Fit für die Zukunft

Titelstory

Automatisierung – In einer sehr großen Anstrengung entstanden bei Mitsubishi Electric »Next Generations« von Produktlinien quer durch alle Segmente. Damit fühlt sich das Unternehmen bereit für künftige Herausforderungen.

10. Dezember 2013

Es war Zeit für eine Offensive. Das hat Hartmut Pütz, President Factory Automation in der European Business Group von Mitsubishi Electric schon einige Zeit gespürt. »In den klassischen Disziplinen der Steuerungstechnik drohten wir an der einen oder anderen Stelle ins Hintertreffen zu geraten. Dessen sind wir uns bewusst geworden und auch die japanische Mutter hat ganz klar gesehen, dass sich der wichtigste Automatisierungsmarkt der Welt in Deutschland befindet und hier der Treiber für viele Standards liegt, die in absehbarer Zeit auch für den japanischen oder chinesischen Markt wichtig werden.«

Deshalb gab es für Mitsubishi Electric eine große Motivation, in der Steuerungstechnik und den benachbarten Disziplinen aktiv zu werden und alle Produktgruppen zu überarbeiten. Sichtbares Ergebnis der Bemühungen ist die Initiative Next Generations, die Mitsubishi Electric auf der SPS IPC Drives stolz präsentiert hat. »Es grenzt an eine Revolution, wie das ganze Team den Plan in die Tat umsetzen konnte – und das in nur einem Jahr und über einen so großen Produktbereich hinweg«, freut sich Hartmut Pütz. »Jetzt sind wir in der Lage, weltweit auch die strengen europäischen Standards zu erfüllen, und können die neuen Produkte zum Vertrieb freigeben. Dabei hatten wir in der Vergangenheit doch einige Schwierigkeiten«, ergänzt er.

Neues Denken

Next Generation umfasst mehr als vier neue Produktreihen, es handelt sich dabei vielmehr um eine andere Art des Denkens bei Mitsubishi Electric. »Der Prozess begann vor fünf Jahren, bis zu der Zeit haben wir uns überwiegend als Komponentenanbieter betätigt. Wir haben das gerne getan und auch erfolgreich, aber in der heutigen Zeit reicht das nicht mehr aus, der Weg geht eindeutig in Richtung Systeme und Lösungen«, erzählt Hartmut Pütz. Lösungsanbieter heißt für ihn jedoch nicht, dass Mitsubishi Electric die Arbeit für seine Systemintegratoren machen will. Diese sollen nach wie vor die Integration und Realisierung verantworten. »Wir wollen Lösungen gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln. Dabei binden wir auch Partner mit ein. Dies ist ein wichtiger Schwenk in unserer gesamten Strategie.«

Die Strategie fasst langsam weltweit Fuß. Auf den Automatisierungsmessen in Asien tobt nicht mehr wie bisher eine Komponentenschlacht, es tauchen erste Industrielösungen auf, vor allem bei Mitsubishi Electric. »Es ist sehr schön, dass die Initiative ihren Ursprung in Europa hat und sich jetzt bis nach Japan erstreckt. So treiben wir aus unserer Region den gesamten Konzern an.«

Als Grundlage für effiziente Lösungen schon lange vorhanden ist die Durchgängigkeit der gesamten Palette durch die gemeinsame iQ-Platform. So gewährleistet das Unternehmen die Kommunikation über alle Produkte hinweg, sei es eine CNC-Steuerung, eine SPS oder ein Antrieb. Dieses Prinzip bleibt weiterhin erhalten und Veränderungen in der technischen Komponentenbasis haben keinen Einfluss darauf.

Das gilt auch für die Rückwärtskompatibilität aller Produkte, die sehr wichtig ist für Mitsubishi Electric. Hartmut Pütz: »Alle SPS-Programme zum Beispiel laufen ohne jegliche Änderung auf der neuen IQ-R-Platform genauso wie auf dem Vorgänger, der Q-Serie. Zusätzliche Funktionen werden von den alten Programmen zwar nicht sofort unterstützt, aber das lässt sich anpassen.«

Sehr schnell – höchst kompakt

Das neue Produktquartett verfügt über viele innovative Merkmale und Eigenschaften. Die bereits angesprochene iQ-R-Platform reduziert den Entwicklungsaufwand sowie Wartungs- und Betriebskosten, gleichzeitig sorgt die neue modulare Hochleistungssteuerung mit deutlich gesteigerter Leistung und umfangreichen Funktionalitäten für höhere Sicherheit, reibungslose Produktionsabläufe und kürzere Standzeiten.

Die Ladezeit für eine logische Anweisung der iQ-R-Platform bewegt sich unter einer Nanosekunde. Das beeindruckt Hartmut Pütz sehr: »Diese Größenordnung ist in der Industrie bis dato unerreicht. So können wir im Bereich der modularen Steuerung eine gewisse Technologieführerschaft einnehmen. Next Generation ist für uns hier mit der Erwartung verbunden, dass wir mit der neuen Automatisierungsplattform stärker wachsen können als mit den alten Technologien.«

Die Kompakt-SPS der Serie Melcec FX5 soll die Produktivität der Anwender noch weiter steigern und die Gesamtbetriebskosten sowie den Energieverbrauch reduzieren. Selbst schwierigere Positionieraufgaben erledigt die Steuerung ohne zusätzliche Module. Funktionen wie schnelle Zähler und Pulsausgänge sind in alle Grundgeräte integriert. Dies erlaubt die Ansteuerung von bis zu vier unabhängigen Achsen.

Sehr auffällig ist die sehr kompakte Bauweise, im Vergleich zum Vorgängermodell FX3 ist für die Steuerungstechnik in den Maschinen nur ein Drittel des Bauraums erforderlich.

»Da sind wir in der Vergangenheit technologisch überholt worden. Mit der neuen Generation konnten wir die Lücke zum Wettbewerb aber nicht nur schließen, die FX5 bedeutet einen gewaltigen Satz nach vorne«, ist Hartmut Pütz überzeugt. »Darum haben wir die laufende Nummer vier übersprungen, um ein sichtbares Zeichen zu setzen, wie sehr wir von unserer Entwicklung überzeugt sind. Auch in diesem Fall würde ich wieder von einer Revolution sprechen.«

Intuitiv und scharf – stark und effizient

Schlagworte bei den Bediengeräten der Familie GOT2000 sind eine verbesserte Bedienerfreundlichkeit, erweiterte Funktionalitäten, hohe Kosteneffizienz und die optimale Integration in das Portfolio der Factory Automation. Die Geräte ermöglichen ein intuitives Bedienkonzept mit Multitouch-Funktion und Gestensteuerung. Mit Modellen ohne USB-Anschluss im Frontbereich geht Mitsubishi Electric gezielt auf die Anforderungen der Lebensmittelindustrie ein.

Die größte und wichtigste Neuerung auf HMI-Seite ist für den Geschäftsführer aber die Darstellungsqualität, denn die Auflösung ist sehr viel größer als die der Vorgänger. »Außerdem haben wir die Bedieneroberfläche der GOT2000 sehr eng an die Welt der mobilen Endgeräte angelehnt, die die meisten Anwender im Alltag gewohnt sind. Die Geräte lassen sich ohne punktuelle Berührungen durch Schieben und Wischen leicht und einfach bedienen.« Der dritte wesentliche Punkt sei die Einbindung der Terminals in strategische Zielmärkte wie Lebensmittel oder Konsumgüter.

Die modernen Umrichter der Serie FR-A800 wurden speziell für den klassischen Maschinen- und Anlagenbau entwickelt. Dank maximaler Leistung und Performance sind sie in der Lage, Effizienz- und Produktivität zu steigern. Die FR-A800-Umrichter sind besonders bedienerfreundlich und verfügen über zahlreiche Netzwerkanbindungen. Die FR-A800-Serie erfüllt internationale Normen und Standards und ist mit aktuellsten Sicherheitsfunktionen ausgestattet.

»Zum ersten Mal unterstützen wir mit unseren Antrieben standardmäßig auch die höheren Schutzklassen bis zu IP55«, zeigt Hartmut Pütz auf. »Das erweitert den Einsatzbereich um die für uns sehr wichtigen Zielmärkte Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie sowie die Abwassertechnik, denn dort ist IP55 absolute Voraussetzung, darunter braucht man dort nicht zu agieren.« In der Vergangenheit musste Mitsubishi Electric dafür Partner einbinden, denn das Programm der Umrichter endete bei IP20. Auch die offene Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Geräte. Vorkonfigurierte Applikationsblöcke für bestimmte Industriebereiche decken die gängigen Standards und Busse ab.

Ein gemeinsamer Kundennutzen aller neuen Produkte ist nach Aussagen des Geschäftsführers ganz klar das verbesserte Preis-Performance-Verhältnis. »Wir werden die Produkte kommerziell so positionieren, dass das Verhältnis von Preis und Nutzen für den Kunden günstig ist. Durch die Vereinheitlichung unserer Engineering-Tools für modulare Steuerungen und Kompakt-SPS haben wir diesen Aspekt noch verstärkt, denn der Anwender kann verteilte Automatisierungsapplikationen mit dem gleichen Engineering-Tool entwickeln.«

Vorteile kommunizieren

Bei all diesen Merkmalen verwundert es nicht, dass sich der Europa-Präsident mit seinem Unternehmen fit fühlt für die Zukunft. »Wir waren schon in der Vergangenheit in vielen Bereichen Vordenker, aber haben das nicht so nach außen getragen. Jetzt haben wir uns entschlossen, im Rahmen der neuen Produkte damit aggressiver am Markt umzugehen. Mitsubishi Electric wird seine Vorteile bei den Produkttechnologien ganz klar am Markt kommunizieren, weil wir fest davon überzeugt sind.«

Natürlich spielt auch der Megatrend Industrie 4.0 in die zukünftige Ausrichtung hinein. Kein großer Player kann sich dem entziehen. »Wir sind technologisch fit für die neuen Herausforderungen einer vernetzten Industrie und auf alles vorbereitet«, sagt Hartmut Pütz. »In Randbereichen von Industrie 4.0 sind wir schon sehr weit und die neuen Produkte helfen uns dabei, konkrete Konzepte zu realisieren. Wir sind fit für die Zukunft, auch wenn es irgendwann einmal Industrie 6.0 heißt.«

Mithilfe der neuen Strategie werden Schritt für Schritt Komponenten entstehen, die ganz genau auf die Zielmärkte von Mitsubishi Electric abgestimmt sind. Dabei spielen auch Partnerschaften eine Rolle und verstärkt Akquisitionen wie zuletzt KH-Automation für eine Verstärkung in der Prozessautomation. »Es ist eine Evolution, die auf den jetzt vorgestellten revolutionären Bausteinen basiert«, schließt Hartmut Pütz ab.

Auf einen Blick

Die neuen Vier

Hochleistungssteuerung iQ-R

- Mehr Leistung, umfangreiche Funktionalitäten.

- Ladezeit für logische Anweisung unter 1 ns.

Kompakt-SPS FX5

- Sehr kompakt und effiient, steigert Produktivität.

HMI GOT2000

- Intuitives Bedienkonzept mit Multiloch-Funktion.

- Hohe Darstellungsqualität, mehr Auflösung.

Umrichter der Serie FR-A800

- Bedienerfreundlich, viele Netzwerkanbindungen.

- Unterstützung hoher Schutzklassen bis IP55.

Erschienen in Ausgabe: 09/2013