Funk oder Kabel?

Kommunikation - Kann Kommunikation über Industrial Wireless LAN so zuverlässig und sicher sein wie die Verbindung über Kabel? Kabel werden zwar nicht verdrängt, sind sich beide einig, aber nicht darüber, wie reif die WLAN-Entwicklung schon ist.

08. März 2007

PRODietmar Herian

Drahtlose Netzwerke im Büro wachsen mit denen in der Fertigung zusammen, um Dienste wie Voice-over-WLAN durchgängig zu erschließen. Wireless-Technologien werden nicht überall sinnvoll sein, aber in einigen Bereichen störende Drahtverbindungen ablösen. Es gibt zwei Hauptbedenken: Wireless sei unzuverlässig und nicht sicher. Mithilfe angepasster Technologien wie der Datenratenreservierung können wir jedoch sogar zeitkritische zyklische Produktivkommunikation wie Profinet IO auf IWLAN verlagern. Bei VW sind z. B Scalance W Accesspoints zusammen mit Leckwellenleitern RCoax zur Steuerung von Schraubersteuerungen erfolgreich. Und die Firma Bodycote Wärmebehandlung GmbH führt sogar sicherheitsgerichtete Kommunikation über eine Industrial-Wireless-LAN-Verbindung. Dass dies funktioniert und zulässig ist, hat der TÜV bestätigt. Der zweite Punkt resultiert aus der Darstellung von WLAN als unsicheres Medium in diversen Computer-Fachzeitschriften. Diese vermeintliche ›Unsicherheit‹ resultiert jedoch hauptsächlich aus der ›Nicht-Anwendung‹ verfügbarer Sicherheitsstandards. Werden verfügbare Security-Standards eingesetzt, lassen sich ähnlich hohe Sicherheitsgrade wie bei verkabelten Netzen erreichen. Kommunikation über IWLAN kann so zuverlässig und sicher sein wie über Draht. Sie wird diesen aber nicht verdrängen, sondern sinnvoll ergänzen und ermöglicht so neue Applikationen.

CONTRAArmin Heß

Wir können heute noch nicht von einer Substitution sprechen. Zudem müssen die so genannten Access Points in der Wireless-LAN-Technologie schließlich auch mit Kupferkabeln angeschlossen werden. Wird zum Beispiel eine Maschine mit administrativen Daten wie Programmierungs- oder Diagnose-Daten versorgt, ist Wireless eine interessante Alternative. Dort spielt die Verzögerung der Daten keine Rolle, weil nicht in Echtzeit übertragen wird. Nur wenn ich zeitgenau auf die Funktion einer Maschine, das heißt, auf den Fertigungsprozess direkt einwirken will, komme ich an einer Kupferverkabelung nicht vorbei. Nur sie garantiert die schnelle, sichere Datenübermittlung. Bei einer Wireless-Übertragung können Überlagerungen und Störungen auftreten oder Daten können gänzlich verloren gehen. Trotz dieser interessanten Technologie denken Kunden praktisch und fragen: Welche Vorteile bringt Wireless, wenn die gesamte Fabrikation einbezogen wird? Hier gibt es noch viel zu tun und bis dahin führt - wie schon gesagt - kein Weg an Kupferkabeln vorbei.

Erschienen in Ausgabe: 01/2007