Gemischtes Doppel

Linearantriebe - Jedes Detail zählt bei hochwertigen Systemlösungen. Dabei ergeben eins plus eins nicht zwangsläufig zwei. Kooperieren zwei starke Unternehmen wie Festo und THK bei der Entwicklung, kann auch mehr dabei heraus kommen: zum Beispiel ein besonders leistungsfähiger Linearantrieb.

16. September 2005

In der Industrie ist branchenübergreifend absolute Zuverlässigkeit gefordert. Dies zeigt unter anderem die aktuelle Diskussion über Markenpiraterie, die nach Konsum- und Luxusartikeln verstärkt auch die Hersteller von Maschinen und Komponenten betrifft. Deshalb achten die Kunden zukünftig mehr auf die Ausrüstung von einbaufertigen Systemlösungen mit durchgängig hochwertigen Einzelkomponenten. So rüstet Festo die neuen kolbenstangenlosen Antriebe der Baureihe DGC in den Baugrößen 18 bis 40 mit Linearführungen von THK aus. Für den inzwischen mehrfach mit Preisen für gutes Industriedesign ausgezeichneten Antrieb wurden gleich zu Beginn der Entwicklung höchste Anforderungen gestellt, um als Standardmodul die vielfältigen individuellen Kundenwünsche zu erfüllen. Als ein weltweit führender Anbieter von Automatisierungstechnik mit Sitz in Esslingen erwirtschaftet die Festo-Gruppe weltweit mit rund 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,3 Mrd. Euro.

Mit Luft bewegt

Auch wenn Festo heute über 23.000 Produkte im variantenreichen Baukastensystem zur mechatronischen Automatisierung anbietet, wird als Kernkompetenz nach wie vor ›Bewegen mit Luft‹ angegeben. Die Innovationskraft des Unternehmens demonstriert Festo immer wieder eindrucksvoll, beispielsweise mit der Präsentation des pneumatischen Antriebs ›Fluid Muscle‹. Der neue kolbenstangenlose Antrieb der Baureihe DGC stellt den aktuellen Maßstab für Präzision, Qualität der Führung und Belastbarkeit dar, bei gleichzeitig reduzierten Abmessungen und einem interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis. Stoßdämpfer können optional in die Abschlussdeckel integriert werden, ebenso kann der Antrieb mit einem zweiten Schlitten ausgerüstet werden. Die Anwendungsmöglichkeiten des DGC sind vielfältig: Wo der Einbauraum im Verhältnis Baulänge zu Hub knapp bemessen ist und Antriebe mit Führung benötigt werden, bringt der Antrieb seine Vorteile zur Geltung. Mit der Neuentwicklung der Abdichtungstechnik wurde nahezu Leckagefreiheit erzielt. Speziell in der Ausführung mit hochwertiger Kugelumlaufführung hält der DGC selbst extremen Belastungskennwerten stand. Die Langlebigkeit hat er im Test unter Beweis gestellt, 25 Millionen Doppelhübe wurden problemlos bewältigt.

Profilbefestigung

Der Linearzylinder DGC überzeugt zudem mit seiner anwenderfreundlichen Handhabung, so sind alle Einstellungen sowie die Befestigung von einer Seite möglich. Für den richtigen Sitz des DGC sorgt die Profilbefestigung: robust, präzise und einfach im Austausch - ohne erneute Justage. Sie lässt sich beispielsweise über einen Schwalbenschwanzverbinder mit dem Antrieb montieren und bietet so hohe Festigkeit. Präzise Montageschnittstellen mit Zentrierringen auf dem Schlitten aus geschliffenem Edelstahl ermöglichen außerdem die einfache und exakte Anbindung. Bemerkenswert ist auch die lieferbare Maximallänge der Baureihe DGC in den Größen von 25 bis 40: Mit 8.500 mm können selbst Applikationen mit sehr langen Verfahrwegen realisiert werden.

Starke Partner

Entwicklungspartner von Festo hinsichtlich der optional integrierten Kugelumlaufführung ist THK, als Weltmarktführer ein ebenso global agierendes Unternehmen mit ähnlichem technologischen Anspruch. Neben der technischen Auswahl eines geeigneten Führungssystems für das Projekt waren von Beginn an auch Aspekte wie die Verbindungstechnik und Montage des Linearantriebs sowie eine ausgefeilte Logistik fester Bestandteil der engen Kooperation. Die hohen Anforderungen für diesen Anwendungsfall werden mit den eingesetzten THK-Führungen der Baureihe SHW sicher bewältigt.

Aufgrund der speziellen Querschnittsgeometrie ist der Typ SHW für solche Führungsaufgaben geradezu prädestiniert. Mit der extrem flachen und breiten Führungsschiene können speziell bei Anwendungen mit Einzelschienen wie im vorliegenden Fall auch hohe Quermomente sicher aufgenommen werden. Die besonders flache und kompakte Bauform trägt zur insgesamt platzsparenden Konstruktion des DGC-Antriebs bei. Der Kontaktwinkel der vierreihigen Kompaktführung liegt jeweils bei 45°, so dass der Führungswagen über gleich hohe Tragzahlen in allen Hauptrichtungen verfügt.

Der Schritt nach Vorne

Die Baureihe SHW wurde im Jahr 2000 als Weiterentwicklung der bewährten HRW-Serie als weitere Führung mit integrierter Kugelkette erfolgreich auf dem Markt eingeführt. Analog zur Ausführung von Rotationslagern mit Kugelkäfig werden hierbei die Wälzkörper im Umlauf der Linearführung durch eine Kugelkette separiert und gehalten. Die Kugelkette sowie die mit Kunststoff beschichteten Rückführkanäle im Wageninneren verhindern unnötigen metallischen Kontakt und reduzieren auf diese Weise den Geräuschpegel sowie abrasiven Verschleiß erheblich. Zudem bewirkt der kontrollierte Umlauf der Kugeln hervorragende Laufeigenschaften, so dass auch höhere Verfahrgeschwindigkeiten erreicht werden. Schmierstoffdepots in den Zwischenräumen der Kugelkette erzeugen ideale Schmierbedingungen direkt am Wälzkörper und ermöglichen so eine höhere Lebensdauer und bieten die Basis für wartungsfreie Anwendungen. Optional erhältlich sind spezielle Schmiersysteme, die bedarfsgerecht und direkt an den Laufbahnen der Schiene Öl abgeben.

Während das Schmiersystem QZ auf der Schmierstoffseite wirkt, verhindert der mehrstufige Lamellenkontaktabstreifer LaCS das Eindringen auch feinster Fremdpartikel. So bleibt der Schmierstoff im Wageninneren funktionsfähig, die Wartungsintervalle werden signifikant verlängert, je nach Bedingungen sind wartungsfreie Anwendungen möglich.

Ab Herbst 2005 bietet Festo diese zusätzlichen Optionen für das DGC-Modul an, um das Leistungsspektrum des neuen Antriebs auch bei hohen dynamischen Anforderungen noch weiter auszubauen. Fazit: Mit dem DGC erhält der Anwender einen bauraumoptimierten, präzisen und vor allem funktionssicheren Antrieb, der zudem montagefreundlich ist und mit zahlreichen integrierten Features glänzt. Auch erfreulich: Die kurzen Lieferzeiten, damit Flexibilität in der Automation nicht bereits an Standardlängen scheitert. Kurzum, mit der Entwicklung des DGC stellt Festo seinen Kunden einen starken und zuverlässigen Partner an die Seite.

Marcus Mensel, THK

Erschienen in Ausgabe: 06/2005