Fertig fürs Solar-Zeitalter

Technik

Kunststoffe – Maßgeschneiderte Polyamid-Kunststoffe, die sich seit Jahrzehnten in der Elektrotechnik und Elektronik bewährt haben, eignen sich auch für Stecker und Anschlussdosen von Photovoltaikanlagen unter den rauen Umgebungsbedingungen im Freien.

17. Februar 2011

Auch Photovoltaikanlagen sind Elektroanlagen und müssen daher auch bezüglich der Zulassung ihrer Anschlusstechnik hohe Anforderungen erfüllen. Dazu kommen hier noch spezielle Anforderungen für den Einsatz bei Wind und Wetter im Freien. Der Kunststoffspezialist BASF aus Ludwigshafen am Rhein bietet jetzt für die Produktion der Stecker und Anschlussdosen solcher Anlagen spezielle Varianten des bewährten Polyamids Ultramid an, die nicht nur flammwidrig und hochfest, sondern auch besonders kälteschlagzäh sind.

In Schützen, Motorschutzschaltern oder Spulenkörpern kommen diese speziellen Sorten bereits seit Jahren zum Einsatz. Der schweizerische Anschlusstechnikspezialist Huber + Suhner verwendet Ultramid jetzt zudem für die neueste Generation seiner Steckverbinder, die in Solarmodulen zum Einsatz kommen, erläutert Max Göldi, Produkteinheitsleiter des Unternehmens mit Sitz in Pfäffikon bei Zürich: »Wir haben uns sehr früh für das leistungsstarke und zuverlässige Material entschieden, weil es die Fertigung unserer hocheffizienten Photovoltaik-Bauteile erleichtert.«

Derzeit produzieren die Schweizer deshalb zusätzlich auch die Anschlussboxen für Photovoltaikleitungen (im Bild links) aus einem Spezialpolyamid des deutschen Chemiekonzerns. Alle für diese Anwendungen empfohlenen BASF-Polyamide bringen die notwendigen Zulassungen mit und erfüllen die hohen Anforderungen im Photovoltaikmarkt.

Schlank und feuerfest

Für das Anwendungsgebiet Photovoltaik-Steckverbinder empfiehlt BASF vor allem die Variante Ultramid A3X2G7: Dieser Werkstoff ist besonders steif und ermöglicht damit eine besonders schlanke Gestaltung der Stecker, die dabei dennoch die hohen Anforderungen erfüllen. So erreicht der Werkstoff beispielsweise ab einer Wanddicke von 0,8 Millimeter die Brandschutzklasse V0 gemäß UL-94, ab einer Dicke von 1,5 Millimeter wird sogar die Norm UL-94 5VA erfüllt.

Für Anschlussdosen von Solaranlagen eignet sich hingegen der Werkstoff Ultramid A3XZG5. Dieses hoch schlagzäh modifizierte Polyamid bietet selbst nach 4.000 Stunden Klimalagerung bei 85 Grad Celsius und 85 Prozent Luftfeuchte eine Bruchdehnung, die doppelt so hoch ist wie die bisher eingesetzter Werkstoffe. Zudem überstehen Anschlussdosen aus diesem Werkstoff ohne Probleme den anspruchsvollen Cold-Impact-Test nach UL 1703. Bei dieser Prüfung dürfen Bauteile nach dem Aufprall einer gut 500 Gramm schweren Kugel aus 1,30 Meter Höhe bei einer Temperatur von –35 Grad Celsius keine Risse und Schäden aufweisen. Die vorgeschriebene Brandschutzklasse UL-94 5VA erfüllt der Werkstoff ab einer Wanddicke von 2,3 Millimeter.

Wetterfest bei Sonnenschein

Beide Polyamid-Typen sind außerdem nach der für die Solartechnik wichtigen f1-Bewitterungsprüfung (UL) zertifiziert. Diese Norm fordert, dass sich die Brandklasse des Produkts nach 1.000 Stunden Xenon-UV-Bewitterung und nach sieben Tagen Wasserlagerung nicht ändert. Festigkeit und Schlagzähigkeit müssen nach der Bestrahlung zudem mindestens 70 Prozent ihres Ausgangswerts erreichen. Mit diesen Eigenschaften sind die speziellen Ultramid-Typen gut für den wachsenden Markt der Solartechnik gewappnet.

bt

Erschienen in Ausgabe: 01/2011