Fernwartung senkt Kosten

Steuerungstechnik

JetWeb-Steuerung – Maschinen- und Anlagenbauer können mit modernen Fernwartungskonzepten Anlagenkosten, Reisezeiten des Servicepersonals und Stillstandszeiten deutlich reduzieren.

06. Juli 2009

Die ersten Modems läuteten das Zeitalter der Fernwartung ein. Schnellere Zugriffe auf Maschinenparameter ermögliche die weltweite Vernetzung via Internet. Diese barg gleichzeitig aber auch die Gefahr von Viren- und Malware-Angriffen. Emhart Glass mit Hauptsitz in Cham, Schweiz, erarbeitete zusammen mit dem Ludwigsburger Steuerungshersteller Jetter und Innominate Security Technologies ein zukunftsweisendes Fernwartungskonzept, um einen schnellen und sicheren Service zu garantieren.

24/365 Verfügbar

Emhart Glass bietet ein breites Spektrum an hoch entwickelten Maschinen für die Herstellung von Glasbehältern. Basierend auf umfassendem Know-how von Tropfenformung, Behälterformung und Handhabung, Behälterinspektion, Feuerfestigkeit und Qualitätssicherung, haben sich die Maschinen des Unternehmens weltweit als Standardprodukte etabliert. Darüber hinaus bietet Emhart Glass professionelle Unterstützung bei der Produktion sowie umfassende Wartungsdienstleistungen an.

Die Herstellung von Behälterglas im Hot-End-Bereich stellt aufgrund der extremen Umgebungsbedingungen sowohl an die Mechanik wie auch an die Steuerungstechnik höchste Anforderungen. Aus diesen Grund bieten die mit JetWeb-Steuerungstechnologie ausgerüsteten Anlagen von Emhart Glass über folgende Eigenschaften: Eine hohe Geschwindigkeit von bis zu 600 Flaschen pro Minute, bei maximaler Maschinenverfügbarkeit von 24 Stunden an 365 Tagen. Eine durchgängige Vernetzung mit Ethernet ermöglichen JetWeb-Steuerungen ebenso wie die Synchronisation von bis zu 130 Servoantrieben mit der Ethernet-basierten Technologie JetSync.

Die Wiederholgenauigkeit der Ausgänge ist kleiner als eine Millisekunde. Umfangreiche Bedienungs-, Visualisierungs- und Diagnoseoberflächen sowie die Fernwartung via Internet runden die Ausstattung ab.

Optional können die Maschinen auch mit einem übergeordneten Datenserver vernetzt werden.

Wildwuchs Stoppen

Die Firma Emhart Glass setzte inder Vergangenheit bei ihren Kunden Modems ein, um eine Diagnose im Fehlerfall stellen zu können. Diese Technologie stieß mit der Zeit an ihre Grenzen.

Da oft ein schwieriger Verbindungsaufbau festzustellen war, gingen einige Produktionsbetriebe dazu über, eigene VPN-Lösungen via Internet zu erarbeiten. Zum Teil waren diese Lösungen aber untereinander nicht kompatibel und außerdem konnten sie oft nicht aus dem hauseigenen Firmennetz heraus operieren. Der administrative Aufwand war so nicht tragbar.

Schnell und sicher

Emhart Glass und Jetter erarbeiteten daraufhin ein auf Kunden zugeschnittenes Fernwartungskonzept, das eine Reihe von Anforderungen an die Geschwindigkeit, Flexibilität, den Komfort und nicht zuletzt auch an die Zugriffssicherheit erfüllte. Der Leitgedanke war und bleibt, dass Kunden schnell und zuverlässig Hilfe erhalten. Der Servicetechniker soll an der Problemlösung arbeiten und nicht am Verbindungsaufbau.

Auf Seiten der Steuerung erwies sich die Integration als relativ einfach, und der Aufwand war dementsprechend gering. Die JetWeb-Technologie von Jetter brachte einen wesentlichen Teil der Anforderungen von Haus aus mit sich. JetWeb vereint alle typischen Funktionen eines Automatisierungssystems miteinander. Dazu gehören die Elemente der Steuerungstechnik, Antriebstechnik, Bediengeräte, Software, Vernetzung und IT-Technologien. Merkmale dieser Technologie sind die Durchgängigkeit und Effizienz des Automatisierungssystems. Da die JetWeb-Netzwerktechnologie auf dem Standard-TCP/IP aufsetzt, kann auf Konverter oder Umsetzer verzichtet werden. JetWeb ermöglicht es Service-Ingenieuren, direkt einen Achs-Parameter, wie zum Beispiel die Stromaufnahme, online aus der Steuerung über das Internet auszulesen.

VPN mit Firewall

In jeder von Emhart Glass ausgelieferten Anlage ist im Maschinen-Controller eine VPN-fähige Hardware-Firewall installiert. Die Firewall schützt das gesamte Anlagennetzwerk. Im Hauptsitz von Emhart Glass sind zwei Hardware-Gateways mit statischen, öffentlichen IP-Adressen installiert: ein Gateway, mit dem die installierten Anlagen verbunden sind, und ein zweites, mit dem der Service-Ingenieur eine VPN-Verbindung aufbauen kann. Die beiden Gateways sind direkt miteinander verbunden. Die anlagenseitige Firewall initiiert bei Bedarf den Aufbau der VPN-Verbindung. Der Gateway lässt nur Verbindungen mit zertifizierten Teilnehmern zu.

Auf dem Notebook des Service-Ingenieurs ist ein Software-VPN-Client installiert. Darüber kann er den Kontakt zum Gateway des Technikers aufbauen und auf die gewünschte Anlage zugreifen, sofern er dazu die Berechtigung hat. Notebooks und stationäre Rechner, die mit dem Gateway Kontakt aufnehmen, sind ebenfalls mit einem Zertifikat versehen. Ein Internet-Zugang ist das einzige, was der Kunde Emhart Glass an Infrastruktur zur Verfügung stellen muss. Entweder über das Firmennetzwerk oder über einen direkten DSL-Anschluss.

Weltweit sind rund hundert mit diesem Fernwartungskonzept ausgerüstete Glasproduktions-Anlagen im Einsatz. Durchschnittlich wird eine Fernwartung für Diagnose oder Fehlersuche einmal wöchentlich angefordert: Tendenz steigend.

Die bisher gemachten Erfahrungen sind ausgesprochen positiv, sowohl auf Seiten von Emhart Glass als auch auf Seiten der Kunden. Die Erfahrungen sind so gut, dass Kunden auch ihre älteren Anlagen mit dem innovativen Emhart-Glass-Konzept nachrüsten lassen. Das bedeutet für beide Seiten neben kurzen Reaktionszeiten auch erhebliche Kosteneinsparungen. Außerdem wird die Verfügbarkeit der Anlagen wesentlich erhöht.

Martin Buchwitz, Jetter/csc

+ Seit mehr als 25 Jahren ist Jetter in der Automatisierungstechnik zu Hause.

+ Die Integration aller Automatisierungsfunktionen in ein System und eine Programmiersprache sind das Kennzeichen der Jetter-Technologie.

+ Jetters Steuerungslösungen kommen im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Gebäudeautomation und der Mobilen Automation zum Einsatz.

Fakten

Erschienen in Ausgabe: 04/2009