Fußschalter fürs Auge

Bediengerät – Bei Augenoperationen benötigt der Operateur meist beide Hände für die Arbeit am Patienten. Die Position der Operationsgeräte regelt er über ein maßgeschneidertes Fußbedienpult.

17. Oktober 2008

Der Graue Star, auch Katatrakt genannt, ist die häufigste Augenerkrankung weltweit. Die Behandlung dieser Trübung der Augenlinse geschieht heute auf operativem Wege durch das minimal-invasive Verfahren der Phacoemulsifikation. Bei diesem Eingriff schneidet der Operateur zunächst eine kreisrunde Öffnung von etwa fünf Millimeter Durchmesser in den Kapselsack, in dem sich die Augenlinse befindet, sowie in die Hornhaut, zertrümmert dann durch dieses Loch hindurch und saugt die getrübte Linse ab. Anschließend platziert er eine neue, künstliche Linse in eingerollter Form durch einen kleinen Schnitt am Rand der Hornhaut im Kapselsack, wo sie sich zu voller Größe entfaltet.

Diese Operation wird sehr häufig durchgeführt: Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 600.000 Menschen am Grauen Star operiert. Der Operateur benötigt dabei nicht nur eine exzellente Feinmotorik, sondern muss meist mit beiden Händen gleichzeitig arbeiten, etwa wenn er die getrübte Augenlinse entfernt, die zertrümmerte Linse absaugt oder den Hornhaut-Schnitt zur Einführung der neuen Linse setzt.

Immer Freie Hand

Zentrale Funktionen der benötigten Geräte werden deshalb mit dem Fuß gesteuert, ähnlich wie in anderen Bereichen der Medizintechnik, zum Beispiel beim einfachen Verstellen der Patientenliegen, aber auch bei komplexeren Arbeitsabläufen beispielsweise in der Laserchirurgie oder bei bildgebenden Methoden.

Ein außergewöhnliches Fußbedienpult speziell für den Einsatz in der Augenheilkunde hat jetzt der Schaltgerätespezialist Steute aus Löhne in Ostwestfalen für einen marktführenden Hersteller der Ophthalmologie entwickelt. Dessen zentrales Pedal kann sowohl in die horizontale als auch in vertikale Richtung verstellt werden und ermöglicht die Steuerung von vier weiteren Funktionen, die je nach dem gewählten Betriebsmodus variieren, mit der Fußspitze bzw. Ferse.

Um die Ergonomie zu verbessern und damit die Voraussetzung für eine präzise Ausführung der Bedienfunktionen zu gewährleisten, lässt sich die Neutral- Position der Höhenverstellung ebenfalls an die Anforderungen des Bedieners anpassen. Auch der Pedalweg und die notwendige Kraft zur Betätigung des Pedals sind individuell einstellbar. Der Operateur kann somit das Fußbedienpult nach seinen Bedürfnissen einstellen, um ermüdungsfrei und konzentriert zu arbeiten.

Viele Funktionen

Eine weitere wichtige Eigenschaft des kundenspezifisch entwickelten Fußbedienpultes neben der ergonomisch günstigen Bedienung ist auch die Einbindung in das Steuerungskonzept. So lassen sich mit ein und demselben Pedal je nach gewähltem Menü unterschiedliche Funktionen betätigen, wie beispielsweise die Absaugung und die Schnittvorrichtung. Auf diese Weise bleibt die Anzahl der Bedienelemente übersichtlich, und die Bedienung ist auch bei einer Vielzahl von Bedienfunktionen immer gleichermaßen ergonomisch.

Die Kommunikation mit dem Operationsgerät geschieht kabellos über ein von Steute eigens entwickeltes Bluetooth-Protokoll, das speziell für die Anforderungen der Medizintechnik entwickelt wurde. Die Positionierung des Fußbedienpults ist damit völlig frei und unabhängig vom Kabel. Außerdem verbessert die kabellose Signalübertragung die Hygiene im Operationssaal, weil keine Kabel und Verbindungselemente gereinigt werden müssen.

Auch als Standard

Nachdem dieses kundenspezifische Fußbedienpult inzwischen weltweit im Einsatz ist, haben die Ostwestfalen jetzt ein Standard- Fußbedienpult für die Phacoemulsifikation in ihr Programm an Stelleinrichtungen für die Medizintechnik aufgenommen. Auch dieses Bedienpult besitzt ein zentrales Pedal, das in horizontale und vertikale Richtung verstellt werden kann und dessen Pedalweg und Pedalkraft sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen lässt. Mit der Fußspitze bzw. Ferse erreicht der Bediener vier weitere Betätiger, die bei Bedarf als Wippe ausgeführt werden können, sodass sich bis zu acht weitere Funktionen über das Fußbedienpult steuern lassen. Die Möglichkeit zur weitgehenden Integration in die Steuerung der Anlage erlaubt die menüabhängige Ausführung verschiedener Funktionen mit ein und derselben Stelleinrichtung unter Einsatz möglichst weniger Schalter. Zu den zahlreichen Optionen, mit der die neue Baureihe ausgestattet werden kann, gehört die kabellose Signalübertragung über ein Wireless-Protokoll, das speziell für die Anforderungen der Medizintechnik entwickelt wurde und auch in anderen Fußschalter- Baureihen für Operationssaal und Praxis zum Einsatz kommt.

Eine weitere Option ist auch die Kombination mit einem zusätzlichen Laser-Schalter für den Einsatz in kombinierten Geräten für die Phacoemulsifikation und die Behandlung von Netzhautablösung.

Erschienen in Ausgabe: 07/2008