Leichtes Minus für Harting

Die Harting Technologiegruppe verbuchte im Geschäftsjahr 2018/19 (30. September) ein leichtes Umsatzminus von 1,6 Prozent auf 750 Millionen Euro. Zweistellige Zuwachsraten verzeichnete der Bereich Lade-Infrastruktur für Elektromobilität.

02. Dezember 2019
Leichtes Minus für Harting
Der Harting Vorstand freut sich über den kräftigen Zuwachs im Bereich Lade-Infrastruktur für Elektromobilität: Dr. Michael Pütz, Dietmar Harting, Philip Harting, Margrit Harting, Maresa Harting-Hertz und Andreas Conrad (von links nach rechts). (Bild: Harting)

Damit erzielte der Espelkamper Hersteller von Verbindungstechnik den zweithöchsten Umsatz seiner 74-jährigen Unternehmensgeschichte. »Dieses Ergebnis haben wir angesichts verschiedener Indikatoren erwartet«, sagte Vorstandsvorsitzender Philip Harting. Politische Unsicherheiten, Handelskonflikte, der Brexit und Währungseffekte hätten das Ergebnis beeinflusst. »Um Währungseffekte bereinigt, hätten wir jedoch unser Rekordergebnis vom Vorjahr wiederholt«, machte der Harting-Chef deutlich. Auf der Jahrespressekonferenz im Dezember 2018 hatte Harting ein Wachstum von unter 5 Prozent für das Geschäftsjahr 2018/19 prognostiziert, zur Hannover Messe jedoch bereits von einer großen Anstrengung gesprochen, das Vorjahresergebnis zu erreichen und die Prognose angepasst. »Gemessen am Wettbewerbsumfeld und an unseren Kunden haben wir uns dennoch ganz gut geschlagen«, sagte der Vorstandsvorsitzende und verwies auf die Prognose des Branchenverbandes VDMA, die für beide Jahre 2019 und 2020 von einem Rückgang von 2 % ausgeht.

Unterschiedliche Entwicklung in den Regionen

Die Regionen, in denen Harting weltweit tätig ist, haben sich im Geschäftsjahr 2018/19 unterschiedlich entwickelt. Neben Rückgängen gab es auch kräftiges Wachstum. So stieg in Europa (ohne Deutschland) und dem Nahen Osten sowie Afrika (EMEA) der Umsatz um 6 Prozent auf 278 Mio. Euro (Vorjahr: 263 Mio. Euro). In der Region Asien blieb Harting stabil: Der Umsatz sank hier leicht um 0,5 % auf 186 Mio. Euro (Vorjahr: 187). Während in der Region Americas die Technologiegruppe ein Minus von 9 % auf 72 Mio. Euro (Vorjahr: 79) verbuchte. Auch in Deutschland ging der Umsatz um 8 % auf 214 Mio. Euro (Vorjahr: 233) zurück. »Die Krise in der Windkraftindustrie, deutliche Rückgänge im Maschinen- und Anlagenbau, sowie die Handelsstreitigkeiten schlagen hier eindeutig durch, und der Wachstumsmotor Deutschland stottert«, machte Philip Harting deutlich.

Kräftiges Wachstum im Bereich E-Mobilität und Customised Solutions

Neben einer positiven Entwicklung in bestimmten Regionen verzeichnete Harting kräftiges Wachstum in bestimmten Geschäftsfeldern. So verbuchte die Technologiegruppe im Bereich Lade-Infrastruktur für Elektromobilität deutlich zweistellige Zuwachsraten. Daher baut Harting die Produktion in Rumänien aus. Im Mai 2020 soll die Erweiterung der Werke in Sibiu und Agnita abgeschlossen sein. Die Tochtergesellschaft Harting Automotive ist seit langem auf dem Markt der Zuliefererindustrie zuhause und registrierte zuletzt eine stark gestiegene Nachfrage nach E-Mobility-Lösungen. Auf Basis seiner jahrzehntelangen Erfahrungen im Bereich von Anschluss- und Übertragungstechnik entwickelt und produziert das Unternehmen Lade-Equipment für Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge. »Die Ladelösungen für den Audi e-tron und den Porsche Taycan sind zwei überzeugende Beispiele des wachsenden Marktbedarfs«, so Philip Harting.

Maßgeschneiderte Kundenlösungen

Ebenso wächst der Geschäftsbereich Harting Customised Solutions (HCS). Ob in Russland, Indien, Polen und im übrigen Europa: Harting erweitert die lokalen Montage-Werke für Cabling, umspritzte Kabel und weitere kundenspezifische Lösungen. Philip Harting: »Vor allem unsere Bahnkunden wissen unsere Produkte zu schätzen.« Anfang Oktober hat Harting in seinem Werk im chinesischen Zhuhai ein Regional Competence Service Center (RCSC) eingerichtet. Das HCS Team betreut dort chinesische Bahnkunden. Im Januar dieses Jahres nahm HCS in der Nähe der polnischen Stadt Bydgoszcz eine Produktionsstätte in Betrieb. Hier werden auf gut 500 qm kundenspezifische Lösungen gefertigt, die vorrangig für den Maschinen- und Anlagenbau bestimmt sind.

Investitionen in Innovationen und Technologien

Im Bereich Industrial Internet of Things (IIoT) hat Harting einen entscheidenden Schritt gemacht: Um eine durchgängige Kommunikationsinfrastruktur zu schaffen und damit zukünftig alle industriellen Internet-Teilnehmer des IIoT zu erreichen, wurde der Steckverbinder T1 Industrial entwickelt. Harting hat mit ihm den IEEE-Steckverbinder Standard für Single Pair Ethernet (SPE) in der Industrie gesetzt. Eine intelligente Connectivity Lösung, um miniaturisierte Sensorik und Aktorik, einer neuen I4.0 Automation ins Netz und damit auch bis in die Cloud zu bringen.

Ebenfalls konnte Harting mit dem ix Industrial einen neuen Standard für miniaturisierte Ethernet-Schnittstellen am Markt etablieren. »Digitalisierung braucht ein schnelles Ethernet – und wir liefern dazu die leistungsstarke Connectivity«, machte Philip Harting klar.

Auch der Bereich Software Solutions powered by Harting Technologiegruppe werde rund um die Mica ausgebaut und schaffe die Verbindung von Elektromechanik und Smart Manufacturing und die Basis für weiteres Wachstum, so der Vorstandsvorsitzende.

Partner für andere Unternehmen

Philip Harting sieht die Technologiegruppe mit dem derzeitigen Portfolio an innovativen Produkten und Lösungen gut aufgestellt. Für die Produktion von Miniaturwandlerkomponenten, dem zentralen Element, das für die Klangqualität verantwortlich ist, hatte die Tochtergesellschaft Harting Applied Technologies im Sommer 2019 gemeinsam mit dem Unternehmen Sennheiser eine Produktionsanlage entwickelt und hergestellt. Zum Einsatz kommen die gefertigten Komponenten in Premium-Kopfhörern sowie Kopfhörern für professionelle Anwendungen auf der Bühne. »Das unterstreicht die Kernkompetenzen der Technologiegruppe«, so der Vorstandsvorsitzende.

Rekordsumme bei den Investitionen

Die Technologiegruppe hat auch im abgelaufenen Geschäftsjahr überdurchschnittlich investiert. »Mit insgesamt rund 66 Mio. € wurde eine Rekordsumme erreicht«, machte Maresa Harting-Hertz, Vorstand Finanzen und Einkauf, deutlich. Ein Großteil davon floss in das Logistikzentrum European Distribution Center (EDC), das im Juni u.a. mit einer spektakulären Show des GOP-Theaters offiziell eröffnet wurde. Darüber hinaus wurde in neue Produkte und Technologien, digitale Kundenservices und die Erweiterung der Harting Standorte Zhuhai (China), Elgin (USA) sowie Agnita und Sibiu (Rumänien) investiert.

Weltweit 288 neue Stellen geschaffen

Die Investitionen für mehr Wachstum und Zukunftssicherung schlagen sich auch in der Personalentwicklung nieder, wie Personalvorstand Dr. Michael Pütz erklärte. Die Zahl der Mitarbeitenden (einschließlich Auszubildende) stieg im Verlauf des Geschäftsjahres 2018/19 auf 5.268 (Vorjahr 4.980). Das entspricht einem Plus von 5,8 %. Im Inland wurden 36 neue Stellen geschaffen (+ 1,4 %), in den ausländischen Produktionsstätten und Tochtergesellschaften 252 Mitarbeitende eingestellt (+ 9,5 %). Damit waren im Ausland am 30. September 2019 mit insgesamt 2.655 Personen erstmals mehr Mitarbeitende beschäftigt als im Inland (2.613). Derzeit werden 140 kaufmännische und technisch-gewerbliche Auszubildende und duale Studenten in über 20 Berufen auf ihre künftigen Tätigkeiten vorbereitet. Neu hinzugekommen ist 2019 der/die Elektroniker/in für Betriebstechnik. 2020 wird dann auch in den Berufen Oberflächenbeschichter/in, Konstruktionsmechaniker/in und Industrieelektriker/-in für Geräte und Systeme ausgebildet.