hochwertigen Superlegierungen mit einem hohen Nickelanteil lassen sich nur unter Vakuum vergießen wegen der Reaktion mit Sauerstoff.«

Außerdem liefert Blank Bauteile im Abgasbereich. Weil Autobauer einbaufertige Bauteile bevorzugen, hat das Unternehmen 2007 und 2008 in die Bearbeitung und Montage der Bauteile investiert. Ein Großteil der Montage findet inhouse statt. Um den Kundenwünschen umfassend gerecht zu werden, arbeitet das Unternehmen auch mit externen Lieferanten und Dienstleistern partnerschaftlich zusammen und hat sich in den rund 50 Jahren seines Bestehens mit seinem Know-how einen Namen in verschiedenen Branchen gemacht.

Der Wettbewerb im Feinguss kommt vorwiegend aus asiatischen Ländern wie China oder Indien. Alfred Brückner: »Hier müssen wir uns mit Qualität durchsetzen, was bei den Superlegierungen im Vakuumguss gut gelingt, und den zusätzlichen Schritten wie Bearbeitung und Montage.«

Stark in Service und Beratung

Entscheidend seien aber Beratung und Service. »Wir können Simulationen bei uns im Hause durchführen, um die Konstruktion eines Bauteils zu optimieren, damit wir prozesssicher fertigen können und unser Kunde wirtschaftliche Bauteile erhält. Wir sind schon in einer frühen Entwicklungsphase dabei und können innerhalb kürzester Zeit Prototypen liefern.« sagt Brückner. »Wir müssen punkten mit Technik und Know-how und komplexen und hochwertigen Bauteilen.« Alle Legierungen entstehen im eigenen Labor, um die gewünschten Werkstoffeigenschaften exakt zu treffen. »In der perfekten Legierung steckt genauso viel Know-how wie in der Herstellung.«

Mit den Kunden wachsen

Blank beteiligt seine Mitarbeiter am Unternehmen und hat dazu eine eigene Gesellschaft gegründet. »So möchten wir die wertvollen Mitarbeiter langfristig an uns binden und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Das ist wichtig in einer Tätigkeit, die viel Erfahrung und Fachwissen erfordert.« Zudem sind von rund 500 Mitarbeitern derzeit 43 in der Ausbildung. Seit 2011 gibt es ein Ausbildungszentrum mit eigenen Maschinen, wo die Mechatroniker und Werkzeugbauer ihre Grundausbildung absolvieren.

Da der Job in der Gießerei auch körperlich belastend ist, gibt es ein internes betriebliches Gesundheitsmanagement. Durch Angebote wie Kneippen, Walken oder Kickboxen sowie vergünstigte Mitgliedschaften in Fitnessstudios sollen sich die Mitarbeiter erholen und fit halten, das stärkt auch das Miteinander und die Bindung ans Unternehmen.

Im Gießereibereich wird Feinguss Blank weiterhin sehr stark die Kundenbedürfnisse in den Fokus setzen und auch die Bearbeitung und Montage im Auge behalten. Erklärtes Ziel ist, das Leistungsangebot für den Kunden auf diese Weise deutlich zu erhöhen. Das Unternehmen aus Riedlingen orientiert sich dabei an dem breit gefächerten Feingussmarkt und möchte gemeinsam mit seinen Kunden in den jeweiligen Branchen wachsen. Sehr gute Potenziale liegen laut Alfred Brückner unter anderem im Maschinen- und Anlagenbau.

Für eine weitere erfolgreiche Zukunft hat Werner Blank, der sich zum Ende des Jahres aus dem operativen Geschäft zurückzieht, vorgesorgt. 2011 und 2012 wurde deshalb die Geschäftsführung erweitert.

Auf einen Blick

Feinguss Blank

- Komplexe Bauteile, viele Werkstoffvarianten.

- Nachgeschaltete Wärmebehandlung.

- Leistungsstarke Superlegierungen.

- Vakuumguss als anspruchsvolles Verfahren.

- Bearbeitung gegossener Teile.

- Abschließende Montage und Nachbehandlung.

- Eigene Werkzeugherstellung.

Erschienen in Ausgabe: 07/2013