Gut gekühlt in Zone 2

Sicherheitstechnik

Explosionsschutz – Rittal bietet für explosionsgefährdete Anwendungsbereiche in der öl- und gasfördernden Industrie neue Ex-Überdruckschränke mit integrierten Schaltschrank-Kühlgeräten.

06. Juli 2009

Anlagen zur Förderung von Erdöl und Erdgas stellen besondere Anforderungen an den Explosionsschutz. Wenn dann wegen der hohen Verlustleistung oder hoher Umgebungstemperaturen eine Klimatisierung notwendig ist, gilt es einige Punkte zu beachten. Für eine Anlage zur Videoüberwachung in Öl- und Gasförderanlagen in Algerien hat Rittal deshalb Schaltschränke mit integriertem Kühlgerät entwickelt. Dazu setzte das Herborner Unternehmen spezielle Systemschränke aus dem TS 8-Programm ein, in dem auch Betriebsmittel installiert werden können, die keinen Explosionsschutz erfüllen. Trotzdem kann das Sys-tem in Ex-Bereichen eingesetzt werden. Ein installiertes Überdrucksystem gewährleistet, dass das Gesamtsystem nach den Normen DIN EN 60079-0 und DIN EN 60079-2 für den Ex-Bereich geeignet ist. Wegen des ständigen Überdrucks von 1,5 mbar bis 2 mbar kann während des Betriebs nur Inertgas aus dem Schrank entweichen, aber auf keinen Fall explosives Gas von außen in den Schrank gelangen. Daneben wird sichergestellt, dass die Leckrate einen bestimmten Wert, beim TS 8-Schrank 10 Liter pro Minute, nicht übersteigt. Weil sich bei der Inbetriebnahme keine explosiven Gase innerhalb des Schrankes befinden dürfen, wird er zunächst mit einem Überdruck von 20 mbar gespült. Während des Betriebs überwacht dann das Überdrucksystem den ausreichenden Überdruck im Schrank und schaltet die Komponenten spannungsfrei, falls die Druckversorgung ausfallen sollte oder die Tür geöffnet wird. Sämtliche Komponenten des Überdrucksystems sind übrigens in einer Seitenwand des TS 8-Schranks integriert.

Kühlung mit Ex-Schutz

Die Klimatisierung muss so erfolgen, dass das Überdrucksystem, das den Ex-Schutz gewährleistet, weiterhin funktionstüchtig bleibt. Außerdem muss auch das Klimagerät die Vorgaben des Explosionsschutzes erfüllen. Zum Einsatz kommt ein Klimagerät mit einer Kühlleistung von 3,3 Kilowatt, das in einem separaten Schrank neben dem eigentlichen Schaltschrank für die Betriebsmittel untergebracht ist. Die Herausforderung besteht darin, den äußeren Luftkreislauf mit allen seinen Komponenten des Kältekreislaufs so anzuordnen, dass die effektive Kälteleistung zwar erbracht, aber dennoch der Ex-Schutz erfüllt wird. Zunächst muss durch eine Verbindung der beiden Schränke sichergestellt werden, dass das Überdrucksystem auch den Schrank mit dem Klimagerät wirkungsvoll versorgt. Dazu sind zwischen den beiden Schränken an der speziellen Trennwand zahlreiche Durchbrüche angebracht, die für einen einfachen Gas- und Temperaturaustausch sorgen. Da die Leckrate des Schranks nicht über den vorgegebenen Grenzwert ansteigen darf, muss auch der Schrank mit dem Klimagerät abgedichtet sein. So wird zum Beispiel der Verdampfer gasdicht mit der Außenwand verschraubt. Vor der Lieferung nach Algerien montierte Rittal die Schränke komplett, baute sie aus, testete die einwandfreie Funktion des Ex-Schutz-Systems und zertifizierte es. In Algerien musste das System dann nur noch angeschlossen werden. Der Vorteil für den Kunden: deutlich weniger Kosten.

Reimund Hering, Michael Maage, Rittal/aru

+ Rittal, der führende Systemanbieter für Schaltschranktechnik, System-Klimatisierung sowie IT-Lösungen, beschäftigt weltweit über 10.200 Mitarbeiter.

+ Das Leistungsspektrum umfasst Schaltschrank-Systeme, Elektronik-Aufbau-Systeme, System-Klimatisierung, Stromverteilung, IT-Lösungen, Kommunikationssysteme und einen weltweiten Service.

Fakten

Erschienen in Ausgabe: 04/2009