»Gutes Design lohnt sich gerade in der Krise«

Interview – In der Krise denken viele Unternehmen ans Sparen. Aber auch daran, neue Produkte zu entwickeln oder ihre Produkte zu überarbeiten, um für die Zeit nach der Krise gut aufgestellt zu sein.

23. November 2009

Beides muss jedoch kein Widerspruch sein, wie der Diplom-Designer Jürgen R. Schmid, Inhaber der in Ammerbuch bei Tübingen ansässigen Ideenschmiede Design Tech (www.designtech.eu), erläutert. Seit 26 Jahren ist der 53-Jährige auf Industriegüter spezialisiert und stiftet seinen Kunden entlang der kompletten Wertschöpfungskette Nutzen. Umsatzsprünge von 30 Prozent und mehr verzeichnen Maschinen und Geräte, die Jürgen R. Schmids Handschrift tragen.

Herr Schmid, Sie behaupten, gutes Design senkt die Kosten. Wie soll das gehen?

Strategisches Design ist zumindest kostennneutral, weil es sich durch höheren Absatz, bessere Preise oder günstigere Produktionskosten selbst refinanziert. Wenn aber selbst viele Designer nicht das volle Potential sehen und ausschöpfen, das unsere Disziplin verantwortet, darf man sich nicht wundern, wenn viele Unternehmer unter Design nur Aufhübschen verstehen. Denn potentielle Kunden sagen: Wir müssen Kosten senken, Design macht das Produkt aber teurer – und ist verzichtbar.

Und was sagen Sie?

Das Gegenteil ist der Fall. Der richtige Designer macht das Produkt besser. Er moderiert den kompletten Wertschöpfungs- und Entstehungsprozess von der Idee über den Prototyp bis zum Vertrieb und zum ergonomischen Handling beim Anwender. Design ist die strategische Querschnittskompetenz das Ganze zu sehen und in seiner Komplexität in realisierbare Einzelschritte zu zerlegen, die in jedem Glied der Kette eine 100-prozentige Lösung darstellen und in der Komposition beherrschbar bleiben.

Können Sie Ihre schönen Worte durch Taten belegen?

Mein 26-jähriger Berufsweg ist gepflastert mit Referenzbeispielen. Die Sorin Group Deutschland GmbH beispielsweise steigerte ihren Weltmarktanteil bei Herz-Lungen-Maschinen in den neun Jahren, die sie nun mit Design Tech kooperiert, von 25 auf 60 Prozent. Der Grund: Wir haben die komplexen Bedienelemente optimal angeordnet und einen unverwechselbaren Widererkennungswert geschaffen, der die Spitzenstellung des Herstellers visualisiert.

Und das ist kein Einzelfall?

Bei Homag, Weltmarktführer für Holzbearbeitungsmaschinen und einer unserer langjährigsten Kunden, haben wir im Rahmen des Corporate Design bei der Maschinenverkleidung von drei auf zwei Farben gewechselt, um ein souveräneres Image zu transportieren. Der Nebeneffekt: Die Firma spart durch reduzierten Aufwand im Lackierbereich Millionen Euro.

Erzählen Sie gerne mehr!

Die Robert Bürkle GmbH, Weltmarktführer im Parkettanlagenbau, ist vor drei Jahren auf ein völlig neues Geschäftsfeld getreten. Denn die Kerntechnologie der Laminiermaschinen eignet sich auch ideal für die Produktion von Solarmodulen. Die Aufgabe hier war, via Design in einen völlig neuen Markt einzudringen, der bereits besetzt war. Wir haben die Maschine gelb gestaltet, was für Innovation steht und die Sonne assoziiert, haben sie auf den Kunstnamen Ypsator getauft und die Markteinführung massiv mit Pressearbeit über die Designinnovation flankiert. Die Folge: Der Mehretagen-Laminator war weltweit in der Branche beherrschendes Thema und der Ypsator ist bereits Marktführer in diesem Segment. Unser Design und Know-how hat dem Mittelständler Millionen Euro an Werbeaufwand gespart und ihn binnen Monaten in die Köpfe der relevanten Entscheider gebracht.

Wie schaffen Sie es, für jeden Kunden den richtigen Hebel zu finden und diesen dann auch bedienen zu können?

Weil wir Design als moderierende Schlüsseltechnologie begreifen, arbeiten wir von der Blechverarbeitung über die Materialsubstitution und –recherche bis hin zur farbpsychologischen Anordnung von Bedienelementen mit Spezialisten und Trendforschern zusammen. Um der Konkurrenz ihrer Kunden immer mindestens einen Schritt voraus zu sein, bin ich viel unterwegs und sauge Informationen und Ideen auf wie einen Schwamm. Weil ich das seit Jahrzehnten mache, bin ich dafür in entsprechenden Kreisen auch bekannt, sodass mir manche Innovation auch zugetragen wird nach dem Motto: Kannst Du das brauchen?

Thema Kosten: Kann man sich Sie überhaupt leisten?

Die Zusammenarbeit mit uns ist für beide Seiten anstrengend und braucht die besten Mitarbeiter. Ich habe ja dargelegt, dass wir einen oft vielfachen Mehrwert schaffen. Wir arbeiten fast ausschließlich für Markt- und Technologieführer aus Industrie und Medizintechnik – und solche, die es werden wollen. Die Stringenz unserer Arbeitsweise liefert vielen Unternehmern auch insofern einen Mehrwert, dass sie in der Kooperation mit uns exemplarisch eine Kultur erleben, in der man offen und ehrlich, aber auch konsequent und fehlerfrei miteinander umgeht.

Die jüngste Innovation in ihrem zwölfköpfigen Büro?

Um uns vollends bundesweit unvergleichbar zu machen, praktizieren wir seit zwei Jahren eine Alternative zum fixen Design-Honorar. Abhängig von Stückzahl und Produktionskosten beteiligt uns der Kunde erfolgsabhängig am Verkaufserlös. Der Vorteil: Der Kunde schont seine Liquidität und holt den Designer mit ins Risiko. Damit bleibt die Gestaltung ein dynamischer, ganzheitlicher Prozess, weil wir dauerhaft unsere Ideen bis hin zur Vermarktung einbringen.