Fingerzeig für Maschinenbauer

Forum - Wie wirkt sich Mechatronik auf Organisation und Technik aus? Manfred Bonnetsmüller ist Geschäftsführer von Somic. Auf dem 4. Forum Mechatronik hat er über seine Erfahrungen gesprochen.

30. Mai 2007

Somic stellt Verpackungsmaschinen her, genauer gesagt Endverpackungsmaschinen. Das Unternehmen mit Sitz in Amerang in Oberbayern gibt es seit 1974. »Unsere Kunden sind sehr große, aber auch kleinere Firmen der Lebensmittelherstellung weltweit«, sagt der Gründer und Geschäftsführer Manfred Bonnetsmüller. Branchenuntypisch ist der große Lieferanteil in Deutschland, nämlich fast die Hälfte. Bonnetsmüller: »Wahrscheinlich ist einer der Gründe, dass unsere mechatronischen Maschinen besonders flexibel einsetzbar sind.« Den Anstoß zur Mechatronik bei dem Hersteller für die leistungsstarken Verpackungsmaschinen gab ein Kunde. »Vor knapp 20 Jahren wollte er eine Kartonaufrichtemaschine für mehrere Tray-Formate. Die Maschine solle auch schnell und sicher umzustellen sein«, erinnert sich der Gründer von Somic. »Unsere Lösung war eine kompakte Maschine mit reduziertem Mechanik-Anteil. Sie arbeitete auf Tischebene und nutzte statt der traditionellen Transportkette ein Vakuum- Fördersystem.« Doch das völlig Neue war eine IPC-Steuerung.

Die Maschine zeigte nach ihrer Fertigstellung bereits alle Merkmale der neuen Maschinengeneration mit dem für alle Verpackungsmaschinenmittlerweile obligatorischen Touch-Screen. Dass eine mechatronische Idee weitere Kundenwünsche weckt, war Manfred Bonnetsmüller nur recht. »Kunden haben in unserem mechatronischem Grundkonzept eine Lösung für ihre Verpackungsaufgabe gesehen.« Doch eine Maschine allein macht noch keine mechatronische Verpackungslinie. Diese galt es zunächst zu entwickeln. Sie bestand aus drei aufeinander folgenden Maschinenmodulen: Den Kartonaufrichter (KA) hatte Somic bereits, dann folgte der Einsetzpacker (EP) als Sideoder Top-Loader. Der Deckelautomat komplettierte die Linie. Der Erfolg durch Mechatronik ließ nicht lange auf sich warten: Zwischen 2001 und 2002 wuchs Somic um 100 Prozent. Für Bonnetsmüller stand jetzt fest: »Ein bisschen Mechatronik und ein bisschen von allem anderen, das hat für uns keine Zukunft.« Alles bisherige musste konsequent abgelöst werden. Aber wie?, lautete die Frage? An die Interpack 2002 erinnert sich Manfred Bonnetsmüller noch genau: »Auf dieser Messe gab es erstmals mechatronische Anwendungen zu sehen. Leider waren das Einzellösungen. « Bei Einzellösungen sollte es bei Somic nicht bleiben. »Das komplette Programm, musste mechatronisch werden.« Deshalb war klar, dass auch die ›klassischen‹ Somic-Maschinen mechatronisch werden mussten. »Mit den kompakten Tray- Sammelpackern, den Wrap- Around-Verpackungsmaschinen und den Tray-Deckel-Packern mussten wir zwangsläufig nachziehen. Bei der Entwicklung dieser Maschinentypen konnten wir bereits auf eine Reihe von Modulen, Baugruppen und Software-Bausteinen zurückgreifen. »Mit einheitlichen lichem Gestell und Schutzeinrichtungen entwickelte sie eine gemeinsame Linie - ein Gesicht «. Mitten in diese Zeit der stürmischen Unternehmensentwicklung und des technologischen Wandels beschäftigte sich Bonnetsmüller intensiver mit mechatronischen Modellen - wie dem Quality-Gates-Modell.

Quality-Gates

Als ernstzunehmendes Modell bewirkte es einige organisatorische Neuerungen im Unternehmen. Denn die Logik der gemeinsam vorgeplanten, aufeinander folgenden Quality-Gates fand Bonnetsmüller sehr plausibel. Es entstand eine neue Organisationskultur: »Alle Abteilungen der Produktion folgen dem Ordnungsprinzip der Mechatronik. Jede Form der Mechanik wurde mit Steuerungstechnik gemeinsam bearbeitet. Vom Projektstart bis zur Kundenübergabe der Anlage bleibt das Projektmanagement zentraler, verantwortlicher Ansprechpartner. Dabei waren Beginn und Ende der Tätigkeiten durch ein Quality-Gate gekennzeichnet. Der nächste Produktionsschritt erfolgte erst, wenn das Quality-Gate erfüllt war. Der Qualitätsstandard wuchs dabei bei jedem Schritt«, erläutert der Somic-Chef.

Alles nach einem Standard

Die technische Konsequenz lautete: »Alle Maschinen werden auf den gleichen Standard-Baugruppen mechanisch, steuerungstechnisch und softwaremäßig aufgebaut.« Mechatronik bedeutet auch Kooperation über Firmengrenzen hinweg. »Ein wesentlicher Schritt zum Erfolg war die enge Zusammenarbeit zwischen Elau und Somic. Wir haben Referenzmaschinen gebaut, und sie gemeinsam programmiert. Und nicht zuletzt haben wir gemeinsame Anwendungen für Pharma, Süßwaren, Petfood und Lebensmittel erschlossen «, erinnert sich Bonnetsmüller. Das Ergebnis zeigte er auf dem 4. Forum Mechatronik am Beispiel einiger im Jahre 2006 ausgelieferter Maschinen. Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 04/2007