Gemeinsam zu neuen Lösungen

Interview

Till Schreiter – Der Leiter der neuen Division Industrieautomation und Antriebe von ABB erklärt, wie ihm die räumliche Nähe zum gleichfalls in Ladenburg angesiedelten deutschen Forschungszentrum des Konzerns zugute kommt.

17. Februar 2011

Forschung und Entwicklung sind für einen Technologiekonzern wie ABB essenziell für den Geschäftserfolg. Das deutsche Forschungszentrum in Ladenburg ist Teil eines starken Innovationsnetzwerks, in dem die Forscher und Experten sowohl mit internen Kunden als auch mit führenden Forschungsinstituten und Universitäten eng vernetzt sind.

Die :K sprach mit Till Schreiter, Leiter der ABB-Division Industrieautomation und Antriebe in Deutschland, über die verstärkte Ausrichtung der Division auf die Fabrikautomation und die Nähe zum deutschen Forschungszentrum.

Herr Schreiter, Anfang 2010 hat ABB die Division »Industrieautomation und Antriebe« gegründet. Welche Ziele verfolgt die noch junge Division?

Die seit Anfang 2010 bestehende Division Industrieautomation und Antriebe bietet Produkte, Lösungen und Dienstleistungen für die Steigerung der industriellen Produktivität und Energieeffizienz an. Neben industrieller Antriebstechnik, erneuerbaren Energien, Qualität der Stromversorgung und Elektromobilität gehört die Fabrikautomation zu den strategischen Themengebieten.

Ladenburg ist auch Standort des deutschen ABB Forschungszentrums.

Richtig. Ladenburg ist Standort des deutschen Forschungszentrums der ABB und zugleich Sitz der Division Industrieautomation und Antriebe in Deutschland. Inhaltlich konzentriert sich die Forschung in Ladenburg auf vier sogenannte Focus Areas. Diese sind die Prozessautomation, Gebäudeautomation, Fabrikautomation sowie Servicelösungen.

Da liegt es nahe, dass gerade die Forschung der Focus Area Fabrikautomation mit ABBs neuer Division eng interagiert.

In der Focus Area Fabrikautomation hat das Forschungszentrum bereits seit einigen Jahren Technologien bereitgestellt, die die Integration verschiedener Produkte wie SPS, Roboter oder Antriebe zu kundenorientierten Lösungen unterstützen. Somit war das Forschungszentrum mit dem Thema Fabrikautomation Vordenker für eines der Kernfelder der neuen ABB-Division. Die Forschung arbeitet intensiv daran, das technologische Fundament für das Geschäft in der Fabrikautomation bereitzustellen, um heutige und künftige Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

Worin sehen Sie als Leiter der Division in Deutschland die besondere Herausforderung?

Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeiten werden künftig Produkte und Lösungen für die Automation im diskreten Fertigungsumfeld sein. Kein anderes Unternehmen kann seinen Kunden ein derart komplettes Portfolio für die Fabrikautomation inklusive Robotertechnik anbieten. ABB hat mit dieser Kompetenzbündelung eine einmalige Ausgangslage. Der Vorteil für die Industriekunden ist groß: Alles basiert auf einer Plattform von einem Hersteller. Und die Produkte kommunizieren reibungslos miteinander.

Das heißt: ABB bietet sich den Kunden aus der Fabrikautomation als Lösungspartner an.

Ja. Wir haben uns nach den Bedürfnissen unserer Kunden ausgerichtet und stehen ihnen als Partner mit umfassender Prozesskompetenz zur Verfügung. Wir kennen die Anforderungen der Maschinen- und Anlagenbauer ebenso wie die jeweiligen Richtlinien, Normen und Standards. Dieses Know-how bieten wir über den gesamten Lebenszyklus, von der Inbetriebnahme bis zur Wartung.

Nennen Sie uns bitte ein konkretes F&E-Projekt, an dem ABB auf dem Gebiet der Fabrikautomation derzeit aktuell arbeitet.

Ein, wie ich meine, beeindruckendes Beispiel ist die realitätsgetreue, virtuelle Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen. ABB hat hierzu in ihr Produkt RobotStudio mechatronische Komponenten, sogenannte »Smart-Components« integriert.

Diese Smart-Components ermöglichen es, Komponenten mit eigener Steuerung und Sensorik einfach in die virtuelle Umgebung zu integrieren. Da bei ABB in den virtuellen Steuerungen dieselbe Software läuft wie in den realen Geräten, lassen sich die Ergebnisse der virtuellen Inbetriebnahme ohne Veränderungen direkt auf die reale Anlage übertragen.

Was wäre denn ein weiteres aktuelles Beispiel?

Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung einer flexiblen SPS-basierten »Motion-Control-Lösung«. Im Maschinenbau kommen derartige Systeme häufig bei Bewegungsabläufen zum Einsatz, in denen beispielsweise zwei bis drei Motoren synchronisierte Bewegungen ausführen müssen.

Im November vergangenen Jahres hat das Forschungszentrum der Öffentlichkeit das »ABB Automation Forum« präsentiert. Wie kommt das neue Forum seither an?

Das ABB Automation Forum wurde initiiert, um die Zusammenarbeit und die Vernetzung der Forschung mit unseren Kunden weiter zu verbessern.

Dabei handelt es sich um einen attraktiven Ausstellungsraum, in dem ABB-Produkte und neue Technologien und Forschungsergebnisse ausgestellt und demonstriert werden. Wir präsentieren uns hier so, wie die Kunden uns haben wollen: alles aus einer Hand, mit umfassender Systemkompetenz. Unsere Kunden bestätigten uns dies.

Ergo geht es ABB letzten Endes darum, ein starkes Innovationsnetzwerk zu schaffen?

Die Focus Area Fabrikautomation ist ein ideales Beispiel für kundenorientierte Forschung in einem leistungsfähigen Innovationsnetzwerk. Wer hat schon ein Forschungszentrum so greifbar nahe?

Die Mitarbeiter des ABB-Forschungszentrums in Ladenburg sind nicht nur während des gesamten Innovationszyklusses eng mit den Geschäftsbereichen in der Division Industrieautomation und Antriebe vernetzt. Sie übernehmen darüber hinaus auch aktive Rollen bei der Produkt- und Applikationsentwicklung für deutsche und internationale Kunden. Das kommt diesen in besonderer Weise zugute.

Zur Person

Till Schreiter ist seit 1. September 2010 Geschäftsführer der ABB Automation Products GmbH mit Sitz in Ladenburg und Leiter der Division Industrieautomation und Antriebe von ABB in Deutschland. Schreiter hat Elektrotechnik an der RWTH in Aachen studiert und ist seit 2008 bei ABB, wo er das Industry Account Management im deutschen Vertriebsteam verantwortet hatte. Vor Eintritt bei ABB war er in mehreren Führungspositionen in der SMS Group tätig, zuletzt als Geschäftsführer für SMS Demag in Südafrika. Davor zeichnete er für den weltweiten Vertrieb des Bereiches Elektrostahlwerke von SMS Demag in Düsseldorf verantwortlich.

Erschienen in Ausgabe: 01/2011