Fünf Fragen an Paul E. Schall

Finale

Dem Veranstalter der Motek und ihren Ausstellern spielt der wirtschaftliche Aufschwung in die Karten. Daher sind die Erwartungen so hoch wie die Exponate-Palette umfangreich.

31. August 2010

1. Herr Schall, die wirtschaftliche Situation in der Automatisierungsbranche hat sich spürbar belebt. Profitiert davon die Motek und wenn ja – wie?

Mit deutlich über 1.000 Ausstellern aus 25 Ländern setzen die Motek und die Bond-Expo in diesem Jahr Maßstäbe in den Bereichen Montage-, Produktions- und Materialfluss-Automatisierung plus komplementärer Füge- und Verbindungstechnologien. Damit bewegen wir uns auf dem Niveau des Rekordjahres 2008. Das ist ein großer Erfolg und zeigt, dass die Automatisierungsbranche sich nicht nur erholt hat, sondern auf die Zukunft ausgerichtet ist.

2. Welche Impulse erwarten Sie sich von dieser Messe für die Branche und deren Kunden?

Jetzt, da die Wirtschaftskrise überwunden scheint, wird klar dass vor allem jene Unternehmen überlebt haben, die sich frühzeitig einem höheren Automatisierungsgrad zugewandt und dabei eine gehörige Portion Pragmatismus an den Tag gelegt haben. Noch schneller und noch flexibler zu reagieren, verlangt nämlich nicht zwangsläufig nach höchst automatisierten Anlagen, sondern nach hochflexiblen und in jeder Hinsicht wirtschaftlichen Hand-, Halbautomatik- und Automatik-Arbeitsplätzen, die beliebig ein- und auszusetzen sind. Aus diesem Grund erwarten wir noch pfiffigere, flexibel nutzbare und bezahlbare Detail- und Subsystem-Prozesslösungen, mit denen sich der Automatisierungsgrad punktuell bis systemübergreifend anpassen lässt.

3. Eine Wiederauflage erlebt in diesem Jahr die Kombination Motek plus Bond-Expo. In welchem Kontext steht dazu die Microsys, die Fachmesse für Mikro- und Nanotechnik, die heuer dazugekommen ist?

Die Microsys gibt es schon zum vierten Mal, sie musste nur im Zuge des Wechsels nach Stuttgart zugunsten der damaligen MiNat aufgegeben werden. Jetzt, da es diese Messe nicht mehr gibt, legen wir die Microsys neu auf, um dem Zukunftsthema Mikrosystem- und Nanotechnik wieder den Raum zu geben, den es nach unserer Ansicht verdient. Ihre Ansiedlung im Umfeld der Motek und der Bond-Expo folgt der Tatsache, dass viele Baugruppen und Geräte der Montage- und Produktions-Automatisierung Mikrosystemtechnik und angewandte Nanotechnik pur darstellen.

4. Welche generellen technologischen Trends zeichnen sich Ihrer Meinung nach bei den Exponaten und Automatisierungslösungen ab, die in Stuttgart gezeigt werden?

Ein heißes Thema ist die Miniaturisierung, denn die Verkleinerung von Bauteilen und Baugruppen bei gleichzeitig extrem steigender Funktionsintegration verlangt nach neuen Materialien und automatisierten Fertigungslösungen. Ein Dauerbrenner im Anlagenbau ist nach wie vor Flexibilität hinsichtlich Auslegung, Aufbau, Anwendung, Umrüst- und Wiederverwendbarkeit. Hierzu werden auf der Motek standardisierte Montage- und Prozesszellen in einer bis dato nicht gekannten Auswahl gezeigt.

5. Was können Sie über die »Arena of Innovation« sagen, die in diesem Jahr ein wesentlicher Bestandteil des Rahmenprogramms der Motek ist?

Die Arena of Innovation zeigt an mehreren Projekten und in allen relevanten Prozessschritten, wie schnell und wie transparent Entwicklungs- und Prototypen-Arbeiten durchzuführen und in eine konkrete Produktion umzusetzen sind, wenn man mit einem neuen Produkt Erfolg haben will. Deshalb sehen wir es auch als unsere Aufgabe an, der Arena of Innovation entscheidende Unterstützung zu geben, um sie zusammen mit unseren Partnern als feste Institution innerhalb der Motek zu etablieren.

Paul E. Schall

Der gelernte Mechaniker und passionierte Oldtimer-Sammler veranstaltet heuer zum 29. Mal seine stärkste Messe, die Motek. Mit 21 Fach- und Publikumsmessen ist Schall Deutschlands erfolgreichster privater Messeveranstalter.

Erschienen in Ausgabe: Sonderheft Motek Spezial/2010