Fritten der Extraklasse

Gleitlager - In einem Filtrationsgerät für Frittierfett tragen schmiermittelfreie Kunststoffgleitlager dazu bei, die -Lebensmittelqualität hoch und Kosten gering zu halten.

18. Juli 2006

In Europas Lebensmittel-Industrie steht Sicherheit ganz oben auf der Prioritätenliste. Das Lebensmittelrecht wurde in den letzten Jahren umfassend reformiert ? nicht zuletzt eine Reaktion auf die Skandale in den 90er-Jahren im Zusammenhang mit BSE und dioxinverseuchten Lebensmitteln.

Auch Frittieröl unterliegt hohen hygienischen Anforderungen. Um gleichzeitig dessen Qualität sowie die des Frittierguts sicherzustellen, war es bisher nötig, das Frittieröl in relativ kurzen und regelmäßigen Abständen komplett auszutauschen ? mit hohem Arbeitsaufwand, zu entsprechenden Kosten.

Dies gehört nach Überzeugung von Sascha Baisch, Technischer Leiter bei der SYS Systemfiltration GmbH, nun der Vergangenheit an: „Unser Ziel war es, ein Gerät zu entwickeln, das die Standzeit des Öls verlängert, den Reinigungsaufwand minimiert und die Ausfallzeit der Fritteuse gering hält ? bei gleichbleibend guter Ölqualität. So ist das kompakte und mobile Filtrationsgerät Vito entstanden, mit dem sich Frittieröl einfach und effizient reinigen lässt. Dabei werden Fremdpartikel aus der Frittierflüssigkeit herausgefiltert und deren Standzeit mindestens verdoppelt.“

Die Geräte Vito 30 und Vito 50 für Fritteusen bis 20 beziehungsweise 50 Liter Fassungsvermögen zeichnen sich vor allem durch ihre unkomplizierte Reinigung aus. Dank ihrer modularen Bauweise kann diese einfach in einer Spülmaschine erfolgen.

Weil alle Materialien hohen Temperaturen und mitunter auch aggressiven Reinigungsmitteln widerstehen müssen, bestehen die Geräte hauptsächlich aus rostfreiem Stahl und hochleistungsfähigen Kunststoffen. So auch bei der Rotorlagerung: Zwei Gleitlager aus der Produktfamilie Iglidur A500 von Igus sitzen im Pumpenmodul und sind direkt dem heißen Öl ausgesetzt.

Technischer Fortschritt dank Kunststofftechnik

Dazu Baisch: „Bei der Entwicklung des Vito haben wir uns mit einigen Alternativen beschäftigt, wie etwa Metallgleitbuchsen. Diese sind aber wesentlich schwieriger zu integrieren als die Kunststoffgleitlager. Bei Igus haben wir außer den Lagern noch eine entsprechende Beratung erhalten.“

Der Industriebereich „Verpackungs- und Abfülltechnik“ bei Igus ist stark an die Lebensmittelindustrie gekoppelt und spielt schon immer eine sehr große Rolle.

Produktkontamination ausschließen

So lässt sich in der Lebensmitteltechnologie seit Jahren international ein Trend beobachten: „Standzeiten erhöhen mit wartungsfreien Gleitlagern“. Gleichzeitig steht immer die Forderung im Raum, jegliche Schmiermittel vom zu verpackenden oder zu bearbeitenden Produkt strikt fern zu halten. Die Einsatzmöglichkeiten der Kunststofflager reichen von Abfüllanlagen mit kulissengeführten Hubelementen bis hin zu Belaugungs-anlagen für Süßwaren, von Waffelbackmaschinen bis hin zu Geräten für die Wurst-, Fisch-, und Fleischverarbeitung.

Ganz gleich, ob es sich um eine Standard- oder kundenspezifische Anwendung handelt, für die der passende Iglidur-Kunststoff gefunden werden muss, sind die Anforderungen an die wartungsfreien Gleitlager ähnlich: Fast überall wird mit heißem Dampf und aggressiven Chemikalien gereinigt. Mehr und mehr bedient man sich auch so genannter Peressigsäuren. Diese Des-infektionsmittel enthalten neben Wasserstoffperoxid auch Essig- und Schwefelsäure. Maschinenhersteller und Anwender aus der Food-, Abfüll-, und Verpackungsindustrie setzen die Beständigkeit gegen solche Substanzen bei Igus-Gleitlagermaterialien als Selbstverständlichkeit voraus.

Um diesem Anspruch Rechnung zu tragen, gehen den im Igus-Katalog angegebenen Werten und offiziell bestätigten Gleitlagereigenschaften hinsichtlich der Beständigkeit stets wissenschaftliche Untersuchungen voraus. Hinzu kommen immer häufiger Projekte, bei denen Igus als Systementwickler die Vorstellungen der Kunden umsetzt und daraus eine Branchenlösung generiert.

Individuelle Hightech-Polymere

Benötigt beispielsweise ein Abfüllmaschinen-Hersteller ein Gleitlager, das besonderen Chemikalieneinflüssen unterliegt und höchste Anforderungen in puncto Verschleißfestigkeit sowie Einbauverhältnisse stellt, entsteht zunächst gemeinsam mit dem Kunden ein Zeichnungsvorschlag, der allen geometrischen Bedingungen der Gesamtkonstruktion entspricht. Dann wird der Werkstoff ausgewählt, der die Ansprüche des Kunden bestmöglich erfüllt.

Kann einer der Standardwerkstoffe die gewünschte Lebensdauer des Gleitlagersystems nicht erzielen, entwickeln die Igus-Ingenieure ein neues Material. Jedes Jahr kommt es so zu über 100 neuen Kunststoffcompounds, die in etwa 5.000 Versuchen getestet werden. Das Ergebnis ist eine mittlerweile umfassende Datenbank über tribologische

Eigenschaften der Polymere.

Damit findet jeder Anwender das passende Produkt ? oftmals sogar als Ersatz für ein klassisches teures Lager, beispielsweise ein abgedichtetes Kugellager, dessen Dichtung sowohl dem Austreten des Schmiermittels als auch dem Auswaschen des Schmiermitteldepots entgegenwirken soll, um die Kontaminierung der Lebensmittel zu verhindern. Beide Forderungen lassen sich in der Lebensmitteltechnik auf diesem Weg jedoch nur bedingt erfüllen.

Besteht ein direkter Kontakt zwischen Gleitlager und dem zu bearbeitenden oder zu verpackenden Produkt, wie im Falle des Vito bei der Rührwerk-Lagerung, bestimmt die Forderung nach einem FDA-zugelassenen Werkstoff die Auswahl des Lagers. Je nach geforderter Temperatur eignen sich die in den Reihen Iglidur A180, A200 oder A500 verwendeten Materialien.

Rührwerk schmiermittelfrei gelagert

Da die Anforderungen bezüglich der Feuchtigkeitsaufnahme durch den in der Lebensmittelindustrie immer wieder auftretenden Reinigungsprozess ähnlich ausfallen, lassen sich die einzelnen Anwendungen oftmals auf die Werkstoffe Iglidur J, Iglidur H370 und Iglidur X „herunterbrechen“. Gleitlager der Produktfamilie Iglidur bieten generell eine geringe Wärmerelaxierung, hohe Druckfestigkeit und Maßgenauigkeit bei guter Wärmeableitung und sehr geringer Kriechneigung. Darüber hinaus sind sie wartungsfrei, gewährleisten eine hohe mechanische Dämpfung und erweisen sich unempfindlich gegen Schmutz. Die eingesetzten Hochleistungspolymere sind zusätzlich durch exakt abgestimmte Verstärkungs- und Festschmierstoffe verbessert und verkraften somit hohe Lasten, zeigen niedrige Reibwerte sowie eine hohe Verschleißfestigkeit über einen langen Zeitraum.

Rotierend, oszillierend, linear

Igus-Gleitlager eignen sich für rotierende, oszillierende sowie lineare Bewegungen und sind dabei prädestiniert für Anwendungen mit hohen Lasten und niedrigen Gleitgeschwindigkeiten. Darüber hinaus gibt es in der Abfüllindustrie immer wieder kombinierte Linear- und Schwenkbewegungen, etwa an so genannten Schraubverschließern für PET- und Glasflaschen: Die kulissengeführt eingeleitete Linearbewegung im Schraubverschließer kann hier im gleichen Lagersitz realisiert werden.

Gerhard Baus, Igus

›Vito‹, ein Filtrationsgerät für Frittierfett, überzeugt sowohl durch hohe Leistung als auch einfache Bedienung. Das Resultat sind enorm gesunkene Kosten bei der Neuölanschaffung sowie eine immense Zeitersparnis in der Handhabung. Nicht zuletzt aus diesen wirtschaftlichen Gründen wurde der Vito bereits mehrfach prämiert; unter anderem mit dem ›Gastro Innovationspreis 2002‹, und er darf den Zusatz führen ›Getestet und empfohlen vom Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure e.V.‹. Des Weiteren ist der Vito HACCP (Hazard Analysis Critical Control Point) compliant. Dieses Konzept bezeichnet ein vorbeugendes System, das die Sicherheit von Lebensmitteln gewährleisten soll.

Erschienen in Ausgabe: DIGEST/2006