»Geschäfte jedes Jahr verdoppeln«

Interview

Enrico Krog Iversen – Mit seinen Roboterarmen bietet Universal Robots (UR) Konstrukteuren ein sehr wirksames Werkzeug für die Kollaboration von Mensch und Maschine im Maschinenbau. Deren CEO erklärt den Erfolg der Produktionsassistenten.

17. Juni 2015

Herr Iversen, ganz frisch platzte die Meldung von der Übernahme von Universal Robots durch Teradyne herein. Warum ist das so geschehen?

Die Kombination beider Unternehmen wird unsere Fähigkeit zur Innovation und zum Recruiting noch mehr steigern und wir können so unseren Vorsprung in der kollaborativen Robotertechnik weiter ausbauen, zum Nutzen aller unserer Endkunden und Partner. Wir stellen ihnen preisgünstige Roboter zur Verfügung, die sich schnell implementieren lassen, einfach zu programmieren sind und sicher Seite an Seite mit Mitarbeitern arbeiten können, um damit die Qualität und Effizienz in der Produktion zu steigern.

Gleichzeitig sind wir stolz, ein ganz neues Geschäftsfeld von Teradyne zu sein. Das Weltklasse-Engineering, der Support und die starke Finanzposition des US-amerikanischen Unternehmens werden bei der Beschleunigung unseres Wachstums in neuen und bestehenden Märkten helfen, vor allem in Asien, wo Teradyne über eine sehr starke Position verfügt.

Und UR ist sicher auch attraktiv für Teradyne gewesen …

Ganz bestimmt, denn unsere Aktivitäten sind seit Ende 2010 profitabel. Wir erreichten 2014 ein Rekordwachstum und verbuchten ein Umsatzplus von 70 Prozent. Den Gewinn wir mit mehr als 4,2 Millionen Euro gegenüber der Vorperiode verdoppeln.

Das Geheimnis hinter diesem Erfolg ist eine klare Strategie, die auf diesen drei Schlüsselzielen basiert: Fokus, Einfachheit und schnelle Durchführung. Zudem ist kollaborative Robotik ein 100-Millionen-Dollar-Segment innerhalb der industriellen Robotik mit einem jährlichen Wachstum von mehr als 50 Prozent.

Sie waren 2009 bei uns im Verlag mit der Beta-Version des ersten Modells, damals hatte UR drei Mitarbeiter. Schildern Sie doch bitte den Weg von damals bis jetzt.

Universal Robots hat eine rasante Entwicklung erlebt. 2009 haben wir auf 40 Quadratmetern gearbeitet, heute sind es 12.000 Quadratmeter plus die Büros in Dänemark. 2009 waren es vier oder fünf Mitarbeiter, heute sind es 150. Der Umsatz im Jahr 2009 betrug 400.000 Euro, 2014 waren es circa 30 Millionen Euro. Am letzten Tag des Monats März konnten wir mehr Aufträge fakturieren als im gesamten Jahr 2009. Diese Zahlen unterstreichen unser stetiges Wachstum.

Meilensteine waren für uns zuerst der Export in die europäischen Nachbarländer, aber vor allem die Ausweitung nach Asien im Jahr 2012 und ein Jahr später in die USA. Dort haben wir auch die Zulassung für den größeren UR10 bekommen als zweites Produkt der Familie. Das war für uns ein ganz wichtiger Schritt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Aufteilung im Verkauf zwischen dem Urmodell UR5 und dem UR10 etwa 50:50.

Wir haben früh die Entscheidung getroffen, nicht nur in Dänemark zu Hause zu sein, und daraufhin Tochtergesellschaften in China, den USA, in Spanien und im Januar dieses Jahres auch in Singapur gegründet. Jetzt haben wir die Möglichkeit, weltweit in der Nähe unserer Kunden zu sein. Zeitunterschiede und kulturelle Unterschiede können wir vernachlässigen, denn wir haben überall sehr kompetente und zuverlässige lokale Mitarbeiter vor Ort.

Was zeichnet ihre Roboterarme aus? Was ist seit dem UR5 der ersten Generation an Funktionalität hinzugekommen?

Die ersten Roboter waren vor allem geeignet für Pick-and-Place-Anwendungen. Mit der neuen Version bekommt der Anwender wesentlich mehr Features für verschiedene Prozessapplikationen und den Bereich der Montage. Wir beschränken uns nicht auf vorgefertigte Funktionsblöcke wie bei anderen Anbietern, sondern agieren über unser umfangreiches Softwarepaket, das wir komplett mit jedem Roboter ausliefern. Der Anwender bestimmt dann selbstständig, welche Teile er nutzt. Er muss nichts mehr zukaufen, wenn er eine andere Applikation einrichtet.

Die Grundidee und Stärke von UR ist die gleiche wie am Anfang: Das ist die Zusammenarbeit von Bediener und Roboter und die Sicherheit sowie die einfache Bedienung, die wir mit unseren Geräten erreichen können. Das sind die Merkmale, die für uns wichtig sind. Wir haben das Sicherheitssystem weiterentwickelt, sodass es jetzt noch flexibler ist und der Anwender die verschiedenen Applikationen noch einfacher programmieren und entwickeln kann.

Und dann kam der UR10, was war die Motivation für diese Neuheit?

Den UR10 haben wir jetzt seit drei oder vier Jahren im Markt, und er ist sehr gut angekommen. Er hat vor allem im Einsatz bei OEM und Autoherstellern die richtige Reichweite und integriert sich dort sehr gut in die Produktion.

Jetzt präsentieren Sie das kleinste Modell, und der Erfolg soll weitergehen ...

Mit dem neuen UR3, den wir jetzt auch in Europa freigeben, hat Universal Robots einen kompakten Roboter vor allem für Montageapplikationen im Programm, der besonders in Europa, Asien und den USA in den verschiedenen Elektronikbranchen den Nutzern viele Vorteile bringen wird.

Auf einer Messe in Shanghai haben wir den UR3 im März zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Die Resonanz war riesig, das sieht man an einer schönen Begebenheit: Am Montag waren Leute am Stand und haben den UR3 gesehen, am Dienstag sind sie zurückgekommen, um den Roboter zu bestellen. Der kam also wirklich sehr gut an, und in Chicago konnten wir ähnliche Erfahrungen machen genauso wie auf der Hannover Messe.

Wie hoch ist die maximale Traglast beim UR3?

Bei allen Modellen steht die Zahl hinter dem »UR« für die jeweilige Traglast. Beim neuen kleinen Modell sind es dementsprechend drei Kilogramm, bei der mittleren Ausführung fünf und beim UR10 zehn.

Reagieren Sie mit dem UR3 auf die immer engeren Platzverhältnisse in der modernen Produktion?

Für kleine Montage- oder Handhabungsaufgaben ist der UR3 völlig ausreichend, und Bauraum wird immer entscheidender und wichtiger. Die Anlagen werden immer kleiner und die Hallen optimaler ausgenutzt.

In den großen Werken, die Smartphones oder Tablets produzieren, hat jeder Mitarbeiter nur noch ganz wenig Platz. Und wenn dort der Roboter hineinpassen soll, muss der so klein und flexibel, aber trotzdem leistungsstark sein wie der UR3.

Was zeichnet Ihre Produkte gegenüber dem Wettbewerb aus?

Bei Universal Robots gibt es einen wichtigen Unterschied: Wenn die meisten Mitbewerber über kollaborative Roboter sprechen, sprechen sie nur über Sicherheit. Zusammenarbeit von Mensch und Maschine wird mit diesem Thema gleichgesetzt. Für uns ist das nicht so. Ein sicherer Roboter ist nicht unbedingt kollaborativ, nur weil dies schwierig zu programmieren ist. Für uns bedeutet der Begriff Kollaboration Sicherheit und gleichzeitig einfache Programmierung. Ich denke, in der Hinsicht haben wir einen relativ großen Vorteil.

Wie können Sie einem Konstrukteur einer Anlage helfen? Welche Vorteile hat er durch die Produkte von UR?

Konstrukteure und Entwickler können unsere Roboter sehr schnell in eine Anlage integrieren, weil sie wie gesagt sicher sind und einfach zu programmieren. Auf diese Weise kann ein Konstrukteur eine Maschine sehr schnell im Werk einbringen. Ein UR-Roboter lässt sich in einem halben Tag installieren, bei den Modellen anderer Anbieter erfordert das zum Teil wesentlich mehr Zeit. Und der UR3 hat sich in drei bis sechs Monaten amortisiert. In dieser Zeit arbeitet er, um sich zu bezahlen, und sofort danach ist er rentabel. So wird er für die Maschinenhersteller interessant, denn die kaufen eigentlich nicht die Technik, sondern im Prinzip niedrige Produktionskosten und Flexibilität.

In einem Land wie Deutschland ist es nicht so einfach, Mitarbeiter schnell freizusetzen, wenn es nicht so gut läuft, und neue zu finden, wenn der Erfolg da ist. In dem Punkt gibt es also wenig Flexibilität im Werk, die aber mit einem Roboter von Universal Robots auf jeden Fall geben ist. Der Betreiber kann einen Auftrag spontan annehmen, weil etwa eine CNC-Maschine zwei oder drei Stunden länger arbeiten kann, denn der Roboter kann sie bedienen. Er benötigt keine zusätzlichen Mitarbeiter und muss keine Überstunden anordnen.

Der gesamte UR-Roboterarm ist also eine Komponente einer Maschine, eine geschlossene Einheit?

Wir betrachten unsere Produkte als ein Werkzeug oder Konstruktionselement, das als Ganzes in eine Maschine oder Anlage integriert wird. Es sind also Komponenten, die wiederum aus verschiedenen Einzelkomponenten bestehen.

Wie hoch ist dabei die Fertigungstiefe? Arbeiten Sie mit Partnern zusammen?

Hardware und Software haben wir komplett im eigenen Haus entwickelt. In einzelnen Bereichen vertrauen wir auf Zulieferer in Dänemark, den USA oder Deutschland, aus der Türkei beziehen wir einige Motoren. Alle Bestandteile werden nach unseren Spezifikationen hergestellt, dann kommen sie zu UR, wo die Montage und sämtliche Qualitätssicherungen stattfinden.

Welche Ideen sind in der Pipeline? Worüber dürfen Sie uns Auskunft erteilen?

Es gibt viele neue Ansätze, und in unserer Planung bis 2022 ist bereits einiges verankert. Aber dafür müssen Sie uns regelmäßig besuchen. Auf jeden Fall bleiben wir in unserem Segment. Wir arbeiten weiter mit Sicherheit, wir arbeiten weiter mit einfacher Bedienung und mit Robotern, die preisgünstig sind, sodass der Kunde immer eine sinnvolle Investition tätigen kann.

Werden sie sich in der Größe auf den UR10 beschränken?

Wenn wir noch größere Ausführungen bauen würden, müssten wir auch ganz neue Technologien entwickeln. Man könnte vielleicht in Richtung einer höheren Traglast gehen, aber dann braucht man andere Motoren, also eine ganz andere Basistechnologie. Wir erarbeiten immer eine Roadmap für den Verlauf von drei Jahren, die neue Produkte auf Basis der heutigen Technologie umfasst. Und dann setzen wir eine siebenjährige Roadmap auf, die festlegt, welche neuen Technologien wir entwickeln müssen.

Eines ist klar: Es soll mit unserer Erfolgsstory weitergehen. Wir wollen die Geschäfte in jedem Jahr verdoppeln. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber wir glauben daran – vor allem, seitdem wir die Unterstützung von Teradyne haben.

Auf einen Blick

- Universal Robots ist ein Ergebnis jahrelanger intensiver Roboterforschung im dänischen »Robotik-Tal« nahe Odense.

- Gegründet 2005 von den Wissenschaftlern Esben Østergaard, Kasper Støy und Kristian Kassow.

- Ziel: Preisgünstige, flexible, benutzerfreundliche Robotertechnologie für alle, zur Automatisierung und Rationalisierung in industriellen Prozessen und für sichere, kollaborative Prozesse.

- Produktportfolio: Roboterarme UR3, UR5, UR10.

- Vertrieb in mehr als 50 Ländern, Sitz in Odense, mehrere Nieder-lassungen, 150 Mitarbeiter weltweit.

- Bald wird Universal Robots Teil des US-Unternehmens Teradyne sein, einem Hersteller von automatischem Test-Equipment. Die Übernahme soll im zweiten Quartal 2015 abgeschlossen sein.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015