Handy für die Steuerung

Frequenzumrichter - Für die neue Baureihe der AC-Frequenzumrichterin der Leistungsklasse von 0,75 kW bis 355 kW hat ABB eine Steuer­tafel entwickelt, die in der Handhabung so einfach ist wie mobiles Telefonieren. Die Steuertafel ähnelt einem Handy und erleichtert den Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

22. Juni 2005

Jedes technische Gerät ist nur so gut wie seine Bedienbarkeit: Wenn etwa die Inbetriebnahme nur mithilfe dicker Handbücher möglich ist und zudem sehr lange dauert, sind Bedienungsfehler meist vorprogrammiert - zudem bleiben viele Funktionen oft ungenutzt. Was für jedes elektronische Haushaltsgerät gilt, betrifft natürlich auch industrielle Anwendungen, wo eineFehlfunktion jedoch in der Regel gravierendere Folgen zeitigt als beispielsweise bei der Programmierung eines Videorekorders. Für die neue Frequenzumrichter-Baureihe ACS550 hat ABB deshalb eine einfach programmierbare Steuertafel entwickelt, die Inbetriebnahme, Einrichtung und Fehlerdiagnose der Frequenzumrichter beschleunigt und stark vereinfacht. Dass den Konstrukteuren von Maschinen und Anlagen dadurch einiges schneller und leichter von der Hand geht, davon ist man bei ABB überzeugt: »Für 70 Prozent der Anwender sind die einfache Handhabung und In­betriebnahme sehr wichtige Kriterien bei der Auswahl eines AC-Antriebs«, sagt Lutz Witte, der verantwortliche Produktmanager bei ABB. Durch die neue Steuertafel werde die Antriebskonfiguration erheblich erleichtert. Lutz Witte: »Die Anpassung des Antriebs an die Anforderungen des Kunden wird vereinfacht, und man weiß genau, was man konfiguriert.«

Der wesentliche Unterschied zwischen dieser und den früheren Steuertafeln sei die größere Benutzerfreundlichkeit durch Funktionstasten, integrierte Assistenten und ein großes grafisches Display, erklärt der Produktmanager. Die abnehmbare, mehrsprachige alphanumerische Steuertafel besitzt zwei Softkeys, deren Funktion je nach Status der Steuertafel auf dem Display angezeigt wird. Auf der bisherigen Steuertafel wurden beim Drücken der Menü-/Eingabe-Tasten die unterschiedlichen Funktionen nicht angezeigt.

Falls der Anwender einmal an einer Stelle Hilfe benötigt, bekommt er auf Tastendruck Vorschläge angezeigt. Lutz Witte: »Der ABB Standard Drive ist der erste Frequenzumrichter auf dem Markt, der mit dieser Komfort-Steuertafel ausgestattet ist.« Mit der Steuertafel können auch Parametersätze zwischen den Frequenzumrichtern von ABB kopiert werden.

Die Steuertafel besitzt Assistenten für Inbetriebnahme, Wartung und Diagnose. Der Inbetriebnahmeassistent führt den Anwender bei der Inbetriebnahme durch die wesentlichen Einstellungen, ohne dass der Anwender die Parameter einzeln aufrufen muss. Der Anwender beantwortet die angezeigten Fragen und stellt damit den entsprechenden Parameter ein. Weniger Komplexität bedeutet mehr Bedienerfreundlichkeit, ist man bei ABB überzeugt. »Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass trotz der umfangreichen Funktionalität der Steuertafeln immer nur zwei oder drei Parameter überhaupt angepasst wurden. Damit haben Anwender den Funktionsumfang bei weitem nicht genutzt«, stellt Lutz Witte fest.

Für die regelmäßige Wartung stellt die Steuertafel den sogenannten »Wartungsassistenten« zur Verfügung. Der Antrieb überwacht die Betriebsstunden oder die Motorumdrehungen. Der Anwender kann eigene Grenzwerte einstellen, so dass der Antrieb beim Erreichen eines Grenzwertes einen Alarm ausgibt. Der Kunde kann dann an dem Motor oder der Anwendung eine vorbeugende Wartung durchführen. Lutz Witte gibt ein Beispiel für den Einsatz für diese Hilfsfunktion: »Wenn beispielsweise ein Riemenantrieb regelmäßig ausgetauscht werden muss, überwacht das Programm die Zeitspanne zwischen den Wartungsinter­vallen und warnt den Anwender bevor es zum Reißen eines Riemens kommt.«

Der Diagnoseassistent sucht die wesentlichen Gründe für Störungen und wird bei Auftreten eines Fehlers aktiviert. Durch Drücken der »?«-Taste werden mögliche Fehlerursachen angezeigt.

Das Programm überwacht Spannung und Strom, den Zeitpunkt des Auftretens des Fehlers, die Drehzahl des Motors, das aktuelle Drehmoment, das Statuswort und den Status der Ein- und Ausgänge. Die Echtzeituhr ermöglicht dabei die Zeitstempelung der Fehler und die Einstellung von Parametern für eine zeitgesteuerte Aktivierung. Die Pufferbatterie hat eine Lebensdauer von 10 Jahren. Der Antrieb lässt sich so programmieren, dass die Echtzeituhr als Steuerquelle verwendet wird. Hierdurch kann auf einen externen Taktgeber verzichtet werden.Auf diese Weise kann sie zum Beispiel zu definierten Zeiten den Antrieb starten und stoppen oder die Sollwerte und Steuerrelaisausgänge zu programmierten Zeiten ändern. Das große grafische Display erlaubt es, unterschiedliche Schriftgrößen für verschiedene Zwecke einzusetzen. Darüber hinaus können Motordrehzahl und Istwerte numerisch oder mit einer Balkenanzeige angezeigt werden.

Insgesamt lässt sich die abnehmbare Steuertafel so einfach bedienen, dass sie ohne Nachschlagen im Benutzerhandbuch verwendet werden kann. Für die Steuertafelanzeige können folgende Sprachen eingestellt werden: Englisch (GB), Englisch (USA), Deutsch, Niederländisch, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Polnisch und Türkisch. Welche Entwicklungen für die neue Steuertafel Pate standen, erklärt Lutz Witte: »Fortschritte in der Steuer- und Regeltechnik haben den Weg für diese neue Komfort-Steuertafel von ABB geebnet.Hierzu gehören der integrierte Mikroprozessor, der Flash-Speicher und das hoch auflösende, grafische LCD-Display.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2004