Grenzenloses Engineering

CAD CAM

PLM – Futteranlagenhersteller Big Dutchman verwirklicht ein internationales Engineering dank der Software Keytech PLM und freut sich über einen deutlichen Performancegewinn durch den integrierten FED-Server. von Matthias Holzapfel, freier Journalist

14. April 2015

Maschinenbau ist auch in der Landwirtschaft zu finden. So konzipiert und realisiert Big Dutchman aus dem niedersächsischen Vechta-Calveslage bereits seit 1938 Fütterungsanlagen und Stalleinrichtungen für die moderne Haltung von Schweinen und Geflügel. Das Produktprogramm umfasst einfache Anlagen, computergesteuerte Fütterungseinrichtungen inklusive Klimaregelung, die Abluftreinigung und Reststoffverwertung sowie Computer-Hard- und -Software für das Management. Der Leistungsumfang reicht vom Aufbau kleiner Landwirtschaftsbetriebe bis hin zu voll integrierten Farmkomplexen – vom ersten Konzept bis zur Inbetriebnahme.

Big Dutchman hat 120.000 Artikel im Programm, 8.000 Kunden und 4.500 Lieferanten. Ein einzelner Auftrag kann aus bis zu 100 Baugruppen bestehen, diese umfassen dabei Stücklisten mit bis zu 1.200 Positionen. »Das verlangt uns höchste administrative Anstrengungen ab in Produktentwicklung, Konstruktion, Vertrieb oder Logistik«, erläutert IT-Leiter Matthias Kallage.

Speziell im CAD-Bereich setzt Big Dutchman daher seit Jahren professionelle Lösungen wie Solidworks oder Autocad ein. Als Brücke zwischen Engineering- und Prozessebene vertraut das Unternehmen auf die PLM-Lösung Keytech PLM der Keytech Software GmbH aus Recklinghausen. Zunächst diente das Programm am deutschen Stammsitz in der Konstruktion als reine Zeichnungsverwaltung, im Zuge des weltweiten Unternehmenswachstums und den gestiegenen Anforderungen an das Datenmanagement entwickelte sich Keytech PLM immer mehr zum integrierten IT-Herzstück des internationalen Engineerings.

Konstrukteure in Fernost einbinden

Mittlerweile beschäftigt der Anlagenbauer immer mehr Konstrukteure in Asien und hier speziell in China und Malaysia. Außerdem wird das Engineering ständig erweitert. »All das stellte eine große Herausforderung für unsere unternehmensweite IT dar«, erzählt Dr. Stephan Große Austing, CAD-Verantwortlicher bei Big Dutchman. Der Austausch von Engineering-Daten in einem global agierenden Unternehmen mit weltweit verteilten Konstruktionsstandorten umfasst vielfältige produktdefinierende Informationen aus zahlreichen IT-Systemen wie CAD, CAM, CAE, PDM/PLM oder ERP/PPS. »Zum einen galt es, projektrelevante Dokumente, Daten oder Workflow-Stände einfach, effizient und sicher zu bearbeiten, dokumentieren, aktualisieren oder archivieren. Zum anderen war unser Anspruch aber, dies auf der Basis eines globalen Campus in Echtzeit tun zu können, sozusagen als säßen unsere asiatischen Konstrukteure im Büro nebenan.«

Bei Big Dutchman werden die asiatischen Standorte nicht als verlängerte Werkbank oder outgesourcte Dienstleister genutzt, die Konstrukteure am deutschen Stammsitz in Vechta arbeiten mit den asiatischen Konstrukteuren gleichberechtigt zusammen. »Allerdings war gerade hinsichtlich Effektivität und Effizienz der globalen Engineering-Teams bisher nicht viel mehr als eine durchschnittlich leistungsfähige Zusammenarbeit möglich«, gibt Matthias Kallage zu bedenken. »Fehleranfällige redundante Datenpflege, großer Zeitverlust und hoher Kostenaufwand sowie geringe technische Möglichkeiten aufgrund schwacher Leitungen machten uns zu schaffen.« Die Mitarbeiter konnten also nicht performant genug an gemeinsamen Projekten arbeiten, von einem internationalen Engineering konnte nicht die Rede sein.

Gemeinsam mit den Keytech-Spezialisten wurde daher das sogenannte Federation-Konzept in der vorhandenen PLM-Lösung zielorientiert weiterentwickelt. »Schließlich liegt in einem permanenten Abgleich der Datenbanken die Basis für einen flexiblen, effizienten und transparenten Engineering-Datenaustausch«, fasst der IT-Leiter zusammen. »Der damit verbundene Performancegewinn ist wiederum die Grundlage für einen optimierten Auftragsdurchlauf und damit kürzere Lieferzeiten, was einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellt.«

Grundlagen für ein konstruktives globales Arbeiten bilden Synchronisation, Zugriffsgeschwindigkeit sowie Datenhoheit. Wegen der gegebenen Datenbankstruktur und des Datenabgleichs über Nacht war eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen den Engineering-Standorten nicht möglich.

Mit dem FED-Server übernimmt Keytech PLM heute die Synchronisation der drei parallel arbeitenden Datenbanken: Projektrelevante Daten wie Stücklisten, 3D-Modelle oder 2D-Zeichnungen und Dokumente wie PDF, TIFF, Microsoft Office oder E-Mail-Nachrichten werden permanent abgeglichen, über MPLS-Leitungen repliziert und sind damit in wenigen Minuten an allen Standorten in der aktuellen Version zu sehen. Außerdem bietet das Federation-Konzept auch eine bessere Datensicherung sowie einen schnelleren Lesezugriff beziehungsweise kürzere Antwortzeiten. Eine Selektion der Daten ist schon im FED-Server möglich, um Zugriffsrechte zu berücksichtigen oder festzulegen, welche Daten repliziert werden sollen.

»Aktuell konnten wir mit Hilfe des FED-Servers einen deutlichen Performancegewinn bei den globalen Engineering-Teams erzielen«, bilanziert Dr. Stephan Große Austing. »Durch die tiefe Integration von PLM und CAD sowie die Anbindung an das ERP-System in Keytech PLM wird die gesamte Prozesskette unterstützt und alle Abläufe durchgängig zusammengeführt.«

Durch die unternehmens- und standortübergreifende Abbildung von Prozessketten wollen die Verantwortlichen von Big Dutchman International auch künftig die Produktivität erhöhen und Prozesse optimieren, etwa durch die detaillierte ERP-Anbindung an die Engineering-Prozesse.

Matthias Kallage ist vom Partner Keytech überzeugt: »Das Unternehmen bietet modernste Technologien, kompetente Projektarbeit, viel Know-how und die Fähigkeit zum Dialog. Dort wird nicht nur Software verkauft, sondern Ideen entwickelt.« mk

Erschienen in Ausgabe: 03/2015