Für Härtefälle gewappnet

Schwerpunkt Gleit- und Wälzanlagen

Gleitlager – Erst wenn es hart wird, kann ein Gleitlager beweisen, was in ihm steckt. Das klappt aber nur, wenn der jeweilige Werkstoff genau auf die Anwendung abgestimmt ist.

27. August 2012

Ein Gleitlager hat’s nicht leicht im Leben. Nur selten sitzt es bequem in einer gefahrlosen Anwendung eingebaut und kann sein Dasein genießen. Wesentlich häufiger geht es rund in seiner Umgebung und die Bedingungen sind oft mehr als rau. Das muss zum Beispiel ein Zweikomponenten-Polymergleitlager beim Schwenken hoher Lasten von bis zu 13,7 Tonnen erleben. Dieses Gewicht entspricht dem zweier ausgewachsener Elefantenbullen! Absolute Zähigkeit und Haltbarkeit sind darum elementare Voraussetzungen in dieser Anwendung.

Wie gut, dass es von Igus kommt und aus dem Werkstoff »Iglidur Q2« besteht. Die Polymer-Spezialisten aus Köln können so ein Hochlastgleitlager anbieten, das bei rauen Umgebungsbedingungen wie Schmutz, Stößen und Kantenbelastungen um den Faktor 2 bis 5 langlebiger ist als die bisherigen 40 Gleitlagerwerkstoffe des Unternehmens. Mit der speziellen Variante Iglidur Q2E wie »enclosed« lassen sich die Leistungsgrenzen spritzgegossener Kunststofflager dank eines Mehrkomponentensystems jetzt noch weiter verschieben. In Igus-internen Schwenktests erreicht sie eine dreimal höhere Lebensdauer als der Basiswerkstoff Q2. Nur so kann ein Zweikomponentenlager von 30 Millimeter Länge und 25 Millimeter Durchmesser die zwei Elefantenbullen tragen.

Harte Schale, harter Kern

Das Lager besteht aus einer harten polymeren Schale und einem tribooptimierten Kern aus dem Werkstoff Iglidur Q2, der auch unter hohen Belastungen sehr formstabil und verschleißfest ist. Wie ein Außenskelett verleiht die Schale dem Lager eine hohe Festigkeit und sorgt so für mehr Lebensdauer. Weitere Pluspunkte sind laut Igus die Korrosions- und Wartungsfreiheit. Im Vergleich mit metallischen Lösungen kann der Anwender häufig viel produktiver arbeiten, da er auf Stillstände für Service oder Reparatur verzichten kann.

Iglidur Q2E ist zunächst für Wellendurchmesser von 20, 25, 30 und 40 Millimeter erhältlich. Zusätzlich hat Igus sein Gleitlagerprogramm des Standard-Hochlastmaterials Q2 erweitert und kann so Modelle für Wellendurchmesser bis 75 Millimeter mit und ohne Bund liefern. Die Robustheit des Materials kommt vor allem Anwendungen in der Agrartechnik, bei Nutzfahrzeugen und Baumaschinen sowie im Vorrichtungs- und Maschinenbau zugute.

Keine Angst vor Feuer

Noch härter wird es für ein Lager, wenn Feuer ins Spiel kommt oder Brandgefahr besteht. Darum hat Igus einen Allround-Gleitlagerwerkstoff für Anwendungen mit hohen Brandschutzauflagen entwickelt. Iglidur GV0 bietet ähnliche Allround-Eigenschaften wie das bewährte Gleitlagermaterial Iglidur G. Dazu zählen eine extrem hohe Belastungsfähigkeit bei niedrigen bis mittleren Gleitgeschwindigkeiten und die gute Verschleißfestigkeit auf verschiedenen Wellenmaterialien.

Dank der zusätzlichen V0-Klassifizierung nach UL94 ist das Material für den Einsatz in Bereichen mit hohen Brandschutzauflagen prädestiniert. Darunter fallen vor allem Innenräume von Flug-, Fahr- und Schienenfahrzeugen sowie die Gebäudetechnik mit Aufzügen oder Rolltreppen. Oft sind aber auch in der allgemeinen Industrie Gleitlager aus brandbeständigen Werkstoffen unverzichtbar.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012