Gasverteilung in Echtzeit

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Ethernet - Im Amsterdamer Gas- und Energieverteilnetz werden Ethernet-Extender als Teil der Regelung für das Realtime-Monitoring, die Alarmierung und das Durchflussmesssystem eingesetzt.

15. April 2009

Das holländische Energieversorgungsunternehmen Alliander ist mit 2.5 Millionen Privat- und Geschäftskunden in den Niederlanden und Belgien einer der größten niederländischen Energielieferanten. Das Unternehmen, das früher unter dem Namen Nuon firmierte, erzeugt und verteilt jährlich 20 TWh elektrische Energie aus regenerativen und konventionellen Quellen und liefert Gas an den größten Teil der niederländischen Haushalte und Industriebetriebe. Mit dem Engineering und dem Projektmanagement bei Alliander befasst sich deren Tochtergesellschaft, die Firma Liandon, die früher Nuon Tecno hieß.

Neues Fernwirksystem

Amsterdam hat eine große Anzahl von Gasverteilstationen in denen Alliander das Gasnetz steuern kann. Um dabei schneller und flexibler vorgehen zu können, beauftragte Alliander die Tochtergesellschaft damit, ein Fernwirksystem für das Gasversorgungsnetz in Amsterdam zu liefern. Um seinen Kunden einen besseren Service bieten und die Kosten senken zu können, wollte Alliander darüber hinaus die Netznutzung, die Alarme und die Durchflussmessungen in Echtzeit visualisieren. Als Remote-Fernwirkeinheit wählte Alliander die D05 von Datawatt Telecontrol Systems, die ein Ethernet-basierendes IEC 60870-5-104 Kommunikationsprotokoll zu Verfügung stellt. Eine LWL-Verkabelung für die Ethernet-Nachrichtenübermittlungen zu verwenden, wäre zwar die logische Entscheidung gewesen, da viele der Ethernet-Segmente die maximale Reichweite von 100 Metern für UTP-Kabel überschreiten.

Vorhandene Kabel nutzen

Jedoch wäre die Verkabelung mit LWL zu teuer geworden und eine kurzfristige Installation in den vollen Straßen der Stadt fast unmöglich gewesen. Also bot sich eine bestimmte Lösung an, wie Rens Dekker, Senior-Engineer von Liandon schildert: »Wir nutzen die vorhandene Kupferverkabelung, die schon in Allianders eigenem Telekommunikations- und Signalnetzwerk existierte.« Nach einigen erfolgreichen Tests mit dem Westermo DDW-100 und den Erfahrungen mit der Westermo-Modemfamilie, traf Alliander die Entscheidung: Das Unternehmen wollte die Westermo Ethernet-Extender verwenden, die in den Niederlanden von dem Unternehmen Modelec vertrieben werden.

Die Schlüsselspezifikationen waren die galvanische Trennung der Schnittstellen, der ausgedehnte Temperaturbereich und die Leistung der DSL-Verbindung. Die entsprechenden Tests wurden bis zu einer Entfernung von 17 Kilometern durchgeführt. Um das Gasverteilnetz mit einem modernen Kommunikationssystem für die SCADA-Kontrolle und -Visualisierung auszustatten, hat Alliander insgesamt sechs DDW-221 und 280 DDW-100 installiert. Mit den sechs DDW-221 baute Alliander einen zentralen reduntdanten Ring auf.

Zentraler Ring mit DDW-221

Denn das DDW-221 kann zur Erweiterung von Ethernet-Netzwerken über Zweidrahtkupferleitungen in Punkt zu Punkt, Multidrop oder redundanten Ringanwendungen eingesetzt werden. In solchen Applikationen können bis zu zehn Kilometer und maximale Datenraten von 5,7 Mbit/s auf kürzeren Strecken erreicht werden.

Von dem zentralen Ring bestehen 140 Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu den Außenstationen. Dabei nutzt jede Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwei DDW-100, um die Ethernet-Zwischenleitung bis zu einer Entfernung von zwölf Kilometern zu erweitern. Der DDW-100 ist ein Ethernet SHDSL-Extender für den industriellen Einsatz mit Plug and-play-Funktionalität. Mit dieser Einheit können vorhandene paarverseilte Kupferdrähte mit Datenraten von 192 Kbit/s bis 2,3 Mbit/s in beiden Richtungen über Entfernungen bis zu zehn Kilometern neu genutzt werden. Dabei ist der DDW-100 eine Bridge und kein Router und leicht zu installieren, weil alle Einstellungen über DIP-Schalter erfolgen.

Kenneth Isacsson, Westermo/aru

Fakten

- Westermo wurde in den 70er-Jahren in Västermo, etwa 150 km südwestlich von Stockholm, gegründet. Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften in Großbritannien, Deutschland und Frankreich und Partner in 30 Ländern.

- Das Unternehmen ist einer der Marktführer im Bereich industrielles Ethernet. Außerdem liefert es Glasfasermodems und RS-422/485 Produkte.

Erschienen in Ausgabe: 02/2009