Grüne Inseln der Technik

SCHALTSCHRANK – Zahlreiche Projekte eröffnen neue Wege zu mehr Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz in der Schaltschranktechnik.

20. Juni 2008

Ein Beispiel für den möglichen Einsatz nachwachsender Rohstoffe bietet die Konzeptstudie BioRack, die der Herborner Schaltschrank- und Gehäusespezialist Rittal auf der Plattform »Faszination Zukunft« im Rahmen der Hannover Messe präsentiert hat. Mit dem BioRack versucht Rittal, nachwachsende, umweltverträgliche und leicht abbaubare Materialien in der Racktechnologie nutzbar zu machen und damit künftig eine kostengünstige Alternative zu Racks anzubieten, die Materialien wie Stahlblech nutzen. Als mögliche Materialien diskutiert werden Werkstoffe wie Biopolymere, die aus Proteinen, Ölen und Stärken gewonnen werden, oder natürliche Füllstoffe wie Holzfaser, Flachs, Hanf oder Sisal. Das BioRack ist eine der »Green- Island«-Studien von Rittal mit dem Ziel der Nachhaltigkeit, der Einbettung in die Natur sowie der Schonung von Mensch und Umwelt. Zu diesen Konzepten zählt auch eine bionische Schockpalette für den hochwirksamen Schutz von Schaltschränken mit hochsensibler Elektronik beim Transport. Zur Dämpfung der Paletten werden dabei künstliche Stacheln eingesetzt, die helfen, Stöße effektiv abzumildern.

DIE NATUR ALS VORBILD

Bei der Strukturoptimierung der Palette ließen sich die Bioniker vom Beispiel der Natur leiten: So schützen sich Igel und Stachelschweine mit ihren Stacheln vor Sturzverletzungen. Auch die bionische Palette nutzt nachwachsende Rohstoffe wie etwa Hanf, Flachs oder Leinen. Die aus einem Faserverbundstoff mit geschäumter Matrix und optimiert ausgerichteten Verstärkungsfasern gefertigte Palette ist damit bei vergleichbaren Kosten umweltschonender und entsorgungsfreundlicher als herkömmliche Palettensysteme, die meist aus einer Kombination unterschiedlichster Materialien wie Metall, Holz oder Kunststoff bestehen und sich nicht gut zum Recycling eignen.

KOMBINIERTE KOMPETENZ

Die bionische Schockpalette ist eine gemeinsame Entwicklung von Rittal, des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf und der Universität Freiburg. Daneben kooperiert Rittal auch mit dem 2001 gegründeten Bionik-Kompetenz- Netzwerk »Biokon«, das sich unter anderem die Bündelung der wichtigsten Arbeitsgruppen im Bereich Bionik auf die Fahnen geschrieben hat.

EINGEBAUTER ÖKOSTROM

Umweltfreundlichkeit, Sicherheit und Effizienz verspricht auch Rittals Brennstoffzellentechnologie RiCell zur Stromversorgung, die kurz vor der Serienfertigung steht. Das System nutzt die elektrochemische Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff an zwei durch einen Elektrolyten getrennten Elektroden zur Erzeugung von elektrischer Energie. Im Vergleich zur klassischen USV bietet die Brennstoffzellentechnologie einige Vorteile wie lange Autonomiezeiten, hohe Autarkie, einen flexiblen Aufbau sowie geringe Wartungs- und Servicekosten. Dazu kommen die Umweltfreundlichkeit und Schadstoffarmut der Systeme, weil als Nebenprodukte lediglich Wärme und Wasser entstehen.

VIELSEITIGER EINSATZ

Das modular aufgebaute Brennstoffzellensystem RiCell ist bis 1.200 Watt skalierbar und eignet sich als autarkes Stromversorgungssystem für kritische Infrastrukturen, besonders für Outdoor- Anwendungen. Das Einsatzspektrum reicht von der Verkehrs- und Umwelttechnik, der Telekommunikation und IT-Rechenzentren über Umspannwerke bis zum Bergbau. Zudem lässt sich die Rittal-Lösung effektiv mit regenerativen Energiequellen wie Photovoltaik oder Windkraft kombinieren. Ein weiterer Schwerpunkt des Forums ist der Bereich Augmented Reality. Dies sind Verfahren, mit denen sich reale Bilder durch bildgebende Verfahren um virtuelle Informationen erweitern lassen. Mögliche Einsatzbereiche finden sich unter anderem bei Service und Wartung von Rechenzentren. Hier soll vor allem eine Alternative zu den traditionellen Datenbrillen entstehen, die von den Anwendern meist nur ungern eingesetzt werden. Eine komfortable Alternative bieten hier jetzt mobile PC-Anwendungen, die die Arbeit der Techniker durch realitätsgetreue 3D-Visualisierung direkt an der Maschine erleichtern. Die Rittal-Lösung liefert mit unterschiedlichsten Mensch-Maschine- Schnittstellen auf einen Blick visualisierte Informationen über Parameter wie den Energieverbrauch oder die Innentemperatur im Schaltschrank. Dabei signalisiert eine rote Farbgebung das Überschreiten zulässiger Höchstwerte, sodass der Anwender im Störfall sofort reagieren kann. Die Rittal-Lösung lässt sich künftig an Wireless-Monitoring- Systeme ankoppeln und schafft damit ideale Voraussetzungen für nutzenorientierte Entscheidungen. Zudem prüfen die Schaltschrankspezialisten weiteren Potenziale dieser Technologien für Fertigung, Service, Wartung und Marketing. Uwe Scharf, Rittal

Erschienen in Ausgabe: 04/2008