Gewisser Touch inklusive

Spezial Medizintechnik

Bediengeräte – Rafi machts mit einer neuen Technologie möglich: Touch-Bediengeräte, die nicht nur robust, hygienetauglich und übersichtlich sind, sondern auch noch ästhetisch aussehen.

15. Oktober 2010

Die Anwendungsgebiete von Touch-Sensorik waren bislang durch ihre Empfindlichkeit gegen mechanische Krafteinwirkung und Verschmutzungen limitiert. Außerdem wurde die Technik fast ausschließlich zur direkten Bedienung von Touchscreens verwendet, bei denen die Eingabemasken durch Software definiert werden. Rafi, Spezialist auf dem Gebiet der elektromechanischen Bauelemente und Bediensysteme für die Mensch-Maschine-Kommunikation, hat diese Technologie für sein sogenanntes Glasscape-Programm weiterentwickelt und macht sie dank der stabilen Frontplatte universell einsatzfähig – auch in rauer industrieller Umgebung oder eben in der Medizintechnik.

Bediengeräte in der Medizintechnik müssen vor allem den strengen Hygienevorschriften genügen, was für die fugenlosen Oberflächen der Glasscape-Bedieneinheiten kein Problem ist. Denn die geschlossene und völlig glatte Frontplatte lässt sich mit geringem Aufwand schnell und gründlich reinigen und kann damit die Hygienebedingungen in aseptischen Bereichen entscheidend verbessern. Außerdem garantieren die verschleißfreien Eingabeoberflächen auch bei starker Nutzung und häufiger Reinigung eine lange Lebensdauer.

Sämtliche grafischen Applikationen und Beschriftungen der Bedienflächen bringt Rafi im Sieb-, Digital- oder Tampondruck auf der Rückseite der Frontplatten auf, sodass auch der häufige Gebrauch scharfer Reinigungs- oder Desinfektionsmittel zu keinem Verblassen der Beschriftungen oder Grafikelemente führt. Weil das Unternehmen im Allgemeinen Standardlacke verwendet, gibt es übrigens keine Einschränkungen für Motiv- oder Beschriftungswünsche der Anwender. Wichtig: Im Glasscape-Programm bietet Rafi ausschließlich kundenspezifisch entwickelte Komponenten und vollständige Bedieneinheiten im passenden Design.

Sichere Bedienführung

Auch die Übersichtlichkeit ist ein entscheidendes Kriterium für Bedienungen im Laboreinsatz. Die Glasscape-Eingabegeräte ermöglichen durch die Integration von Tastern, Touchscreen oder Displays eine klare, sichere Bedienerführung, die den Nutzer leitet und ihn direkt auf Fehleingaben aufmerksam macht. Weil die berührungssensitiven Eingabeflächen daneben auch barrierefrei bedienbar sind, können chronisch Kranke im sogenannten Patienten-Selbstmanagement wichtige medizinische Geräte zu Hause selbst bedienen.

Die Anwender können wählen, ob die Bedienung nur mit Tastern und Reglern oder mit Tastern in Kombination mit Touchscreen bzw. Displays ausgestattet sein soll. Selbst wo nur Taster und Tastenfelder zur Bedienung ausreichen, stehen für die Gestaltung der Eingabeelemente verschiedene Möglichkeiten zur Wahl. Neben Tastern lassen sich auch Slider in Form von Schiebe- und Drehregler integrieren.

Individuelles Design

Berührungslose Infrarot-Sensoren ermöglichen als weitere Variante die durch Gestik gesteuerte Bedienung. So lassen sich zum Beispiel Bewegungsmuster der Hände in entsprechende Steuerbefehle umsetzen. Für Anwendungen in Risikobereichen können auch Not-Aus-Schalter integriert werden. Dazu wird die Bedienoberfläche mit Bohrungen durchbrochen.

Dank der transparenten Frontplatten ergeben sich auch für die Beleuchtung der Schaltflächen unterschiedliche Möglichkeiten für die unmissverständliche Bedienführung. Angefangen von selbstleuchtenden ITO-Folien und Punktbeleuchtungen, die die Schaltstellungen der Slider und Wheels anzeigen, über Multi-Color-Leuchtringe, die entsprechend der Schaltzustände ihre Farbe wechseln, bis hin zur Vollausleuchtung der Display-Flächen.

Das Glasscape-Programm von Rafi bietet auch beim Design der Frontplatten aus Glas oder aus Kunststoff verschiedene Möglichkeiten: gefräst, geschnitten, geätzt, poliert oder mattiert – die verschiedensten Bearbeitungstechniken sind möglich. Selbst bei der Form kann der Kunde wählen, ob er die Platten gewölbt oder gebogen erhalten möchte.

Für bestimmte Anwendungen wünschen Kunden eine taktile Rückmeldung der Taster. Dort integriert Rafi Tasten, die exakt mit der planen Oberfläche abschließen und aus demselben Material gefertigt sind. Die Einheit der Form bleibt erhalten. Eine spezielle Dichtungstechnik sichert auch bei der Integration dieser Tasten hohe Unempfindlichkeit gegen Wasser oder Staub.

Aufbau von Glasscape

Die Sensorflächen der Glasscape-Bedienelemente werden von hinten auf die geschlossene und mit Rückseitendruck versehene Glasfläche laminiert. Je nachdem, ob die Sensorflächen unbeleuchtet oder beleuchtet werden sollen, verwendet Rafi transparente oder opake, also lichtundurchlässige, Träger. Unbeleuchtete Sensorflächen bringt der Hersteller in Kupfer auf die Leiterplatte auf, die auf die Rückseite der bedruckten Frontplatte aufgeklebt wird. Die Auswerte-elektronik befindet sich auf der Rückseite der Leiterplatte. Beleuchtete Sensorflächen werden mit ITO-Folien oder mit leitlackbeschichteten Polyesterfolien geschaffen. Auf diese Weise lassen sich Ring-, Symbol- und Flächenbeleuchtungen umsetzen. Die kapazitiven Sensorfolien werden über eine spezielle, Tail genannte Verbindung auf eine dahinter liegende Leiterplatte mit der Auswerteelektronik geführt.

Kapazitive Touchscreens stellen besonders hohe Anforderungen an das optische Laminieren auf die Glasblenden. Bei diesem Prozess kommt es auf höchste Präzision an, um zum Beispiel Blasenbildung zu vermeiden. Rafi fertigt alle Bedienelemente einschließlich der Glasbedruckung in diversen Druckverfahren und unter Reinraumbedingungen. Bei den kapazitiven Sensorfolien bietet der Hersteller Einzelsensoren in unterschiedlichen Ausführungen, Matrixsensoren für mehrtastige Bedienflächen und neueste Multi-Touchscreens mit 2-Finger-Bedienung an. Das Unternehmen integriert auch die passenden Controller und implementiert die Hinterleuchtungstechnik bedarfsgerecht. Für Glasscape-Pads oder weitere geschlossene Bedieneinheiten setzt der Bedienungsspezialist auch Lösungen im Spritzguss-Gehäuse um, sodass der Anwender vom Einzel-Glasscape-Taster oder -Regler bis hin zur kompletten Bedieneinheit mit integriertem Touchscreen-Display alle benötigten Komponenten aus einer Hand geliefert bekommt. Das Rafi Qualitätsmanagementsystem erfüllt die Forderungen der Norm EN ISO 13485: 2003 + AC: 2007.

L. Seybold, Rafi/aru

Fakten

-Die im Jahr 1900 als Elektrotechnisches Institut gegründete Rafi GmbH in Berg bei Ravensburg fertigt heute elektromechanische Bauelemente wie zum Taster und Schalter, Bediensysteme und Tastaturen sowie elektronische Baugruppen und Systeme für die Mensch-Maschine-Kommunikation.

-Weltweit produzieren rund 1.900 Mitarbeiter Produkte für mehr als 30 Branchen, zum Beispiel für Ultraschall- und Röntgengeräte, Maschinensteuerungen, Straßen- und Schienenfahrzeuge, Wasch- und Spülmaschinen sowie für den Internetzugang mit dem Computer oder für die Internet-Telefonie.

Erschienen in Ausgabe: 07/2010