Fisch in Form gebracht

Touchpanels - Fisch ist immer noch erschwinglich. Automatisierung der Fischverarbeitung trägt dazu bei. Bis zu 60 Tonnen Fisch, vom Fang bis zur Frischverwendung, werden pro Stunde in der weltgrößten Fischverarbeitungsanlage auf den Shetland-Inseln weiterverarbeitet. Wie bewältigt die Elektrokonstruktion diese Aufgabe?

05. Juli 2005

Wie kommt der Fisch nach dem Fang als fertiges Gericht eigentlich auf den Tisch? Natürlich wird er ausgenommen, je nach Typ entgrätet, enthäutet und anschließend in Filetstreifen, Stücken oder als Ganzes für den Endverbraucher verpackt. Bleibt noch die Frage, wie die unzähligen Speisefischarten nahezu vollautomatisch verarbeitet werden und worauf es dabei im einzelnen ankommt. Eines der weltweit führenden Unternehmen auf dem Sektor der Fischverarbeitungsmaschinen ist die Nordischer Maschinenbau Rud. Baader GmbH + Co. KG. Mit ihrem Stammsitz in Lübeck und mehr als 70 Niederlassungen und Vertretungen weltweit ist der Name Baader seit fast 100 Jahren ein Begriff in der Fischverarbeitung. Bereits in den frühen 20er Jahren baute der Firmengründer Rudolph M.J. Baader eine Köpf- und Entgrätungsmaschine und revolutionierte so die gesamte Fischkonservenindustrie im Nord- und Ostseeraum. Baader findet seine Kunden weltweit, wobei ein Schwerpunkt der Aktivitäten in Skandinavien liegt. »Hinter all dem Erfolg steht Maschinenbau auf höchstem technischen Niveau. Maschinen aus besten, beständigsten Materialien mit ausgefeilter mechanischer und elektronischer Steuerungstechnik garantieren die effektive Nutzung des Nahrungsmittels Fisch, unerheblich ob Seewasser-, Süßwasser- oder Farmfisch, bis hin zum edlen Lachs.«

Fischverarbeitungsmaschinen bestehen, ganz allgemein formuliert, aus einer Zuführeinrichtung, Köpf- und Entgrätungseinheit mit oder ohne Enthäuter sowie einer Abförderungseinheit und einer Resteentsorgung. Das Know-how steckt, im Detail. Baader baut als einziger Hersteller Anlagen, bei denen mit ein und derselben Maschine sowohl Heringe als auch Makrelen verarbeitet werden können. Durch ein paar Handgriffe werden die einzelnen Maschinenteile auf eine komplett andere Art umgestellt. Selbst bei einer Spezies gibt es regionale Unterschiede zu berücksichtigen.

Die zum Fisch passende Maschine

So ist z.B. der Ostseehering wesentlich kleiner und weicher als sein Verwandter aus Nordnorwegen. Und diese Besonderheit gilt es bei der Entwicklung einer fischverarbeitenden Anlage zu beachten. »Es gibt kaum eine Fischsorte, für die wir keine passende Maschine haben«, weiß der Leiter der Elektrokonstruktion zu berichten. Er ist mit seinem Team dafür verantwortlich, daß die elektronische Steuerung funktioniert und die Maschinen für den Endanwender bedienbar sind. Um dies zu gewährleisten, werden seit einiger Zeit in bestimmten Produktlinien grafische Touchbildschirme von Pro-face eingebaut. Als Baader vor ca. drei Jahren nach einem neuen Bedienkonzept suchte, wurde man bei Pro-face mit den innovativen Touchdisplays fündig. Mittlerweile erreichen den Maschinenbauer so viele positive Rückmeldungen der Kunden, daß die Produkte jederzeit mit gutem Gewissen eingesetzt werden.

Die Frage der LesbarkeitBei älteren Maschinen kam es gelegentlich vor, daß die damals eingesetzten Folientastaturen aufgrund von Wasserschäden ausgewechselt werden mußten. Dies kann sich ein Unternehmen mit positivem Qualitäts-Image nicht leisten.

Daher setzt der Lübecker Maschinenbauer jetzt industrietaugliche Bedienterminals ein, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Bei Baader kommen die unterschiedlichsten Pro-face-Panels zum Einsatz. Die Bildschirme der GP-2000-Serie mit 5,7 Zoll (14,5 cm) bis zu 12 Zoll (30,5 cm) Bilddiagonalen verrichten bereits in vielen Anlagen zuverlässig ihren Dienst. Selbst die neueste Produktlinie Smarttouch mit einem 3,8 Zoll (10 cm) kleinen LCD-Monitor hilft Bedienern bei der Produktionsüberwachung. Die Geräte werden in unterschiedlichen Maschinentypen eingebaut. Dabei handelt es sich um die Salzfisch-Filetiermaschine Baader 541, bei der bereits ausgenommene Fischkörper präzise entgrätet und als aufgeklappte Hälften zur Weiterverarbeitung zu Salzfisch die Maschine verlassen. Die Anlage nimmt Fische mit bis zu 110 cm Länge auf und verarbeitet zwischen 15 und 36 Stück pro Minute. Die Baader 221 arbeitet im Verbund mit Zuführ- und Transporteinrichtungen als vollautomatische Heringsfiletieranlage. Eine weitere Maschine, die BA605 (Entsehnungsmaschine), wird mit einem Pro-face-Panel zur Visualisierung des automatischen Ablaufes der Chargierung und Verwiegung ausgerüstet. Durch die rauhe Produktionsumgebung sind die Bedienbildschirme häufig mit einer Schmutzschicht bedeckt. Daher ist die hohe Brillanz sowie eine gute Lesbarkeit ein besonders wichtiger Aspekt bei den Visualisierungskomponenten. Dabei kommt dem Maschinenbau-Unternehmen auch die hohe Widerstandsfähigkeit der Pro-face Frontfolien entgegen. Ganz gleich, ob mit ölverschmierten Fingern oder mit Handschuhen bedient wird. Auch durch vom Kunden eingesetzte Reinigungs- und Lösungsmittel sind bisher keine Ausfälle aufgetreten. Im allgemeinen sind die Produktionsmaschinen mit einer S7-300 ausgestattet, die über MPI-Anbindung mit den Touchterminals kommuniziert. Die Art der angezeigten und einzugebenden Prozeßparameter ist bei allen Fischverarbeitern ähnlich. Neben der Fischsorte ist die laufende Produktionszeit, die Verarbeitungsgeschwindigkeit in Fisch/min und die Darstellung der Betriebsmodi für den Bediener von Bedeutung. Alle Gerätetypen von Pro-face werden mit einem Softwarepaket projektiert. Das Programm GP-PRO zeichnet sich unter anderem durch seine Funktionsvielfalt aus, die in komplexen Visualisierungsprojekten voll zur Geltung kommt. Selbst Neueinsteiger kommen aufgrund der Funktionsbibliotheken schnell zum Erfolg. Ein Symbolarchiv bietet mehr als 1.800 vordefinierte Objekte, wie Schalter, Lampen, Balkengrafiken und Meßinstrumente sowie numerische, alphanumerische Anzeigen und Eingabetastaturen. Darüber hinaus ist der Anwender in der Lage, sich eigene Symbole mit dem integrierten Zeichen- und Piktogramm-Editor zu erstellen und in eigenen Bibliotheken für zukünftige Projekte abzulegen. Das Einbinden von Grafiken im JPG-, DXF- und BMP-Format gehört genauso zum Funktionsumfang wie die Sprachumschaltung für bis zu 16 Online-Sprachen.

Das Team der Elektrokonstruktion weiß aus eigener Erfahrung: »Wenn ein Endkunde eine Anlage nach 15 Minuten alleine bedienen kann, dann ist das ein Zeichen für Anwenderfreundlichkeit.« Und das ist in erster Linie auf die benutzerorientierte Projektdarstellung von Baader zurückzuführen. In jedem Touchpanel ist ein komplett grafisch gestaltetes Hilfesystem hinterlegt. Der Arbeiter an der Maschine bekommt z. B. bei Störungen eines Sensors direkt am Bildschirm angezeigt, wo, wie, welcher Fehler auftrat und wie er zu beheben ist. Um dies so realitätsnah wie möglich umzusetzen, werden bei der Inbetriebnahme am Fabrikationsort von den Maschinenelementen Digitalfotos geschossen, die anschließend ins Projekt eingebunden werden. Ähnlich verfährt man bei der Sprachumschaltung. Sämtliche Meldungen werden einem einheimischen Ingenieur zur Übersetzung vorgelegt. Die so entstandene Sprachtabelle wird dann als CSV-Datei (comma separated value) vor Ort in die Touchpanels eingespielt und im Testbetrieb überprüft. Änderungen können dann unverzüglich eingepflegt werden. Auf diese Weise spart man bei Baader zeit- und kostenintensive Übersetzungsarbeiten und erreicht gleichzeitig eine Akzeptanz beim und Bindung zum Endkunden.

Die weltweit größte Fischverarbeitungsanlage befindet sich auf den Shetland-Inseln, nordöstlich von Schottland. Dort stehen zwölf Heringsanlagen von Baader im Verbund und verarbeiten 60 Tonnen Fisch pro Stunde. Die Fabrikationslinie ist vollständig auf Touchbedienung umgerüstet.

Dirk Hartmann, Pro-face Deutschland

Erschienen in Ausgabe: 02/2004