Gleitlager für alle

Technik Werkstoffe

Kunststoff-Gleitlager – Gleitlager aus Hochleistungspolymerwerkstoffen ersetzen immer öfter traditionelle Wälzlagerlösungen aus Stahl. Innovative Werkstoffe ermöglichen dabei Trockenlauf und Kostensenkungen in nahezu allen Branchen.

17. September 2015

Einer der erstaunlichsten Trends in der Technik der vergangenen Jahre ist der Siegeszug der Kunststoffe bei Anwendungen, die üblicherweise mit metallischen Werkstoffen realisiert wurden. Dies zeigt zum Beispiel die große Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten für schmierfreie Kunststoff-Gleitlager, die das Kölner Unternehmen Igus seit vielen Jahren kontinuierlich erweitert. So enthält allein der Katalog der Werkstoffspezialisten standardmäßig trockenlaufende Gleitlager aus 16 verschiedenen tribologisch optimierten Werkstoffen in 1.321 Standardabmessungen für ein breites Feld von Anwendungen in den verschiedensten Branchen, von der Automobil- über die Verpackungs- und Lebensmittelindustrie bis zum Chemieanlagen- und Pumpenbau. Konstrukteure finden dort für jeden Werkstoff Halbzeuge und einsatzfertige Lager in mehr als 110 DIN-geführten Abmessungen bis 50 Millimeter Durchmesser. Sie können somit ohne Einschränkung das optimale Gleitlager für ihre individuelle Anwendung bestellen. Berechnungstools auf der Internetseite des Unternehmens erleichtern die Wahl des optimalen Gleitlagers. Dazu präsentiert die Software nach der Eingabe von Umgebungsparametern und Abmessungen die geeigneten Produkte mit ihren Preisen und berechnet für jeden Werkstoff zugleich die Lebensdauer in Stunden unter den beschriebenen Belastungen.

Vielfalt ab Lager

Das Igus-Katalogprogramm umfasst zylindrische Gleitlager sowie Gleitlager mit Bund bereits ab Stückzahl1. Da die Herstellung der Maschinenelemente im Spritzgussverfahren für die verschiedenen Werkstoffe auch bei identischen Abmessungen jeweils unterschiedliche Werkzeuge erfordert, bedingt diese Vielfalt natürlich die Herstellung eines Spritzgusswerkzeugs für jede einzelne Komponente, weiß Gerhard Baus, Prokurist Gleitlager bei Igus, und erklärt: »Das Ziel für uns ist es, für jeden Einsatz das am besten geeignete iglidur-Gleitlager sofort verfügbar anbieten zu können. Wir wollen durch diese Investitionen erreichen, dass unsere Kunden ihr benötigtes Kunststoffgleitlager in jeder gewünschten Stückzahl und zum besten Preis bekommen.«

Die größte Auswahl an Standard-Gleitlagern bietet der Igus-Katalog bei dem Werkstoff iglidur G, der standardmäßig in zahlreichen Größen für Wellendurchmesser von 1 bis 150 Millimeter angeboten wird. Der vielseitig einsetzbare Werkstoff eignet sich für klassische Gleitlageranwendungen mit mittleren Gleitgeschwindigkeiten bei mittleren bis hohen Belastungen sowie bei Anwendungstemperaturen von –40 bis 130 Grad Celsius. Die hohe Verschleißfestigkeit und Unempfindlichkeit gegen Staub und Schmutz prädestiniert den Werkstoff für eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, von der Greiftechnik bei Industrierobotern über Ballenstecher in Baumschulen bis zu Photovoltaikanlagen oder Duschkabinen.

Speziell für Einsätze unter extremen Bedingungen bietet der Standardkatalog Gleitlager aus dem Werkstoff iglidur X in zahlreichen Größen. Der Werkstoff erträgt zum Beispiel extreme Betriebstemperaturen von –100 bis +250 Grad Celsius, selbst im Dauerbetrieb, oder aggressive Chemikalien wie Säuren oder organische Lösungsmittel. Lager aus iglidur X finden sich zum Beispiel in Benzinpumpen an Tankstellen anstelle der früher verwendeten PTFE-beschichteten Lager, die mitunter zu Verschmutzungen des Treibstoffs und zu Beschädigungen der Wellen führten. Ein außergewöhnliches Einsatzgebiet findet der Werkstoff auch in den Gelenken des Roboters »Porton Man«, mit dem die britische Verteidigungsindustrie die Tauglichkeit von Schutzanzügen testet, die dabei hohen Belastungen mit chemischen, biologischen oder radioaktiven Stoffen standhalten müssen.

Wartungsfrei und langlebig

Eine besonders lange Lebensdauer bei dauerbewegten Anwendungen mit niedrigen bis mittleren Belastungen bieten schmiermittel- und wartungsfreie Gleitlager aus dem PTFE-freien Hochleistungspolymer iglidur J3, die jetzt in 113 Standard-Abmessungen ab Lager verfügbar sind. Der Werkstoff eignet sich deshalb bestens für Einsätze zum Beispiel in Pedalen und Federungen von Fahrrädern, aber auch für Prüfroboter, Krankatzen und Drahtschneidemaschinen. Die hohe Schmutzbeständigkeit, die geringe Feuchtigkeitsaufnahme, niedrige Reibwerte, die gute Medienbeständigkeit sowie die Robustheit bei Kanten- und Stoßbelastungen prädestinieren den Werkstoff zudem für Anwendungen in anderen Branchen wie beispielsweise der Textilindustrie.

Neben diesen weit verbreiteten Gleitlagerwerkstoffen bietet das Vollsortiment der Kölner 13 weitere Hightech-Polymere für nahezu jede denkbare Anwendung, darunter zum Beispiel den Werkstoff iglidur Q2 für hohe Lasten oder iglidur Z für sehr hohe Temperaturen. Allein bei den FDA-geeigneten Werkstoffen für die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie sind in den vergangenen Jahren drei neue Werkstoffe hinzugekommen.bt

Erschienen in Ausgabe: 07/2015