Fit für Europa

Schweiz Innovativ

Embedded – Sie können die Litanei von der Frankenverteuerung nicht mehr hören, die Schweizer. Lieber suchen sie nach innovativen Wegen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

28. Juni 2012

Was kaum einer weiß: In einem unscheinbaren Gebäude in Baden-Dättwil bei Zürich befindet sich ein Fertigungszentrum für Embedded-PCs, das es mit den Anlagen der großen Hersteller durchaus aufnehmen kann. Den Besucher beindrucken die topmodernen Maschinen, die hohe Fertigungstiefe und mit wie wenigen Mitarbeitern alles läuft. Das ist das Geheimnis von Syslogic, dem Betreiber der Anlagen. MarCom-Leiter Patrik Hellmüller ist stolz auf die Ausstattung: »Mit diesem sehr modernen Maschinenpark sind wir in der Lage, alles in Europa zu fertigen.«

Überhaupt ist Europa das bestimmende Schlüsselwort in der Philosophie des Familienunternehmens und gleichzeitig die Lösung für jenes Problem, das die Schweizer Wirtschaft seit Monaten arg beutelt. »Der sehr gute Schweizer Ruf wird beschädigt durch seinen teuren Ruf aufgrund der Währungsverschiebung«, beklagt Produktmanager Raphael Binder, »aber wir haben uns schlank gemacht und stehen einem deutschen oder europäischen Unternehmen in nichts nach. Wir konnten unsere internen Prozesse optimieren, Produktionskapazitäten verlagern, im Einkauf Maßnahmen einleiten und so einen Großteil der Euro-Krise abfedern.« Die Marktpreise von Syslogic seien identisch zu deutschen Vergleichsprodukten. »Sonst würden wir wohl auch nicht mehr existieren.«

Das kann Christian Binder, Geschäftsführer und einer der Gründer von Syslogic, nur bekräftigen: »Die Schweiz gehört zwar nicht zur EU, ist aber geografisch der Mittelpunkt Europas. Entsprechend sehen wir uns als europäisches Industrieunternehmen, das sich am europäischen Markt orientiert.«

Die innovativen Produkte von Syslogic kommen zum Beispiel in deutschen Anlagen weltweit zum Einsatz. Darum bekommen die Schweizer auch direkte Anfragen beispielsweise aus Indien, ob es für ein teils schon sehr altes Bauteil noch Ersatz gibt.

Deutschland ist seit jeher einer der wichtigsten Märkte für den Anbieter, der sich auf Embedded-Systeme spezialisiert hat, die kabel- und lüfterlos arbeiten, ESD-geschützt sind und auf Low Power ausgelegt. Alle Produkte sind geeignet für den Dauerbetrieb. Patrik Hellmüller: »Wir achten schon bei der Entwicklung darauf, dass wir eine hohe Verfügbarkeit garantieren können. Außerdem halten wir uns lange lieferfähig. Das schätzen unsere Kunden sehr. Was uns zudem auszeichnet, sind Kundendienst und Support. Wenn Kunden Fragen haben, landen sie nicht bei einer Hotline, sondern sofort beim Entwickler.« Für individuelle Anforderungen kann Syslogic seine Standardgeräte schnell anpassen.

Hauptzielgruppen von Syslogic sind Unternehmen in der Industrie und dort besonders im Maschinenbau. Dazu kommt eine ganze Reihe weiterer Branchen, was zeigt, wie breit Syslogic aufgestellt ist. Immer wichtiger werden die erneuerbaren Energien, wo ein großer Bedarf an Embedded-Computern besteht.

Robust und langlebig

Darum entwickeln die Schweizer ständig neue Geräte. Neues Zugpferd ist die Serie Compact 41. »Sie reiht sich in puncto Robustheit und Langlebigkeit nahtlos in unser bestehendes Sortiment ein und legt bei der Energieeffizienz noch einmal zu«, sagt dazu Raphael Binder. Dank einer neuen Prozessorplattform haben die Module zudem eine sehr hohe Rechenleistung.

Aus all diesen Eigenschaften wird deutlich, dass die Entwickler von Syslogic die neue Compact-41-Serie explizit für Embedded-Anwendungen konzipiert haben. Dank der hochintegrierten Prozessorarchitektur sind sämtliche Hauptfunktionen des Prozessors auf einem einzigen Chip vereint.

Ein integriertes Überwachungssystem garantiert eine hohe Betriebssicherheit. Es umfasst neben dem erprobten intelligenten Power Management auch eine Temperaturüberwachung sowie einen Watchdog. »Dieser stellt sicher, dass das System im Fall einer Störung automatisch wieder startet«, erklärt Binder.

Den erweiterten Temperaturbereich realisiert Syslogic nicht wie sonst üblich über ein Screening-Verfahren, schon bei Entwicklung und Bauteilselektion wird festgelegt, welchen Belastungen die Systeme standhalten müssen. Die Compact-41-Rechner gibt es als zweistöckige M-Variante mit Raum für eine Erweiterungskarte oder als preiswerte Single-Board-Lösung.

»In Sachen Schnittstellen sind wir darauf spezialisiert, dem Kunden eine maßgeschneiderte Kombination anzubieten, denn wir können das Innere unserer Geräte sehr flexibel bestücken. Das nennen wir den MySyslogic-Ansatz.« Auch bei der Compact 41 zählt der europäische Gedanke: »Die leistungsfähigen Geräte mit sämtlichen innovativen Features, die heute einen Industrierechner ausmachen, können sich überall durchsetzen.«

Ein zweites Geschäftsfeld im Syslogic-Produktportfolio sind Displays und Bediengeräte mit Größen von derzeit 8,4 bis 21 Zoll. Hier legt Syslogic vor allem großen Wert auf die optische Anmutung. Ein wenig erinnern die Geräte an die Apple-Welt und liegen damit voll im Trend. Auch hier spielt der Kundenwunsch die übergeordnete Rolle.

Erschienen in Ausgabe: 05/2012