Funktion, Form, Ergonomie

Design – Die Maschinenrichtlinie spricht klare Worte. Maschinen müssen nicht nur technisch sicher sein. Sie sollten den Bediener wenig belästigen, ermüden oder psychisch belasten. Ergänzen sich Funktion, Form und Ergonomie?

12. August 2008

Die meiste Arbeit wird heute am Rechner erledigt. Viele Betriebe haben deshalb einfach Schreibtische zu Computertischen umfunktioniert. Auf Anforderungen, wie zum Beispiel ergonomisch in Augenhöhe platzierte Bildschirme, wurde kaum Rücksicht genommen. Ähnlich sieht es in der Industrie aus: Viele Maschinen wurden technisch und funktional optimiert, die Arbeitsbedingungen jedoch nicht den neuen Anforderungen angepasst. Doch »laut europäischer Maschinenrichtlinie müssen Maschinen nicht nur technisch sicher sein, sondern sind außerdem so zu entwerfen, dass sie den Bediener möglichst wenig belästigen, ermüden oder psychisch belasten«, erklärt Dr. Michael Huelke vom BGIA – Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Eine Arbeit ist demnach ergonomisch, wenn sie ausführbar, erträglich und zumutbar ist. Die notwendigen Werkzeuge und Techniken müssen trotz ihrer Komplexität intuitiv, also leicht erlernbar sein und ohne großes Vorwissen des Anwenders beherrscht werden können.

Mut zum Querdenken

Um diese Anforderungen umzusetzen hat sich die Gildemeister AG (DMG) entschlossen, den Arbeitsplatz an den Maschinen angenehmer und bedienerfreundlicher zu gestalten. Also die Schnittstelle zwischen Anwender und Maschine zu verbessern und so Prozesse zu optimieren. Das Redesign einer DMG Werkzeugmaschinen-Serie im Bereich der Dreh- und Frästechnologie hat der Designer Dominic Schindler übernommen. Seine Aufgabe war es nicht nur der Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit der Marke, sondern auch den ergonomischen Anforderungen gerecht zu werden. Dominic Schindler konzentrierte sich bei der Konzeption und Umsetzung des neuen Designs besonders auf die Identifikation der Anwender mit ihrer Arbeit. »Design ist nie reiner Selbstzweck. Ein durchdachtes, übersichtliches Maschinendesign muss vor allem Fehlbedienungen und Unfälle vermeiden helfen und individuell auf den Anwender anpassbare Funktionen bieten, die eine möglichst perfekte Ergonomie am Arbeitsplatz garantieren «, beschreibt Schindler das ganzheitliche Konzept für die DMG-Serie. Die technischen Abläufe im Hintergrund sind für denjenigen, der eine Maschine bedient, meist unwichtig, »Er muss die Maschine auf den ersten Blick verstehen und erkennen können, dass keine Gesundheitsgefahren von ihr ausgehen und dass sie ihm ein angenehmes Arbeiten ermöglicht«, sagt Schindler.

Prozesse optimieren

Das Beispiel der von Dominic Schindler Creations konzipierten innovativen Gildemeister Maschinenbedienereinheit DMG Ergoline Control verdeutlicht, wie modernes Interface- Design in Zukunft aussehen kann: Das moderne Interface-Kontrollelement mit seinen übersichtlichen Kontroll- und Steuerungs- Panels wirkt auf den ersten Blick eher wie ein edler Flatscreen. Dank seiner Größe erlaubt es ein komfortables Ablesen aller relevanten Informationen auf einen Blick und ermöglicht zudem die Integration weitergehender Zustandsinformationen oder zusätzlicher Softkeys. Diese frei belegbaren Softkeys – eine ebenso eigenwillige wie funktionale und durchdachte Lösung – ermöglichen, häufig benutzte Programmsequenzen oder regelmäßig benötigte Bildschirminhalte mit einem Touch anzusteuern. Auf ein konventionelles Schloss zur Wahl der Maschinenbetriebsart hat Dominic Schindler Creations bewusst verzichtet und den althergebrachten Schlüsselkasten durch ein im Werkzeugmaschinenbau einzigartiges DMG Smartkey-System ersetzt. Der Smartkey, der einem edlen MP3-Player ähnelt, ist weit mehr als ein reiner An-/Ausschalter und kann mehr als nur die Betriebsart ansteuern. Mit ihm kann man personenbezogene Benutzer- und Zugriffsrechte vergeben oder individualisierte Steuerungsbefehle übermitteln – nur zwei Beispiele für die intelligenten Nutzungsmöglichkeiten.

Für die Bedienelemente und den Bildschirm entwickelte Dominic Schindler Creations Designlösungen, die Funktionalität und Formensprache verbinden. Die ergonomisch gestaltete Bedieneinheit lässt sich je nach Maschinenbaureihe an einem Traggarm rechts oder links vom Arbeitsbereich positionieren. Bildschirm und Bedientableau sind in alle Richtungen dreh- und schwenkbar und lassen sich auf die Bedürfnisse und Körpergröße des Anwenders hin ausrichten. Das gilt auch für die ergänzbare Stehhilfe, die eine dynamische Arbeitsposition im Sitzen oder Stehen ermöglicht – ein Novum bei Maschinen dieser Klasse. Gleich zwei renommierte Institutionen bedachten das New Design und die ergonomische, anwenderfreundliche Gestaltung der Gildemeister Maschinen mit Auszeichnungen: Die Initiative Mittelstand zeichnete Dominic Schindler Creations in der Kategorie ›Maschinenbau‹ aus. Die Jury des ›Universal Design Award‹, die das Gildemeister Design made by Dominic Schindler ebenfalls in der Kategorie Maschinenbau mit einem Preis bedachte, hob in der Laudatio die ergonomischen und funktionalen Aspekte hervor: »Das neue Design der Dreh- und Fräsmaschinen von Gildemeister schafft Überblick und macht den Arbeitsprozess transparent.«

ps

Erschienen in Ausgabe: 05/2008