»Für Maschinenbauer sind Smart Cameras ideal«

Bildverarbeitung – Michael Engel, Geschäftsführer der Vision Components GmbH in Ettlingen, stellte sich Fragen zu aktuellen Entwicklungen in der industriellen Bildverarbeitung.

17. Oktober 2008

Herr Engel, mit Vision Components sind Sie seit zwölf Jahren in der industriellen Bildverarbeitung tätig. Wie hat sich die Branche in dieser Zeit entwickelt?

Michael Engel: Zunächst einmal hat sich der Markt im Bereich der industriellen Bildverarbeitungslösungen vergrößert. Es sind mehr Anbieter vertreten, und auch eine Vielzahl an neuen Produkten. Das Spektrum reicht von Vision-Sensoren bis zu Kombinationen aus Industrie-PCs und Kameras. Ein wichtiger Bereich, der zwischen diesen beiden Polen angesiedelt ist, umfasst Lösungen, deren Kernstück ein digitaler Signalprozessor (DSP) ist, wie zum Beispiel bei unseren intelligenten Kameras. Gerade hier hat sich in den letzten Jahren viel getan: Die von uns eingesetzten TI-DSPs – zu denen auch die neuen 1?GHz-Prozessoren gehören – können ganze PC-Systeme ersetzen.

In der PC-Welt sind Prozessoren mit Taktraten von mehreren Gigahertz seit Jahren üblich. Können 1?GHz-DSPs da mithalten?

Nur Zahlen zu vergleichen ist in diesem Falle sinnlos, denn DSPs unterscheiden sich so sehr von PC-Prozessoren wie Rennwagen von normalen PKWs. DSPs wurden nämlich speziell für sehr rechenintensive Echtzeit-Anwendungen und das Verarbeiten digitaler Signale entwickelt und spielen bei solchen Aufgaben ihre Schnelligkeit aus. PC-Prozessoren hingegen sind Allzwecksysteme, die eine Vielzahl verschiedener Aufgaben bewältigen, bei der digitalen Signalverarbeitung allerdings selbst bei hohen Taktraten vergleichsweise ineffizient abschneiden. Mehr Megahertz bedeutet also nicht automatisch eine bessere Leistung.

Was bieten intelligente Kameras den Anwendern außerdem?

Neben einer hohen Rechenleistung von bis zu 8.000 MIPS bieten unsere Smart Kameras, anders als PC-Systeme, auch Echtzeitfähigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber rauen industriellen Umgebungen. Sie kommen ohne Festplatten und Lüfter aus, zudem sind sie praktisch wartungsfrei und benötigen keinen Schaltschrank.

Was bedeutet dies für den Anwender?

In der Anwendung sind Smart Kameras so einfach zu handhaben wie Vision-Sensoren. Spezielle Applikationen werden dabei in der Regel von unseren Kooperationspartnern realisiert. Die Kameras lassen sich aber auch frei in C und C++ programmieren, sodass die Anwender viele Freiheitsgrade haben und selbst Anpassungen vornehmen können. Für Maschinenbauer, die im Grunde meist ein kompaktes Gerät für eine Machine- Vision-Aufgabe benötigen, beispielsweise zur Teilekontrolle oder für die Lagemessung, sind Smart Kameras somit eine ideale Lösung.

Für welche Anwendungsfelder sind intelligente Kameras geeignet?

Das lässt sich schwer eingrenzen – unsere Smart Kameras sind mittlerweile in einer Vielzahl von industriellen Applikationen im Einsatz, so etwa in der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie sowie in der Mess- und Sicherheitstechnik. Da sie mit bis zu 484 Auswertevorgängen je Sekunde auch komplexe Bildverarbeitungsroutinen und hohe Geschwindigkeits-Anforderungen bewältigen, sind auch Hochgeschwindigkeitsanwendungen wie etwa in der Druckindustrie kein Problem. Weitere Anwendungsbeispiele sind zum Beispiel Roboter in der Logistik, Nummernschilderkennung und Bewegungsdetektion in der Sicherheitstechnik sowie die Spielkartenkontrolle in Casinos und das Sortieren von Lotteriescheinen.

Eine letzte Frage: Können Sie derzeit Trends beobachten, die sich längerfristig auf die industrielle Bildverarbeitung auswirken werden?

In der industriellen Bildverarbeitung lässt sich, wie auch in anderen Automatisierungsbranchen, eine Tendenz zur Dezentralisierung beobachten: Die Funktionseinheiten werden intelligenter, sodass übergeordnete Steuerungen entlastet werden bzw. ganz entfallen können. Dazu leisten wir als Lieferant von DSP-basierten Systemen einen wichtigen Beitrag.

VITA

Michael Engel ist Diplom-Physiker und arbeitet seit 1982 auf dem Gebiet der Bildverarbeitung.

1995 präsentierte Engel mit der VC 11 die erste industrietaugliche intelligente Kamera, die er im Alleingang zum funktionstüchtigen Prototyp entwickelt hatte.

Anfang 1996 gründete er die Vision Components GmbH in Ettlingen.

Erschienen in Ausgabe: 07/2008