Hartgesotten und hygienisch

Antriebstechnik

Druckluftmotoren - Die Zahl der Anwendungen, in denen Edelstahlantriebe von Vorteil sind, ist groß und wächst ständig. Wie gut, dass Deprag für jeden Fall das passende Produkt bereithält.

12. Dezember 2012

Was haben Schaschlikspieße, Lacke und Zeitungspapier gemeinsam? Bei der Produktion kommen Druckluftlamellenmotoren mit Außenteilen aus Edelstahl zum Einsatz. Sie erzeugen hohe Drehmomente auf kleinem Raum und erfüllen die strengen Hygienevorschriften in der Lebensmittelindustrie und Medizintechnik. Auch in aggressiver Umgebung und unter Wasser zeigen sich Edelstahlantriebe unverwüstlich.

Das international umfassendste Sortiment an Edelstahllamellenmotoren bietet nach eigenen Angaben Deprag aus Amberg. »Nach unserer Sicht haben wir die Technologieführerschaft im Bereich Druckluftmotoren gefestigt, das liegt auch an unserer hohen Qualität und Flexibilität«, sagt Produktmanagerin Dagmar Dübbelde.

Deprag befasst sich seit Langem mit der Konstruktion und Fertigung rotatorischer Antriebe, die mit dem Medium Druckluft arbeiten. Dübbelde: »Viele Innovationen verließen seither unser Entwicklungslabor. So konnten wir uns mit Edelstahlmotoren am Weltmarkt positionieren.«

Edelstahllamellenmotoren mit integriertem Planetengetriebe der Advanced Line zum Beispiel sind kompakt und eignen sich für den Einbau in handgeführten Maschinen und Industrieanlagen. Es gibt neun Leistungsklassen von 20 bis 1.200 Watt. Einsatzbereiche sind laut Dagmar Dübbelde die chemische Industrie, die Papierindustrie, Pharma und Medizintechnik sowie die Lebensmittelindustrie.

Die Planetengetriebe werden serienmäßig mit lebensmitteltauglichem USDA-H1-Fett versehen. Zwei Spezialringe sorgen für eine Abdichtung des Druckluftmotors an der Abtriebsspindel. Sie sind dadurch optimal für den Gebrauch in der Lebensmittelindustrie ausgerüstet und garantieren eine hohe Hygiene, wie etwa in der Fruchtsaftherstellung dringend erforderlich. Dort treiben sie Magnetrührwerke an, in denen die Säfte gemixt werden. Alle Advanced-Line-Luftmotoren lassen sich darum auch ölfrei betreiben.

Besonders hohe Hygienestandards schreibt die Medizintechnik vor. Die in chirurgischen Werkzeugen im OP eingesetzten Edelstahlantriebe müssen ständig sterilisiert werden und sind daher mit Lamellen ausgestattet. Sogar unter Wasser arbeitet der Druckluftmotor aus Edelstahl laut Deprag bis zu einer Tiefe von fünf Metern leistungsstark und zuverlässig. Wird er an der Luft gestartet und dann ins Wasser abgesenkt, sind sogar 20 Meter möglich.

Extrem hohe Drehmomente auf kleinstem Raum fordert der Einsatz von Druckluftmotoren in industriellen Rühr- und Mischwerken. Farben und Lacke beispielsweise werden aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt. Ein platzsparender Druckluftmotor mit robusten Außenteilen aus Edelstahl und viel Leistung bringt den Rührer in Schwung und gewährleistet die Fluidität der Stoffe.

Hochmomentmotoren, wie sie Deprag für solche Anwendungen entwickelt hat, liefern hohe Nenndrehmomente bei kleinen Drehzahlen. »Die abwürgefesten Hochmomentmotoren mit hochwertigem Edelstahlgehäuse bestechen durch Leistungsdichte und Kompaktheit«, ist Dagmar Dübbelde begeistert: »Der Durchmesser des einzelnen Motors aus dieser Antriebsreihe beträgt nur 63 Millimeter. Der 280 Watt starke Luftmotor leistet 410 Newtonmeter Nenndrehmoment bei sieben Umdrehungen pro Minute, der 850-Watt-Lamellenmotor schafft 400 Newtonmeter bereits bei einer Drehzahl von 20.

Im explosionsgefährdeten Bereich wird die Sicherheit der eingesetzten Maschinenkomponenten intensiv geprüft. Die integrierte Haltebremse in der Advanced Line wird dabei entweder über eine separate Druckluftzufuhr oder direkt über die Motorabluft angesteuert. Verringert sich der Druck, wird die Bremse automatisch aktiviert. Sogar mit Atex-Zertifikat ist der Bremsmotor erhältlich, zudem legt Deprag das integrierte Planetengetriebe nach Kundenwunsch aus.

Die Produktmanagerin fast zusammen: »Der Anlagenbauer kann auf ein Atex-konformes Gesamtsystem in drei Leistungsklassen mit 200, 300 und 1.200 Watt zurückgreifen. Das spart Zeit und Geld bei Konstruktion, Inbetriebnahme und Zulassung der geplanten Anlage.« Bei Druckluft seien zudem keine Explosionen durch Funkenflug zu befürchten. Durch seine Konstruktionsweise läuft der Druckluftlamellenmotor nicht heiß, sondern kühlt durch die expandierende Druckluft unter Last sogar ab.

In der Stoffaufbereitung bei der Papierherstellung werden Holz- und Zellstoff sowie Altpapierfasern in einem bestimmten Verhältnis gemischt, in Wasser gelöst und mit chemischen Füll- und Hilfsstoffen versehen. Es ist wichtig, diese aggressive Maische ständig umzurühren. Als Antriebslösung empfiehlt sich hier ein Druckluftmotor mit säurebeständigem Edelstahlgehäuse, der eigens auf die Anforderungen in der Papierindustrie abgestimmt ist.

Deprag hat dazu die Power-Line-Antriebe mit Edelstahlgehäuse aus V4A-Material im Programm. Mit Edelstahlgetrieben im Übersetzungsverhältnis 18,3 oder 32,6 und einer Edelstahladapterplatte ausgerüstet, sind sie für den Einsatz in der Papierindustrie ausgelegt. Die Abtriebsspindel aus Edelstahl widersteht auch aggressiven Chemikalien.

Druckluftmotoren der Advanced Line arbeiten auch in einer Hochtemperaturkammer bei Temperaturen von 140 Grad Celsius zuverlässig, ohne Schaden zu nehmen. Für diesen Einsatz haben sie Speziallamellen, ein besonderes Fett und Dichtungen, die der extremen Hitze standhalten. Für noch höhere Temperaturen baut der Hersteller sogar Spezialkugellager ein.

Auf Kundenwünsche eingehen

Alle Luftmotoren sind bereits standardmäßig mit verschiedenen Edelstahlplanetengetrieben kombiniert. »Wir versuchen, alle Kundenwünsche zu erfüllen«, sagt Dagmar Dübbelde. »Das können verschiedene Getriebe sein, Passfederwellen, Vierkant- oder Sechskantspindeln, Gewindespindeln, Bohrfutterkegel oder Spannzangenlösungen. Auch bei der Motorbefestigung können wir individuelle Fuß- und Flanschanbindungen realisieren.«

Wo immer das Problem liegt, die Ingenieure von Deprag nehmen sich für die Beratung viel Zeit, verspricht die Produktmanagerin. »Und wenn ein Druckluftmotor für eine geplante Anwendung nicht im Katalog steht, greifen sie auf die Individual Line zurück und konfigurieren Antriebslösungen nach Kundenvorgaben.«

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2013