Härtetest unter Tage

Industrieelektronik

Steckvorrichtungen – Wie gut Bauteile wirklich sind, zeigt sich erst, wenn es in die Vollen geht. So können Steckvorrichtungen im Salzbergwerk beweisen, was sie können. Der Grubenbetreiber ist auf jeden Fall sehr zufrieden.

13. November 2012

Glück und Salz – Gott erhalt’s. Zugegeben, der Sinnspruch ist leicht verfremdet, aber in dieser Form passt er hervorragend in ein Salzbergwerk. Sehr intensiv gelebt wird er zum Beispiel in Zielitz, nördlich von Magdeburg. Hier betreibt die Kali+Salz-Gruppe (K+S) mit Hauptsitz in Kassel eine riesige Anlage zum Abbau und zur Förderung von Kalisalz, die sich unsichtbar bis zu 20 Kilometer weit unter der Erde erstreckt und weithin sichtbar durch mehrere weiß glänzende Halden nicht zu verfehlen ist. Es ist fast unvorstellbar, was die Bergleute dort dem Untergrund entreißen: Im Durchschnitt fördert K+S in Zielitz mit 1.800 Mitarbeitern 40.000 Tonnen kalisalzhaltiges Gestein – täglich!

Dieses dient aber ausschließlich zu Düngerzwecken, es ist also nicht ratsam, unter Tage an den Stößen zu lecken. So nennt der Bergmann übrigens die Wände der Stollen, überhaupt gibt es einen bestimmten »Slang«, den Bergleute gerne verwenden: Die Decke heißt zum Beispiel Firste und der Boden Sohle, die Luft nennt man »die Wetter«, die im schlimmsten Fall auch »schlagend« sein können, wenn sie sich entzünden. Auch der Gruß, den man in Zielitz hunderte Male am Tag hört, ist nicht »Guten Tag«, sondern »Glück auf«, was wiederum bestens zum eingangs erwähnten Sinnspruch passt.

Eine besondere Welt

Für den Besucher stellt sich schon dadurch sofort ein besonderes Gefühl ein. Das verstärkt sich spürbar, wenn die weiße Bergmannskleidung angelegt ist, die Sicherheitsunterweisung absolviert und der persönliche Retter ausgehändigt. Dieses Gerät spendet im Notfall über längere Zeit künstliche Atemluft. Dann geht es endlich in den Aufzug und mit acht Metern pro Sekunde 700 Meter in die Tiefe.

Man landet in einer ganz speziellen Welt: Zunächst wandert der Besucher durch unzählige Stollen mit Werkstätten und Instandhaltung und klimatisierten Büros unter der Erde. Hier arbeiten viele aus der Mannschaft von Andreas Kasten, Leiter E-Betrieb unter Tage im Werk Zielitz. »Da es hier sehr rau zugeht, müssen wir viel reparieren und austauschen, die eingesetzten Komponenten sind hohen Belastungen ausgesetzt.« Das gilt vor allem für die elektrischen Gerätschaften. »Bei 100 Fahrzeugen und 330 Verteilungen benötigen wir eine Menge Steckvorrichtungen, die sehr häufig getätigt werden. Trotzdem darf nichts kaputtgehen und darum setzen wir auf die Produkte von ISV Marechal und zwar für Spannungen bis zu einem Kilovolt.«

Entscheidend für die Wahl des Unternehmens aus Willstätt-Sand war nach Kastens Angaben die Robustheit der Steckvorrichtungen aus Metall oder in leichter Kunststoffausführung. »Die Gussstecker davor haben durch statische Aufladung große Probleme bereitet.« Die ISV-Stecker erfüllen zudem eine der Hauptanforderungen von K+S, denn sie sind dank des so genannten Dekontaktor-Prinzips unter Last trennbar. »Früher brauchten wir dazu zusätzlich einen Lasttrenner«, weiß Kasten, »heute betätigt der Bergmann einfach den Auslösehaken und die elektrische Verbindung lässt sich spannungsfrei trennen, ohne einen Funken mitzuziehen.« Kastens Chef Walter Wahl, der für die Elektroversorgung der Grube und Schachtanlage verantwortlich ist, ergänzt: »Die Trennung muss wie bei den ISV-Geräten erkennbar und überprüfbar sein.«

Neuerdings betreibt das Unternehmen auch E-Lader mit 17-Tonnen-Schaufeln, die über eine Ein-Kilovolt-Leitung mit bis zu 280 Metern Länge betrieben werden. Walter Wahl: »Die E-Lader arbeiten sehr leise und effektiv und das ist ein großer Fortschritt. Es geht dort auch um die Emissionen unter Tage. »Wir betreiben ein Bergwerksfeld vergleichbar mit der Stadt Magdeburg. Wenn wir da langfristig nur Dieselfahrzeuge verwenden, geht uns irgendwann die Atemluft aus. Darum planen wir, den Anteil an Elektrofahrzeugen zu vergrößern, um die Frischluft nicht so zu belasten.«

Das deutet auf einen idealen Einsatzort der Marechal-Steckverbindungen hin und in der Tat sind an den Ladern die blauen Produkte zu finden. Andreas Kasten ergänzt: »Jetzt wo die Grube in alle Himmelsrichtungen expandiert, sind wir froh und dankbar über die neue Technik von ISV, die reibungslos und sicher funktioniert. Es gibt keine Probleme mit deren Produkten. Falls doch, wird das durch eine sehr gute Unterstützung unseres Partners schnell gelöst. Durch die eindeutige Materialnummer ist zudem die Sicherheit jeder Vorrichtung jederzeit gewährleistet.«

Bei Kali+Salz in der Grube Zielitz sind vor allem Dekontaktoren der Modellreihen DS1 und DS3 von ISV Marechal im Einsatz, für die Bohrwagenanschlüsse eignet sich am besten das Modell DS6 und für Elektrolader mit 1.000 Volt die Serie DS2.

Wie hart es zugeht beim Fördern von Kalisalz erfährt der Besucher am unmittelbarsten, wenn er direkt am Abbauort steht. Zunächst gilt es aber, in abenteuerlicher Fahrt mit dem Jeep mindestens 400 »Tiefenmeter« zu überwinden. Es ist drückend heiß, der Schall gedämpft und die Luft flirrt von winzig kleinen Salzpartikeln.

In dieser Atmosphäre bohrt ein Mitarbeiter sieben Meter tiefe Bohrlöcher in den Stoß und ein anderer arbeitet mit einem riesigen Meißel die gesprengten oder geschnittenen Stollen nach. »Das ist die härteste Arbeit von allen«, erzählt Andreas Kasten beeindruckt und der Besucher kann das gut nachvollziehen. Überall stößt er dabei auf diverse Geräte von ISV Marechal.

»Darauf sind wir stolz«, sagt Hans-Peter Hinz, Leiter Vertrieb und Technik bei ISV. »Gerade solche Einsätze sind die beste Referenz für unsere Produkte.«

Erschienen in Ausgabe: 08/2012