Geheimnis auf der Oberfläche

Beschichtung - Der Lauf durch die Druckmaschine kann frisch bedruckten Bogen ziemlich zusetzen. Schonende Beschichtungen sorgen vor allem nach der Wendung für gleich bleibende Druckqualität.

01. Februar 2006

Wenn die Ingenieure der Heidelberger Druckmaschinen AG konstruieren oder ihre Produkte weiterentwickeln, berücksichtigen sie die unterschiedlichsten Einflussgrößen. Neben Farbe oder Gummitüchern sind bei höheren Produktionsgeschwindigkeiten insbesondere die Zylindergeometrien oder -oberflächen und deren Beschaffenheit von elementarer Bedeutung für die Qualität der Bogenführung und somit der Druckqualität.

Nur mit speziellen, den frischen Druck schonenden Beschichtungen für alle Transfer- und Druckzylinder nach der Wendung können Produktivität und Qualität gesichert oder gar gesteigert werden. Diese speziell beschichteten, wechselbaren Mäntel - bei Heidelberg ›TransferJacket Plus‹ und ›PerfectJacket Plus‹ genannt - gibt es sowohl für die Printmaster- als auch für die Speedmaster-Mehrfarbenmodelle. TransferJacket Plus spart dem Drucker zum Teil bis zu 80 Prozent an Reinigungszeit. Bei den Wendemaschinen sorgen die Ummantelungen für die bekannt hohe Schön- und Widerdruckqualität. Mit darin begründet liegt der Erfolg der Speedmaster SM 102 als lange Perfektoren.

Farbabweisende Beschichtung

Beim Transport durch eine Druckmaschine kann der frisch bedruckte Bogen Farbe an Superblue, aufgeklebten Folien oder Aufzugsmäntel der Transferzylinder abgeben und dort zu Farbaufbau führen. Die so kontinuierlich verschmutzenden Oberflächen können sich als unsaubere Erscheinungen auf die Druckbögen übertragen. Den Druckern ist das Thema leidlich bekannt - unter Umständen müssen diese Oberflächen in kurzen Abständen gereinigt oder gar gewechselt werden. Genau diese Waschaufwände werden seit der Drupa 2004 mit TransferJacket Plus mit seiner farbabweisenden Beschichtung extrem reduziert. Heidelberg bietet nämlich als erster und bislang einziger Hersteller Aufzugsmäntel für Transportzylinder an, die mit einer neuartigen Beschichtungstechnologie auf Basis der so genannten Nanotechnologie veredelt werden. Eingesetzt wird eine spezielle, farbabweisende Sol-Gel-Beschichtung.

Nachdem die Entwickler von Heidelberg in umfangreichen Untersuchungen und Labortests die optimale Oberflächenbeschichtung gefunden und qualifiziert hatten, ging es in die Praxiserprobung. Bei allen vier Feldtestkunden waren die Ergebnisse außerordentlich positiv und erfüllten voll und ganz das Lastenheft. Bei den langen Wendemaschinen im Großformat verringerten sich die Waschzeiten laut Kundenaussagen teilweise sogar um bis zu 80 Prozent.

Heidelberg installierte eigens für diesen innovativen Beschichtungsprozess eine neue Produktionsanlage an seinem Standort in Wiesloch und fertigt dort seit März 2004 die ›Nanoschicht‹ in Serie. Bisher sind schon mehrere tausend Aufzugsmäntel ausgeliefert worden. Durch eine implementierte Qualitätskontrolle wird das geforderte Eigenschaftsprofil für den Kunden konstant sichergestellt. Die Rückmeldungen der Druckereien, die dieses neue Produkt einsetzen, sind durchgehend positiv:

- Bessere Druckqualität sowohl im Schön- als auch im Widerdruck, vor allem bei Halbtönen und Vollflächen.

- Gesteigerte Produktivität durch verringerte Waschzeiten.

- Erhöhte Flexibilität durch die größere Bandbreite an Bedruckstoffen.

- Höhere Produktionsgeschwindigkeiten.

Die Nanotechnologie steht hinter diesem Fortschritt in der Drucktechnik. Die Technologieentwicklung spielt sich hier auf der atomaren Ebene in einer Größenordnung von einem bis einhundert Nanometern ab. Ein Nanometer ist ein milliardstel Meter und bezeichnet den Grenzbereich, in dem die Eigenschaften von Oberflächen gegenüber den Volumen von Materialien eine immer größere Rolle spielen und zunehmend quantenphysikalische Effekte berücksichtigt und genutzt werden können. Diese Zukunftstechnologie hat zum Ziel, neuartige Strukturen, Geräte oder Systeme zu schaffen und gezielt zu nutzen, die aufgrund ihrer geringen Größe teilweise gänzlich neue Eigenschaften oder Funktionen besitzen.

Die perfekte Wendung

Kaum eine Innovation hat die Durchlaufzeit pro Auftrag so revolutioniert wie die Wendetechnologie. Sie spart bis zu 50 Prozent an Prozesszeit. Die Wendetechnologie von Heidelberg basiert auf der Drei-Trommel-Wendung, die aus einer Wende-, einer Speicher- und einer Übergabetrommel besteht. Die Herausforderung liegt darin, den Bogen zuverlässig und registerhaltig an das nächste Druckwerk zu übergeben - dies bei Geschwindigkeiten von bis zu 13.000 Bogen pro Stunde. Ergebnisse des 30-jährigen Know-how von Heidelberg sind die Speichertrommel mit den exzentrischen Drehsaugern sowie die im Durchmesser reduzierte Wendetrommel. Die Wendetrommel arbeitet mit dem patentierten Zangengreifersystem, der für die präzise Registerhaltigkeit bei jeder Geschwindigkeit sorgt. Für die hohe Qualität und den reibungslosen Bogenlauf entwickelten die Experten von Heidelberg besondere Ummantelungen aus Keramik. So charakterisiert den Wechselmantel PerfectJacket Plus für die Druckzylinder nach der Wendung eine farbabweisende und extrem feinstrukturierte Oberfläche. PerfectJacket Plus ermöglicht eine gleich hohe Qualität bei der Schön- und Widerdruckseite, selbst bei kritischen Papieren und hohen Farbschichten. Die farbabweisenden Eigenschaften verhindern ein Abschmieren der Farbe. Damit lässt sich ein breites Bedruckstoffspektrum verarbeiten und hohe Produktivität durch einfache Reinigung umsetzen.

Matthias Hartung, Heidelberger Druckmaschinen AG

Erschienen in Ausgabe: 01/2006