Gelebte Präzision

SPN – Nach sehr bewegten hundert Jahren sieht sich SPN Schwaben Präzision bestens aufgestellt für die Herausforderungen der Zukunft. Der enge Zusammenhalt trägt dazu bei.

03. September 2019
Gelebte Präzision
Aus zwei Standorten mach einen – getreu diesem Motto ist am Stadtrand ein schmucker SPN-Komplex entstanden, der sehr modern konzipiert ist. (© SPN)

von Michael Kleine

In 100 Jahren Firmengeschichte kann viel passieren. Dieser Ausspruch lässt sich im Fall von SPN Schwaben Präzision eindeutig bejahen, meint deren Geschäftsführer Technik Rainer Hertle: »Das Unternehmen musste sich mehrmals neu erfinden, für mich ist es beeindruckend, welche Täler und Höhen durchschritten wurden. Daher rührt eine besondere Kraft und die Zuversicht, dass alles gelingen mag, in der Vergangenheit und in Zukunft.«

Anfang Oktober 1919 gründeten Paul Hayard und Ernst Pilz im sächsischen Ort Glashütte eine mechanische Werkstätte für Zahnräder und Lohnverzahnungen und sie fertigten in der berühmten Uhrenstadt natürlich auch Zeitmesser aller Art. 1935 kam dann ein junger Mann namens Fritz Hopf aus Welzheim bei Stuttgart wegen eines Patentverkaufs nach Dresden und landete als Teilhaber in dem Unternehmen. Das war für ihn umso glücklicher, denn er heiratete Lieselotte, die Tochter des Gründers Ernst Pilz.

Das Unternehmen hat sich dann enorm entwickelt und hatte 1939 schon 300 Mitarbeiter und ein stattliches Firmengebäude. Wegen seiner Präzisionsfertigung ist Hayard und Pilz im Zweiten Weltkrieg dann voll in den Rüstungsbetrieb hineingezogen worden. Die russischen Sieger demontierten die gesamte Fabrik, aber Fritz Hopf konnte einige Maschinen retten und machte sich auf den Weg in seine oberschwäbische Heimat. Leider blieb er in Nördlingen stecken, wo er in einem Gasthof mit dem zuständigen Landrat Müller ins Gespräch kam. Der hat ihm eine alte Leimfabrik angeboten und so ist Hopf in Nördlingen geblieben. Seine Firma war die erste in Nördlingen nach dem Krieg.

»Die haben aus allem Möglichen Uhren gebaut, aus alten Autos wurden Sitze für die Montage entliehen«, staunt Rainer Hertle. »Es ist sagenhaft und faszinierend, welcher Unternehmergeist damals geherrscht hat, und wie die handelnden Personen wieder bei null angefangen haben und mit großer Improvisationskraft und Leidenschaft Dinge auf den Weg bringen konnten.«

SPN ist dann stark gewachsen und hatte Anfang der 80er-Jahre schon wieder fast 300 Mitarbeiter. Irgendwann war der Platz an den beiden alten Standorten zu klein und so folgte der Entschluss, alles an einem Standort zu vereinen, der 2017 eingeweiht wurde. So ist SPN von der Glashütter in die Fritz-Hopf-Straße umgezogen. Das zeigt, welche große Rolle das Unternehmen im regionalen Umfeld einnimmt. Nach einigen Plateaus und Aufs und Abs hat sich die Belegschaft aktuell auf rund 330 Mitarbeiter stabilisiert und der Umsatz steigt Jahr für Jahr im zweistelligen Bereich, er liegt derzeit bei 44 Millionen Euro. »Aber wir müssen auch mit Abkühlungen leben«, zeigt sich Rainer Hertle realistisch.

Ein vielfältiges Sortiment

Die Produkte im Zeitraffer: Zuerst Lohnverzahnung und Präzisionsmaschinenteile, dann Uhren im großen Stil, Zahnräder, Tachometer, Nadeln für Strickmaschinen, ein Hochspannungsblitz namens Chronolux, Rührwerke für Labore, Testanordnungen, mechatronische Baugruppen, wieder Zahnräder, diesmal mit geschliffenen Flanken – nicht alles immer erfolgreich, aber mit Leidenschaft. »Fritz Hopf hat immer nach neuen Märkten gesucht«, sagt Hertle.

Kernelement bei SPN sind heute Getriebe aller Art, mit den komplexeren Planetengetrieben als Schwerpunkt. »Das ist so, weil wir sehr präzise fertigen können«, hebt der Geschäftsführer hervor. »Präzision ist damit eines der nachhaltigsten Gene des Unternehmens. Auch Verlässlichkeit wird großgeschrieben. Darum sind wir in allen Bereichen zertifiziert, was besonders für die Luftfahrt entscheidend ist.«

Nicht zuletzt deshalb hat sich SPN bei den Planetengetrieben zu einem gefragten Spezialisten entwickelt, der vor allem kundenspezifische Lösungen im Fokus hat. »Wir können uns sehr eng auf den Kunden einstellen, auf seine speziellen Bedürfnisse«, betont Hertle. »Wir betrachten sein Umfeld und machen Vorschläge, wie er seine bestimmte Lösung geschickter, schneller und intelligenter umsetzen kann, inklusive der passenden Schnittstellen.« SPN wolle nicht 08/15 fertigen, sondern Dinge, die besondere Präzision erfordern und einen besonderen Anspruch haben – gemäß dem Motto »Maßarbeit mit Leib und Seele«.

In den Branchen war SPN schon immer sehr divers, mit der Textilindustrie als momentan größten Einzelbranche. Als Krönung kamen dann 2000 Luftfahrtkomponenten hinzu, wobei dieser Bereich sehr anspruchsvoll ist. Recht junge Branchen sind Robotik und Automatisierung, die stark an Bedeutung gewinnen. Energietechnik hatte schon mal einen Anteil von 50 Prozent, aber da war die Abhängigkeit zu groß und SPN hat die Aktivität dort zurückgefahren. Aktuell fokussiert sich SPN immer mehr auf komplexere Baugruppen wie zum Beispiel eine Handachse für einen Lackierroboter. Hier will das Unternehmen weiter wachsen.

Prozesse digitalisieren

Nach innen gerichtet läuft bei SPN alles im Sinne von Industrie 4.0. »Wir wollen den gesamten Fertigungsablauf digital abwickeln, vom 3D-Modell der Werkzeuge über die automatische Vermessung bis zur automatischen Übertragung der Daten auf die Maschine. Auch die Umrüstung soll digital ablaufen«, erklärt Rainer Hertle. »Nach außen wollen wir kundenspezifische Design-Services auf der Website verfügbar machen, um die Kundenbindung ins Industrie-4.0-Zeitalter zu transferieren.«

All diese Dinge hat SPN in der Zukunftswerkstatt 2024 intensiv beleuchtet und bestimmte Richtungen definiert. Die drei Eckpfeiler sind Industrie 4.0, schmierstoffreduzierte Getriebetechnologien und höhere Integration von Baugruppen. Laut Hertle wird sich das Unternehmen einem enormen Kostengrund gegenübersehen mit komplexeren Lieferketten, und das wird den Automatisierungsgrad weiter nach oben treiben.

Bei allem, was bei SPN geschieht, soll und muss der Mensch im Mittelpunkt stehen, so war immer das Credo von Fritz und Lieselotte Hopf. »Darum haben sie immer viel für ihre Mitarbeiter getan«, sagt Hertle. »Schon 1955 wurden Betriebsrenten und Gewinnbeteiligungen an die Mitarbeiter ausgegeben. Auch die Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sind sehr intensiv und nachhaltig.« Alle vermittelten Werte kommen zum 100-jährigen Jubiläum mit ausgiebigen Feierlichkeiten samt Kunden, Lieferanten, Offiziellen, Mitarbeitern samt Familien und Freunden des Unternehmens besonders stark zum Tragen. Damit will sich SPN der Region und der Welt stolz und vorbereitet für die Zukunft zeigen. T

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Stimmen aus dem Team

Carolin Baumgärtner, Marketing: »Bei SPN ist man nicht einfach nur eine Nummer, sondern fühlt sich wie in einer großen Familie. Ich habe schon meine Ausbildung hier gemacht und immer die Möglichkeit bekommen, mich weiterzuentwickeln. Man wird gefördert und gefordert. Ich fühle mich dem Unternehmen verbunden und unsere Seniorchefin Lieselotte Hopf durfte ich noch persönlich kennenlernen. Es ist nicht nur Arbeit, sondern deutlich mehr.«

Rainer Hertle, Geschäftsführer Technik: »Ich bin sehr gern hier, weil man hier Dinge anpacken und umsetzen kann, das begeistert mich. Sehr förderlich ist dabei, dass SPN als Stiftung eine nachhaltige Unternehmensführung mit sich bringt. Die Gemeinschaft im Unternehmen hat mir sehr geholfen, die Anforderungen zu meisten, die ich bei meinem Antritt vorgefunden habe.«

Erschienen in Ausgabe: 06/2019