Gerollt und nicht geglitten

Maschinenelemente

Energieketten – Die rollengelagerte Energieführung mit verschleißarmem RSC-System von Tsubaki Kabelschlepp überwindet ohne Probleme auch sehr lange Verfahrwege in Großkrananlagen oder in der Industrie.

20. April 2016

Big, big, big – das allgemeingültige Credo der heutigen Zeit zeigt sich vehement auch in modernen Krananlagen für die Industrie oder Containerbrücken im Seehafen. Hier werden die Verfahrwege für Energie immer länger, Entwickler denken mittlerweile schon in Kilometern, und die Reibung nimmt zu. Konventionelle Energieketten sind hier schnell überfordert. Lösungen unter dem Motto »Rollen statt gleiten« erweisen sich darum mehr und mehr als optimale Lösung.

Das hat auch Tsubaki Kabelschlepp beherzigt. Schon länger gibt es rollende Energieketten, mit der neuen Generation der Roller Supported Chains (RSC) geht das Unternehmen einen Schritt weiter und nutzt seine lange Erfahrung als Spezialist für komplexe Energiesysteme mit besonderen Anforderungen. »Spezielle Kundenwünsche, viele Hundert umgesetzte Lösungen für unterschiedliche Branchen mit individuellen Bedürfnissen und unsere genaue Analyse der bereits auf dem Markt existierenden Produkte haben zur Entwicklung dieser neuen Generation der rollengelagerten Energieführung mit zahlreichen Optimierungen geführt«, erläutert Peter Pütz, Key Account Manager Business Development.

Solche leistungsfähigen Systeme sind auch bitter nötig: In den modernen Krananlagen mit sehr langen Verfahrwegen herrschen brutal hohe Taktungen und Fahrgeschwindigkeiten. Und sowohl im Hafen als auch im Stahlwerk ist eine uneingeschränkte Verfügbarkeit der Krananlage auch bei maximaler Beanspruchung ein Muss, Ausfallzeiten kann sich kein Betreiber erlauben. »Für diese Einsatzgebiete erwiesen sich die herkömmlichen Lösungen nicht immer als ausreichend«, sagt Peter Pütz. »Hier sind Systemkomponenten erforderlich, die den Belastungen im gleichen Maß standhalten wie das Gesamtsystem selbst. Gerade in diesen Fällen hat sich die rollengelagerte Energieführung als sichere, zuverlässige und kostensparende Lösung erwiesen.«

Keinerlei Kontakt

Bei der von Tsubaki Kabelschlepp entwickelten RSC-Lösung gleitet das Obertrum nicht auf dem Untertrum, sondern läuft völlig ohne Kontakt auf kugelgelagerten, wartungsfreien Rollen, die seitlich der Energieführung montiert sind. Die Laufrollen sind mit Hilfe von Haltern aus Kunststoff in einem definierten Abstand an das Kettenband montiert und laufen auf dem Führungskanal. Kugellager und eine Rollenoberfläche aus Polyurethan ermöglichen einen leisen, ruhigen und vibrationsarmen Ablauf. Die Belastung für Kette und Kabel ist minimal, gleichzeitig sind hohe Beschleunigungen und Geschwindigkeiten möglich.

Bei dem vollständig rollenden System entsteht an den Gleitflächen kein Verschleiß. Bei Verfahrwegen von mehr als 50 Metern ist außerdem erheblich weniger Antriebsleistung erforderlich. Die Zug- und Schubkräfte sind dabei gegenüber gleitenden Anordnungen um bis zu 90 Prozent verringert. Das minimiert die Belastungen für Energiekettenbauteile und Leitungen. Dank der besonderen Konstruktion kann der Betreiber das Führungsprofil des Systems unabhängig von vorgegebenen Stützabständen montieren. Gegenüber den sonst üblichen fixen Stützabständen von zwei Metern erübrigt das RSC-System Anbindungspunkte und somit den Stahlbau für die Aufnahmekonsolen.

Das Rollensystem ist selbstreinigend und alle Komponenten sind leicht zugänglich. So lässt es sich leicht warten. Die Rinnenbreite justiert sich beim Aufbau selbst, variable Rinnenbreiten sind verfügbar. Durch Aussparungen im Kanal lassen sich die Rollen und modularen Seitenteile leicht inspizieren, ohne die Kette dazu anzuheben. Verschlissene Rollen sind bei der Wartung individuell zu ersetzen. »Ein zeitaufwändiger und kostenintensiver Austausch der kompletten Energieführung ist damit nicht mehr nötig. Auch ein Retrofit lässt sich einfach und schnell realisieren«, erklärt Peter Pütz.

Tsubaki Kabelschlepp unterzieht alle Systeme und Komponenten einer umfangreichen Prüfung. Alle notwendigen Kurz- und Langzeittests werden im hauseigenen Versuchslabor durchgeführt. Um den Einsatz unter Realbedingungen zu erproben, hat das Unternehmen eine eigene Outdoor-Testanlage errichtet: Auf zwei vollautomatischen und unabhängig voneinander nutzbaren Außenteststrecken mit Verfahrwegen von mehr als 100 Metern lassen sich realitätsnahe Versuchsreihen bei Geschwindigkeiten von bis zu fünf Metern pro Sekunde durchführen – rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche mit speziell programmierten Kranzyklen und unter realen Wetterbedingungen. »Durch die Kombination von Erfahrung aus den Feldinstallationen und den realitätsnahen Tests können unsere Ingenieure anwendungsspezifische und sichere Systeme leichter auslegen und entwickeln«, sagt Pütz. »Jede Energieführungskette, jedes Kabel wird vor der Freigabe strengsten Versuchsreihen unterzogen.«

Das Team von Tsubaki Kabelschlepp hat bereits viele anspruchsvolle Projekte umgesetzt, maßgeschneiderte Lösungen sind dabei nicht selten. Das Unternehmen wird immer wieder mit besonderen Anfragen konfrontiert, die nicht zum Tagesgeschäft gehören. Peter Pütz erzählt: »Zu den außergewöhnlichen Herausforderungen, die wir erfolgreich bewältigen konnten, zählt ein Offshore-Kranschiff, bei dem die Drehbewegung des Krans per Stahlenergiekette gelöst wurde. Das Gesamtsystem kam auf eine Masse von 14 Tonnen.« Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist der Umbau einer Containerbrücke bei schwierigen Montageverhältnissen in einem deutschen Hafen.

Interview

MIT PETER PÜTZ - Wie hoch ist der Anteil an langen Verfahrwegen im Vergleich zum Gesamtgeschäft von Tsubaki Kabelschlepp?

Wir sind hier derzeit noch am Anfang, lernen aber schnell dazu. Es gilt, die gewonnenen Erkenntnisse gezielt und konzentriert umzusetzen. Gut für uns ist, dass viele Kunden von unseren Energieketten überzeugt sind. Vor allem wenn der Engineering-Anteil hoch ist, was bei langen Verfahrwegen der Fall ist, fragen viele Kunden zuerst uns. Denkbar ist aber durchaus ein Anteil von 30 Prozent bei Projekten, die vom Standardgeschäft abweichen.

Wie sehen Sie das Potenzial für Ihren Verantwortungsbereich?

Im Gesamtgeschäft der Energieketten für lange Verfahrwege ist das Potenzial sehr hoch, gerade chinesische und indische Unternehmen bauen immer gewaltigere Anlagen. Hier sprechen wir von 500 bis mehr als 1.000 Meter Verfahrweg – und sogar von Serienfertigung. Darum hat Tsubaki diesen Bereich personell aufgebaut und technisch ausgestattet. Der Prüfstand auf dem Werksgelände ist ein deutliches, aber auch notwendiges Commitment. Aufgrund der Qualität unserer Produkte sind wir davon überzeugt, unseren Anteil am Energiekettenmarkt für lange Verfahrwege sichern und ausweiten zu können. Wir werden erfolgreich sein, sonst würden wir diesen Schritt nicht gehen und die Investitionen nicht tätigen.

Welche Rolle spielt dabei die japanische Mutter Tsubaki?

Durch Bundles mit den Produkten unserer Mutter vergrößern sich unsere Chancen. Die Zusammenarbeit ist sehr eng, durch die neuen technischen Möglichkeiten sind die Entwickler und Vertriebler nahe beieinander und arbeiten fast Schulter an Schulter. Ein Projekt wird in Europa gewonnen, geht dann zu den Kollegen nach Japan und gemeinsam entsteht ein Prototyp. Diese Möglichkeiten sind derzeit auf dem Markt einzigartig, und Grenzen sehen wir noch lange nicht.

Erschienen in Ausgabe: 03/2016