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Themen Maschinenelemente

Linearsysteme - Die Zuführung von Blechen in Abkantpressen erfordert leistungsstarke Linearsysteme. Ein niederländischer Maschinenbauer verlässt sich dabei auf das Entwicklungs-Know-how seines Lieferanten.

15. Juni 2010

Das Maschinenbauunternehmen Darley B.V. in Eijsden im südlichsten Zipfel der Niederlande gilt als einer der Pioniere für Technologien zur industriellen Blechbearbeitung. Das Produktspektrum umfasst mehr als 80 Maschinentypen, von Tafelscheren und Abkantpressen über Stanz- und Schneidanlagen bis hin zu Biegeautomaten in konventioneller wie auch CNC-gesteuerter Ausführung. Dazu kommen kundenspezifische Lösungen.

Die Innovationsfähigkeit des Unternehmens zeigt sich an einer Vielzahl patentierter Entwicklungen, wie beispielsweise das Winkelmesssystem ACS, das Bombiersystem ADS, die automatische Werkzeugklemmung oder das Revolverkopf-Werkzeugwechselsystem. Mit dem ACS-Winkelmesssystem ist es möglich, den Produktwinkel beim Biegen laufend zu messen, sodass sich Abweichungen infolge unterschiedlicher Materialqualitäten und Blechstärken, Walzrichtung und Zugfestigkeit automatisch korrigieren lassen. Dabei wird der Winkel bei jedem Biegevorgang vor und hinter der Biegelinie gemessen, um die optimale Messgenauigkeit zu erzielen. Beim Rücklauf des Stempels wird die Rückfederung erfasst und beim zweiten Pressengang automatisch korrigiert. Der robuste Winkelmesssensor ist in den Oberstempel eingebaut und ist damit gegenüber Verschmutzung geschützt. Das ADS-System stellt je nach berechneter Presskraft die Bombierung mit einer Genauigkeit von bis zu 0,01 Millimeter ein und kompensiert damit die Durchbiegung des Pressenbalkens und des Tisches.

Kompetente partner

Seine anerkannt hohe Flexibilität und Produktqualität erreicht das Unternehmen unter anderem durch eine große Fertigungstiefe. Auf die Kompetenz seiner Lieferanten verlassen sich die Holländer deshalb nur bei wenigen Komponenten und Baugruppen. Gefragt sind hier daher Partner auf Augenhöhe, die neben einer hohen Produktqualität der gelieferten Komponenten und kurzen Reaktions- und Lieferzeiten auch eine langjährige Anwendungserfahrung und Entwicklungskompetenz weit über Standards hinaus bieten können. So entwickelte das niederländische Unternehmen beispielsweise für seine Abkantpresse EHP130 ein kundenspezifisches Fördermodul für die Zuführung der Bleche in die Berarbeitungsmaschine gemeinsam mit dem Wälzlager- und Lineartechnikspezialisten Rodriguez aus Eschweiler.

Bei dieser Maschine für Abkantlängen von 1.550 bis 8.200 Millimeter und Druckleistungen von 50 bis 1.000 Tonnen sind für ein optimales Blechhandling standardmäßig zwei Auflagekonsolen mit Maßstab und T-Nuten auf Linearführungen integriert. Ein umfassendes Sortiment an Hinteranschlägen mit bis zu sechs CNC-gesteuerten Achsen ermöglicht eine nahezu beliebige Produktion. Wirklich nutzen lässt sich die Effizienz der Maschine jedoch erst, wenn die Maschinenperipherie mit der automatischen Blechzuführung entsprechend abgestimmt ist.

Exakte Positionierung

Die Holländer realisierten das Fördermodul deshalb mit Rodriguez-Linearsystemen der Serie Powerline WM80 mit einem gerollten Kugelgewindetrieb und Kugelumlaufeinheiten, wie sie häufig in Fräs- und Blechstanzmaschinen, aber auch bei Wasserstrahl- und Laserschneidmaschinen zum Einsatz kommen. Dabei ist der Verschieber, der die Blechplatten über Kugelrollen der Abkantpresse zuführt bzw. das fertige Blechteil zurückzieht, auf WM-Systemen mit einem 80x80-Millimeter-Aluminiumgehäuse montiert. Die Präzisionskugelgewindetriebe garantieren eine exakte Positionierung. Der patentierte Aufbau der Kugelgewindemutter gewährleistet dabei eine ruckfreie Bewegung bei hoher Stoßfestigkeit und langer Lebensdauer. Die ebenfalls patentierte Spindelunterstützung ermöglicht die Bearbeitung mit einer Geschwindigkeit bis 2,5 Meter pro Sekunde. An den Darley-Applikationen betragen die Verfahrwege meist drei bis fünf Meter, die maximale Hublänge liegt bei elf Metern.

Alle Führungstypen der WM-Reihe sind standardmäßig mit einem zentralen Schmiersystem ausgestattet, das die Funktionalität auch unter rauen Umgebungsbedingungen sicherstellt. Die Abdeckung der Systeme gewährleistet zusätzlich den Schutz vor dem Eindringen von Staub, Schmutz und sogar Wasser. Verschiedene Korrosionsschutz-Optionen ermöglichen den Betrieb auch in extremeren Umgebungen. Zudem lassen sich die Linearsysteme optional mit Rückmeldung durch Impulsgeber sowie induktive oder mechanische Sensoren und Schalter realisieren. Alle Typen sind mit gängigen Motoren und zahlreichen Getriebeausführungen kompatibel.

Linearsysteme von Rodriguez kommen in den verschiedensten Anwendungsbereichen zum Einsatz, etwa in der Gebäudetechnik bei Schiebetüren, Schiebefenstern, Lüftungsklappen oder Oberlichtern, in Handhabungssystemen von Lager- oder Bestückungstechnik, oder im Maschinenbau für Zustell- und Vorschubbewegungen. Je nach Aufgabe sind dabei sehr unterschiedliche Komponenten – oft in kundenspezifischer Ausführung – erforderlich.

»Die Auswahl eines Produkts, das die spezifischen Applikationsanforderungen in idealer Weise erfüllt, erfordert fundierte Fachkenntnis«, weiß deshalb auch Jan Ploumen, Konstruktionsleiter bei Darley, aus seiner langjährigen Berufspraxis, und ergänzt: »Die Auslegung und Berechnung des Linearsystems, welche Spindel geeignet ist, deren Steigung für die unterschiedlichen Zuführlängen – das alles kann uns im Tagesgeschäft viel Zeit rauben, denn unsere Kernkompetenz ist ja das große Ganze: die Gesamtkonstruktion.«

Schließlich erwarteten die Kunden in der Regel schnell ein Angebot – da könne man an funktionskritischen, komplexen Bauteilen wie den Linearsystemen nicht lange herumrechnen, um zu einem belastbaren Ergebnis zu kommen.

bewährte Kooperation

Das wiederum ist die Kernkompetenz der Lineartechnikspezialisten von Rodriguez, mit denen die Holländer bereits mehr als zehn Jahre zusammenarbeiten. Neben dem Zeitgewinn profitieren die Kunden der Maschinenbauer von der Auslegung der Linearsysteme durch Rodriguez auch, weil ihnen auf diese Weise potenzielle Trial-and-Error-Prozesse wie etwa die Lebensdauerberechnung erspart bleiben.

Ein wertvolles Plus ist für Ploumen auch, dass Rodriguez sich von einem reinen Komponentenlieferanten zu einem Systemanbieter entwickelt und die eigene Fertigung zielorientiert systematisch ausgebaut hat: »Wenn ein Bauteil noch modifiziert werden muss, ist dies dank der internen Fertigung ebenfalls schnell und zu wirtschaftlichen Konditionen möglich.«

Für den Niederländer steht deshalb fest: Leistungsstarke, qualitativ hochwertige Produkte sind die eine Sache – doch die Spreu vom Weizen trennt sich erst bei Anwendungserfahrung, Beratungskompetenz und Leistungsfähigkeit im Hinblick auf Sonderlösungen.bt

Fakten

- Die Rodriguez GmbH in Eschweiler ist einer der führenden Anbieter von Dünnringlagern, Präzisionsrollenlagern, Sonderlagern und Lineartechnik für die verschiedensten Industriebereiche. Das Angebot reicht vom einzelnen Maschinenelement bis zum einbaufertigen Komplettsystem.

- Eine Stärke des Unternehmens sind individuell angepasste Gesamtlösungen. Ein umfassender Maschinenpark gewährleistet dabei eine hohe Fertigungsflexibilität und Produktqualität.

Erschienen in Ausgabe: 04/2010