Flexible Montagehelfer

Technik

Schaltschrankmontage – Verdrahtung und Montage von Schaltschränken erfordern körperlich anstrengende Arbeitsschritte. Ein durchgängiges Geräte- und Zubehörkonzept verbessert jetzt die Ergonomie im Schaltschrankbau und hilft zugleich Kosten sparen.

17. Februar 2011

Eine regelmäßige Aufgabe im Schaltschrankbau sind körperlich anstrengende Arbeiten: So müssen die Bediener unter anderem schwere Gehäuse von Station zu Station transportieren und zum Bearbeiten auf Werkbänke befördern oder bestückte Montageplatten heben. Auch die Montage selbst erfordert oft eine ungünstige Körperhaltung. Folgen sind häufig Verletzungen oder chronische Muskel- und Skeletterkrankungen.

Der Schaltschrankspezialist Lohmeier aus Vlotho hat deshalb eine Reihe von Montagehilfen für Gehäuse und Schaltschränke entwickelt, die die körperliche Belastung beim Ausbau der Gehäuse minimieren und das Handling erleichtern. Das vorbeugende Konzept für eine ergonomische Prozess- und Produktionsoptimierung mit der Bezeichnung ePPO schafft damit ein flexibles Arbeitsumfeld, das den Arbeitsablauf optimiert und zugleich alle Beteiligten entlastet. Das Resultat ist eine erhöhte Produktivität bei zugleich verringerten Kosten.

Das ePPO-Konzept umfasst Montagehilfen für alle marktüblichen Gehäuse- und Schaltschranktypen. So lassen sich Hebe- und Tragetätigkeiten während der Produktion sowie das Montieren in ungünstigen Positionen vermeiden, die Materialsuche und bereitstellung wird erheblich erleichtert, und auch die Endmontage gestaltet sich einfacher. Darüber hinaus können jetzt nahezu alle Handlingschritte von einem Bediener allein durchgeführt werden.

Ergonomie und Effizienz

Zum Beispiel lassen Höhe und Neigung der Montagetische auf die bestmögliche Arbeitsposition für eine schnelle und einfache Bearbeitung, Bestückung und Verdrahtung von Montageplatten, Gehäusen und Schränken einstellen, sodass längere Arbeiten rückenschonend wahlweise im Sitzen oder Stehen ausgeführt werden können. Die mit vier Schwenkrollen ausgerüsteten Tisch-Untergestelle aus robusten Stahlrohren erlauben es, die Montageplätze zu verfahren und die Montageplatten und Gehäuse damit schnell und einfach zwischen den verschiedenen Arbeitsstationen zu bewegen, ohne die Gehäuse zeit- und kraftraubend von Hand tragen zu müssen.

Mittels Totalfeststellern lassen sich die Montagetische bei Bedarf unverrückbar fixieren, sodass sie wie eine Werkbank als stabiler Montage-Arbeitsplatz fungieren. Der Einsatz von genuteten Aluminium-Profilsystemen für die Arbeitsflächen erleichtert es zudem, Zubehör für eine individuelle Arbeitsplatzgestaltung zu montieren: Optional stehen hierfür beispielsweise eine Strom- und Druckluftzuführung, Spänesauger, Greif- und Schüttgutbehälter, Werkzeugablagen, Kabelrollen, Monitor- und Dokumentenhalterungen sowie verschiedene Beleuchtungen zur Verfügung.

Speziell für großformatige Montageplatten konzipiert ist der Montagetisch MT-400, der zusätzlich auch als Einbauhilfe eingesetzt werden kann. Er erlaubt die Montage von sehr schweren bestückten Platten im Schaltschrank ohne Inanspruchnahme von Hebezeugen. So ermöglicht eine integrierte Rollenbahn, dass eine Person die fertig verdrahtete Montageplatte leicht und sicher per Hand auf die Führungsschienen im Schaltschrank schieben kann. Die Tische fassen Montageplatten mit einer Größe bis 1.200 x 1.900 Millimeter und Gewichten bis 400 Kilogramm. Die Platten werden mittels Schnellspannern befestigt und können in beliebigem Winkel bis in die Waagerechte geneigt werden. Die Tischhöhe ist zwischen 750 und 1.150 Millimeter frei einstellbar.

Variable Arbeitsposition

Eigens für Kleingehäuse und Wandschränke entwickelt ist der Montagetisch MT-200 für Gehäusegrößen bis 1.000 x 1.000 Millimeter und Traglasten bis 200 Kilogramm. Für die Montage größerer Schränke können mehrere Montagetische aneinandergereiht werden. Die Einstellung der Arbeitshöhe zwischen 350 und 1.250 Millimeter erfolgt wahlweise mit manuellen Klemmhebeln oder mit einer elektrischen Hubsäule. Der Neigungswinkel der Arbeitsplatte lässt sich frei zwischen 0 und 45 Grad einstellen. Darüber hinaus lässt sich rückseitig eine horizontale Arbeitsfläche ausziehen.

Treppensteigen leicht gemacht

Auch für den weiteren Transport der Gehäuse bieten die Ostwestfalen eine ergonomische Lösung. So erleichtert der elektrisch betriebene Treppensteiger ETS-500 den Transport der schweren bestückten Schaltschränke über Treppen. Das Gerät funktioniert ähnlich wie eine Sackkarre mit einem elektrischen Motor und bewegt Lasten bis zu 540 Kilogramm mühelos über Treppen und Stufen nach oben oder unten. Das Heben der Last übernimmt der Motor, der Bediener muss das Gerät lediglich ausbalancieren. Die Steiggeschwindigkeit liegt bei etwa 12 Stufen in der Minute. Der wartungsfreie Akku gewährleistet eine Reichweite von bis zu 150 Stufen. Optional erhältliche Hebegabeln mit einer maximalen Hubhöhe von 1.350 Millimeter ermöglichen den Einsatz als Stapler für Lasten bis 320 Kilogramm. Ein breites Zubehörangebot ermöglicht eine Anpassung an verschiedene Aufgaben. Verfügbar sind unter anderem Luftreifen für den Transport in unebenem Gelände, ein Stützrahmen mit Rädern zum Abstellen der beladenen Karre, eine Hebegabel mit Seilwinde für die Stapler-Variante, eine große Lastplatte für besonders schwere oder runde Lasten, ein Ersatz-Akku oder ein zusätzlicher Haltegurt mit Druckknopfsicherung, der schwere Lasten absichert.

Für die kommenden Monate plant Lohmeier, das ePPO-Konzept weiterzuentwickeln und zudem um neue Montagehilfen zu ergänzen, verrät Marketingleiter Markus Nerge und erklärt: »Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir als Schaltschrankbauer schwere, unhandliche Produkte liefern. Mit dem ePPO-Konzept wollen wir unseren Kunden helfen, ihre Produktionsprozesse ergonomischer und effizienter zu gestalten.«

bt

Erschienen in Ausgabe: 01/2011