Flexibel einführen

Industrielektronik

Kabeldurchführung – Leichte Steckverbinder gewährleisten die flexible elektrische Verbindung zwischen Maschine und Schaltschrank. Teilbare Kabeleinführungsleisten ermöglichen es dabei, eine hohe Anzahl an Leitungen einzuführen, abzudichten und gleichzeitig zu entlasten.

04. Mai 2012

Die elektrische Verbindung mehrerer Komponenten im Maschinenbau zwischen Schaltschrank und Anlage geschieht heute in den meisten Fälle über steckbare Elemente. Dieses Verfahren ermöglicht nicht nur eine problemlose Demontage durch Lösen der Verbindung, sondern hilft zudem, Fehleranschlüsse und unnötige Kosten zu vermeiden. Seit Mitte der 50er-Jahre wurden Maschine und Schaltschrank deshalb zunehmend mit Hilfe von vielpoligen sogenannten schweren Steckverbindern verbunden. Diese Anschlusstechnik birgt jedoch das Risiko einer Fehlverdrahtung am Steckverbinder und am Anbaugehäuse selbst und ist zudem relativ teuer. Stattdessen geschieht die elektrische Verbindung heute meist durchgängig mit Hilfe von »leichten« Steckverbindern von den verschiedenen Abnehmern in der Maschine bis zur Klemme oder Schiene im Schaltschrank. Die genormten Bohrungen und Ausbrüche der Schaltschränke und vieler Maschinen entsprechen jedoch noch heute den Maßen der schweren Steckverbinder.

Eine Lösung, diese Schnittstellen sinnvoll zu nutzen, bieten teilbare Kabeleinführungssysteme, wie sie die Icotek GmbH im ostwürttembergischen Eschach entwickelt hat. Deren Kabeleinführungssystem KEL ermöglicht es, durch den Ausbruch für einen 24-poligen schweren Steckverbinder bis zu 40 konfektionierte oder nicht konfektionierte Leitungen einzuführen und abzudichten und zugleich für Zugentlastung zu sorgen. Durch die konsequente Teilbarkeit des Einführungsrahmens wie auch der Kabeltüllen lassen sich so alle Arten von vorkonfektionierten Leitungen einführen. Zudem entfällt das fehlerbehaftete Ab- und Anlöten der Stecker komplett.

Die Kabeleinführung selbst kann auf Wunsch an der Schaltschrankwand aufgeschnappt werden, sodass bei Wartungsarbeiten das lästige Ab- und Anschrauben der Kabeleinführung entfällt.

Die flexible Lösung erlaubt zudem eine einheitliche Konstruktion der Gehäuse, ohne den tatsächlichen Durchmesser der jeweiligen Einspeiseleitung vor Ort kennen zu müssen. Bei der Größe M50, als Beispiel, erstreckt sich der Klemm- und Dichtbereich von 17 bis 42 Millimeter Kabeldurchmesser. Für das örtliche Elektrounternehmen, das die Maschine anschließen soll, bietet diese Lösung deshalb einen deutlich größeren Bewegungsspielraum für die Wahl der geeigneten Leitungen als herkömmliche Kabelverschraubungen.

Eine Lösung für einzelne konfektionierte Leitungen sind die geteilten, schnell montierbaren Kabelverschraubungen mit metrischem Gewinde der Baureihe KVT, die in Größen M25 bis M63 lieferbar sind. Zur Installation wird zunächst je nach Kabeldurchmesser eine passende geschlitzte Kabeltülle für Leitungsdurchmesser von 2 bis 34 Millimeter als Dichtelement um die konfektionierte Leitung montiert. Die so vorbestückte Tülle wird in eine Hälfte der Kabelverschraubung eingeschoben und fixiert, die danach mit der zweiten Hälfte zusammengesteckt wird, bis ein hörbares Rasten die korrekte Montage bestätigt.

Die gleichen Kabeleinführungssysteme der Reihe KEL können verwendet werden, wenn Leitungen durch den Schaltschrankboden schnell eingeführt und zuverlässig abgedichtet werden müssen. Speziell für diesen Zweck haben die Schwaben das System KDR-ESR entwickelt, mit dem sich diese Aufgabe weitgehend werkzeugfrei erledigen lässt. Im Unterschied zu den weitverbreiteten Klemmprofilen mit Moosgummistreifen an den Bodenblechen des Schaltschranks gewährleistet das System dauerhaft die geforderte Schutzart IP54.

Das System besteht aus einem einteiligen Bodenblech mit einem werkseitig vormontierten Einschubrahmen, welches das zum Lieferumfang des Schaltschranks gehörende schmale Bodenblech ersetzt. Alle einzuführenden Leitungen werden mittels teilbarer Kabeltüllen bestückt, die wiederum in die zweiteiligen KEL-Kabeleinführungssysteme montiert werden. Die fertig bestückten Kabeleinführungsleisten werden zusammen verschraubt, in die vorgesehenen Einschubrahmen eingeschoben und verrastet. Dabei erfolgt zugleich die Zugentlastung der einzelnen Leitungen, sodass eine zusätzliche C-Schiene zur Montage von Zugentlastungsschellen entfällt.

Nach der Abdichtung mit dem zum Lieferumfang des Schaltschranks gehörenden Dichtstreifen werden die bestückten Bodenbleche mit den Krallen zum Schaltschrankboden hin befestigt. Bei Wartungsarbeiten lassen sich die Kabeleinführungsleisten jederzeit aus dem Einschubrahmen ziehen und mit neuen oder zusätzlichen Leitungen bestücken.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012