Gut angekommen

Feldbusse 728 Achsen steuert Powerlink in einer Folienanlage, diese Zahl sorgte für Furore. Dies zeigt deutlich, dass der Feldbus gelebt wird – es folgen immer mehr Produkte und Kooperationen.

08. Dezember 2011

Das Echtzeitprotokoll Powerlink zieht seine Kreise. Prominentestes Beispiel für die Anwendung in der Praxis ist derzeit eine 60-Meter-Anlage, auf der Betreiber Brückner Folien zieht. Die Verantwortlichen des Unternehmens aus Siegsdorf sind regelrecht begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen der schnelle Echtzeitbus bietet. Dank des Einsatzes von Modulen von B&R in Kombination mit Powerlink konnte Brückner nämlich proprietäre Produkte durch kostengünstigere Standardlösungen ersetzen, deren Weiterentwicklung von allen Anwendern gefordert und finanziert wird.

Rasend schnell synchronisiert

Powerlink synchronisiert bei Brückner hunderte Netzwerkknoten mit insgesamt 728 Achsen – und das präzise und bei einem hohen Datendurchsatz. Die Zykluszeit beträgt nur noch 400 Mikrosekunden, dadurch konnte Brückner viel Software aus den Antrieben in eine zentrale Antriebssteuerung verlagern. Dies vereinfache Wartung und Pflege der Software spürbar, so das Unternehmen.

»Konstrukteure können ihre Vorstellungen mit Powerlink sehr schnell in die Praxis umsetzen«, sagt Stefan Schönegger, Geschäftsführer der EPSG, der Ethernet Powerlink Standardization Group, in der die Nutzer des Feldbusses verlinkt sind.

Powerlink bringe ein hohes Maß an Flexibilität, zum Beispiel durch Features wie Topologiefreiheit.

Powerlink ist zudem von Anfang an auf sehr hohe Datenraten ausgerichtet gewesen. So konnten sich die Macher des Feldbusses von anderen Feldbussen absetzen. Schönegger: »Andere Gründe für die Schnelligkeit von Powerlink sind die enorme Bandbreite durch das Ethernet und weil Produkte direkt miteinander kommunizieren können.«

Um Powerlink in vielen, vor allem anspruchsvollen Applikationen in der Praxis zu verankern, gibt es von B&R jetzt zudem einen Bus Controller, der hohe Freiheitsgrade in der Parametrierung ermöglicht. Er ist ausgestattet mit zwölf digitalen Kanälen, die sich wahlweise als Ein- oder Ausgang konfigurieren lassen. Ein Eingang kann als Zähleingang für einen Ereigniszähler fungieren. Alle Anschlüsse sind für M12 Standardstecker ausgeführt. Durch den dezentralen Backplane nimmt der Powerlink Bus Controller beliebig viele zusätzliche B&R-Module auf, die dann über weite Distanzen erreichbar sind.

Die Einsatzfelder von Powerlink gehen quer durch den Maschinenbau, die Fabrikautomation und auch die Prozesstechnik. »Powerlink ist im Einsatz und ich sehe eigentlich keinen Grund mehr, Power-link nicht einzusetzen. Auch in kleinen Maschinen besteht kein Kostennachteil mehr«, bekräftigt der Geschäftsführer.

Eine Reihe an Produkten

Und genau darum gibt es immer mehr Komponenten, die Powerlink als Feldbus »inside« haben.

Sehr schnell geht es vor allem in der Bildverarbeitung zu. Darum stattet Marktriese Cognex seine Vision-Systeme der Produktfamilie In-Sight durchgehend mit Powerlink aus. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit von Cognex und B&R ist laut B&R-Geschäftsführer Hans Wimmer eine durchgängige Lösung aus Visualisierung, Steuerung und Antrieb.

So ließen sich Produkte schnell und präzise direkt in der Linie kontrollieren. Anwender können das Cognex-BV-System zum Prüfen, Identifizieren und Führen von Teilen sofort in Betrieb nehmen, der Verkabelungsaufwand ist sehr gering. Zudem könnten Maschinenbauer ihre Kosten reduzieren und Fehler besser erkennen – dank der umfangreichen Diagnosefunktionen von Powerlink. Das verlängert die Maschinenlaufzeit.

In die X20 I/O-Module mit Powerlink von B&R ist jetzt auch der IO-Link Standard integriert. Auf diese Weise ergibt sich eine intelligente Anbindung von Sensor und Aktor. IO-Link endet aber nicht am I/O-Modul. Um die Vorteile durchgängig nutzen zu können, ist es notwendig, sie in das übergeordnete Bussystem einzubetten. Powerlink ermöglicht hierbei den Zugang über Gerätebeschreibungsdateien im XML-Format.

Beim Sensorspezialisten Pepperl + Fuchs eröffnet diese Verbindung von IO-Link und Powerlink neue Möglichkeiten. Das Unternehmen setzt die Schnittstellen vor allem im mittleren Leistungsspektrum ein, wie etwa bei optischen Sensoren oder Ultraschallsensoren. Auch eine ganze Reihe von Absolutwertdrehgebern des Mannheimer Anbieters ist jetzt Powerlink-fähig.

So erhält der Anwender eine Fülle von Informationen über seine Prozesse. Es stehen Messwerte, Parametrierdaten, Serviceinformationen oder auch ein digitales Schaltsignal zur Verfügung. Die Steuerung kann so auf alle internen Parameter zugreifen. Es ist möglich, ganze Parametersätze aus dem Gerät auszulesen und in der Steuerung abzulegen und Parameter in Sensorgruppen zu kopieren. Automatisierungslinien sind innerhalb von Sekunden auf neue Produkte angepasst.

Neuen Partner gewonnen

Außer Produkten sind auch Kooperationen nützlich und wertvoll. Ganz frisch ist die mit Anybus von HMS Industrial Networks. Besonders für Hochleistungsmaschinen sieht das Unternehmen wachsenden Bedarf für eine Netzwerktechnologie, die hohe Zuverlässigkeit mit schnellem Datentransfer verbindet. Deshalb und wegen der schnell wachsenden Verbreitung integriert HMS Powerlink in Anybus-Module.

»Durch die Kooperation mit Anybus vergrößern das wir das Powerlink-Portfolio um 900 weitere ausgezeichnete Hardwareprodukte aus der Automatisierung und machen sie so zur einfachen Integration in Systeme mit unserem schnellen Ethernet-Feldbus verfügbar«, freut sich Stefan Schönegger.

An all diesen Beispielen wird deutlich, wie nachhaltig Powerlink in der Industriepraxis angekommen ist und dabei ist, Marktanteile unter den Feldbussen zu gewinnen. Das Ziel ist laut Stefan Schönegger, einen Platz unter den großen vier in der Welt der Kommunikation langfristig zu behaupten.

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2011