Getriebeteile effektiv messen

Deutscher Normteile Award

Messmaschinen – Für Anwender ist es vorteilhaft, wenn sie direkt in der Produktion Messungen vornehmen können. Eine mobile Messmaschine von MQS ermöglicht dies, die zudem aus sehr vielen Normteilen besteht – und was zum Gewinn des Deutschen Normteile Awards beigetragen hat.

30. Oktober 2013

Messaufgaben gibt es bei der Herstellung von Getrieben viele. Darum freuen sich die Hersteller solcher Antriebskomponenten über effektive Messmaschinen. Eine solche hat die MQS AG aus Ingolstadt entwickelt und zwar zum Großteil aus genormten Zukaufteilen. Dieser Umstand war maßgeblich für den ersten Platz beim Deutschen Normteile Award 2013.

»Unsere neue Baureihe, die TMS (TeileMessStation), ist die zweite Generation unser eigenentwickelten und vollautomatischen mobilen Messmaschine. Die Sondermessmaschine für rotationssymmetrische Teile lässt sich für alles einsetzen, was sich dreht«, erklärt Robert Fritsch vom Einkauf und Vertriebsinnendienst der MQS AG und Mitglied des Projektteams der preisgekrönten Maschine. »Die TMS wird aktuell hauptsächlich für Getriebeteile verwendet. Wir können sie individuell konfigurieren und ausrichten, je nachdem welche Prüfmerkmale der Kunde messen will.« Die Maschine verfügt über eine automatische Zuführung der Messeinheit, die Auswertung läuft über gängige Messtechnik. Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Hard- und Software liegen ausschließlich bei der MQS AG.

Die Maschine erfasst die Merkmale Durchmesser, Kugelmaße, Rundheit, Ebenheit, Parallelität, Rundlauf, Planlauf, Abstände, Nutmaße oder Materialstärke. Einzelteilungsfehler und Gesamtteilungsfehler werden simultan mit bis zu 18 pneumatisch gesteuerten Messtastern erfasst. Die Maschine eignet sich für die Messung in der Fertigung und ist mobil einsetzbar. In nicht klimatisierten Umgebungen erreicht sie Wiederholungsgenauigkeiten von unter drei Mikrometern. Entsprechend den Kundenwünschen kann die Maschine auf Zahnräder, Hohlradträger, Innen- und Außenlamellenträger, Bremsscheiben, Radnaben und viele andere rotationssymmetrische Teile ausgelegt werden.

Der komplette Messablauf dauert ungefähr 180 Sekunden und liefert dabei die 30-fache Messdatenmenge pro Zeiteinheit wie bei einer herkömmlichen Maschine. Ein flexibles Softwarepaket steuert nicht nur die Maschine, sondern wertet auch parallel zur Messung die Ergebnisse aus und stellt diese in den bekannten Statistikdatenformaten im Netzwerk zur Verfügung. Abweichungen von Sollmaßen und Toleranzüberschreitungen werden im Einzel- und Gesamtergebnis dem Werker zur direkten Korrektur im Fertigungsprozess angezeigt. Ein vom Steuer-PC unabhängiges Sicherheitssystem mit einer Vollverschutzung sämtlicher bewegter Teile gewährleistet die Einhaltung der geltenden Maschinenrichtlinien.

Normteile als wichtige Komponenten

Normteile hatten einen hohen Stellenwert bei der Entstehung der Messmaschine, denn deren Dichte, gemessen an der Gesamtheit der eingesetzten Komponenten, betrug knapp 91 Prozent. Wäre diese Maschine denn überhaupt machbar gewesen ohne Normteile? »Machbar ist ohne solche Bauteile sicherlich viel, aber ob es so gut machbar ist wie mit, das ist die Frage«, entgegnet Robert Fritsch. »Die Kollegen aus der Konstruktionsabteilung sind natürlich erpicht auf den Einsatz von Normteilen, weil es ihnen die Arbeit erleichtert und die Konstruktion beschleunigt.« Federführend bei der Entwicklung der preisgekrönten Maschine ist Stefan Arzenheimer gewesen, Konstrukteur bei MQS, von dem Robert Fritsch sagt, dass sie »sein Baby« sei.

Auch bei der Montage mache sich die Verwendung von Normteilen bemerkbar, denn mit Normteilen und damit einhergehend durch die Verwendung von Normwerkzeug, ginge das im Endeffekt schneller. »Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen.« In der Maschine kam eine große Vielfalt an Normteilen zum Einsatz, Ganter lieferte dabei Bügelgriffe und Rastbolzen.

Dass man die Messmaschine für den Deutschen Normteile Award einreichen könnte, war laut Robert Fritsch am Anfang mehr oder weniger eine Idee zwischen Tür und Angel. »Die Kollegen von der Konstruktion haben uns informiert, dass es erstmals eine Auszeichnung geben soll, die die Verwendung von Normteilen in einer bestimmten Anwendung prämiert, eben den Deutschen Normteile Award.«

Dann sei die ganze Geschichte aber wieder ein wenig abgeebbt, erinnert sich der Projektleiter, bis das Thema dann in einer Besprechung wieder aufgegriffen wurde. »In diesem Rahmen haben wir dann zusammengesessen und geschaut, wie hoch der Anteil an Normteilen eigentlich überhaupt ist. Wir mussten bei näherer Prüfung mit Erstaunen feststellen, wie enorm hoch der Anteil an verbauten Teilen tatsächlich ist. Darum fiel in der Folge der Entschluss, unsere TMS für den Award einzureichen.«

Diese Entscheidung hat sich gelohnt, wie man an dem Erfolg ablesen kann. Erster Preisträger des Deutschen Normteile Awards zu sein, sollte eigentlich ganz selbstverständlich einen Motivationsschub auslösen und in der täglichen Arbeit weiteren Anschub geben, in der eingeschlagenen Richtung weiterzumachen. Das kann Robert Fritsch nur bestätigen: »Motivierend ist der Preis sicherlich für das gesamte Team. Wir werden überlegen, ob wir im nächsten Jahr wieder mitmachen, je nachdem was die Folgeprojekte hergeben. Es ist aber immer ein Anreiz, möglichst viele Normteile zu verwenden und neue Einsatzmöglichkeiten auszumachen, mit dem Ziel, verstärkt Fertigungsteile aus dem System zu eliminieren, die höheren Aufwand und mehr Kosten bedeuten.«

Aber jetzt steht erst mal die elegante Trophäe in den Räumlichkeiten von MQS und wird immer an den Erfolg beim Deutschen Normteile Award erinnern.

Erschienen in Ausgabe: 08/2013