High Speed – High Quality

PLM/CAD - In der Formel 1 müssen nicht nur Fahrer schnelle Runden drehen. Auch für Konstrukteure von Motoren- und Fahrwerksteilen läuft die Uhr. PLM mit NX und Teamcenter sichert Pankl Racing Systems Vorsprung in der Entwicklung für den Motorsport und die Luftfahrt.

30. Mai 2007

Die im Rennen gewonnenen Erkenntnisse müssen schnellstens in Konstruktion und Produktion einfließen, um den nächsten Renntermin mit dem Update bestreiten zu können. Den extrem kurzen Durchlaufzeiten - und dass die im Haus entwickelten und gefertigten Komponenten leichter und haltbarer sind als Mitbewerbsprodukte - verdankt Pankl seine Spitzenposition als Zulieferer der Formel 1.

An den Standorten Bruck an der Mur und Kapfenberg in Österreich entwickelt, erzeugt und vertreibt Pankl Racing Systems seit 1985 hochpräzise Leichtbaukomponenten für Motor- und Antriebssysteme sowie Fahrwerksteile für die Rennsport-, Luxusautomobil- und Luftfahrtindustrie.

Das internationale Team von etwa 30 Konstrukteuren schöpft aus einem enormen Erfahrungsschatz, der über aufgabenorientierte EDV-Lösungen kollaborativ genutzt wird. Der Umstieg auf NX und Teamcenter optimiert den Entwicklungsprozess und stellt jedem Konstrukteur das technische Firmen-Know-how zur Verfügung.

Im Rennsport entscheiden oft Tausendstelsekunden über Sieg oder Niederlage. Am Ende gewinnt, wer nie aufhört, nach dem Besten zu streben - eine Leidenschaft, die von den Konstrukteuren bei Pankl mit dem Kunden geteilt wird. Sie betrachten jede Neuentwicklung, jede Modifikation als Rennen, das ihnen die Chance gibt, noch bessere Komponenten und Systeme zu entwickeln. Hightech, High Speed und High Quality gelten bei Pankl-Mitarbeitern als Grundwerte. Wie die Fahrer in den Boliden agieren Pankl-Techniker dabei stets innerhalb der Grenzbereiche des physikalisch Möglichen. Und, ebenso wie diese, bekommen sie keine Chance für einen zweiten Versuch. Geplante Verbesserungen dürfen nicht die Schwächung oder Aufgabe bereits etablierter Produkteigenschaften zur Folge haben. Zu diesen Rahmenbedingungen kommt die hohe Komplexität der angebotenen Systeme. Pankl Racing Systems konstruiert zwar keine kompletten Motoren, entwickelt sich aber kontinuierlich vom Komponenten- zum Systemanbieter.

Für die hochgezüchteten Motoren etwa entwickelt und produziert Pankl Pleuel, Kolben und Kurbelwellen sowie ein System aus diesen Komponenten - den Kurbeltrieb.

Pleuel und Kurbeltrieb

Das Pleuel als kleinste Komponente ist hoch komplex und besteht überwiegend aus Freiformflächen. Es sichert als Schlüsselelement im Motor einen Wettbewerbsvorsprung, denn es ist leichter und haltbarer als andere. Auch beim Kurbeltrieb als Gesamtsystem gilt als Maxime die Minimierung der bewegten Masse zur Effizienzsteigerung des Motors. Ebenso wichtig ist die Standfestigkeit, denn in einem hochgezüchteten Renn- Aggregat herrschen enorme Beschleunigungskräfte. Die Komplexität des Systems ist ungleich höher, seine Einzelkomponenten beeinflussen einander gegenseitig. Deshalb wird in zwei Richtungen entwickelt: von oben nach unten und von unten nach oben. IT-Unterstützung ist das A und O. In der Konstruktion selbst stand bereits seit Jahren mit I-deas eine skalierbare, integrierte CAD/CAE/CAM-Lösung zur Verfügung, ohne die die scharfen Zeit- und Qualitätsvorgaben nicht zu halten gewesen wären.

Vorbildlich ist daher in diesem Unternehmen auch die Unterstützung durch die interne IT-Abteilung. Stärker als in vielen Betrieben sind CAD und CAM in der IT angesiedelt. Als innovatives, flexibles Unternehmen, das einen Vorsprung zu verteidigen hat, hinterfragte Pankl bereits zu Beginn des Jahres 2004 seine CAD-Strategie und machte sich auf die Suche nach einem Nachfolgeprodukt für I-deas. Es sollte den Automatisierungsgrad in der Entwicklung erhöhen. Im Kriterienkatalog für die neue Softwareausstattung standen inhaltliche Anforderungen aus der Konstruktion wie aus der Arbeitsvorbereitung und Produktion. Ein Kriterium für neue IT-Lösungen war das umfassende Wissensmanagement, das Konstrukteuren, Fertigungstechnikern und dem Einkauf das im Unternehmen verteilte Know-how zur Verfügung stellt.

Testsieger: Nx und Teamcenter

Zur Evaluierung sowohl der neuen CAD/ CAM-Software als auch des Produktdatenmanagement- Systems (PDM) nahmen sich die Verantwortlichen bei Pankl, allen voran IT-Manager Boris König, viel Zeit. Ab Januar 2004 wurden drei Produkte genauestens unter die Lupe genommen. In der Nutzwertanalyse untersuchte man mithilfe eines gewichteten Kriterienkatalogs die Möglichkeiten zur Datenmigration, das Handling oder die Überleitung in CAM. Die Design- Automatisierung wurde mithilfe von Tests und spezifischen Fragen von den Konstrukteuren selbst bewertet. Im Herbst 2004 standen NX und Teamcenter von UGS PLM Software als Testsieger fest. Entscheidend waren für Pankl neben der höheren Flexibilität von NX im Konstruktionsprozess vor allem die dokumentübergreifende Datenverwaltung aller zum Produkt gehörenden Unterlagen. Wichtig war auch die von NX zur Verfügung gestellte Integration von CAM ohne Informationsverlust.

»Der Umstieg auf NX war die logische Fortsetzung unserer IT-Strategie. Mit der Einführung von Teamcenter ist alles technische Firmen-Know-how konzentriert und steht allen Nutzern unmittelbar zur Verfügung «, sagt Mag. Wolfgang Plasser, Vorstand der Pankl Racing Systems AG. »Damit reduzieren sich die Durchlaufzeiten weiter und die Nachteile von Wissensunterschieden treten gar nicht erst auf.«

Neben den funktionalen Vorteilen der Softwareprodukte spielten organisatorische IT-Überlegungen eine entscheidende Rolle. Zum einen sollte das Zusammenspiel aller Systeme gewährleistet sein. Waren bisher mehrere CAD-Systeme im Einsatz, profitiert das Unternehmen jetzt davon, dass für CAD und PDM mit nur einem Lieferanten gearbeitet wird.

Alle Mitarbeiter in einem Netzwerk

Zum anderen waren die Möglichkeiten der Datenmigration entscheidend. Der Umstieg von I-deas auf NX während des Vollbetriebs kann nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen. Da beide Systeme mit dem PDMSystem Teamcenter parallel betrieben werden können, ist durch schrittweise Datenkonvertierung der Ausstieg aus dem älteren Produkt reibungslos möglich.

Erleichtert wird die Zusammenarbeit in der Entwicklung durch das Web-Frontend, über das 30 Anwender in Österreich und den USA Zugriff auf eine gemeinsame Datenbasis erhalten. Auch hier ist ein nächster Schritt in Planung: die volle Integration aller Mitarbeiter in ein gemeinsames Netzwerk. Auch die Einbeziehung anderer Bereiche in eine einheitliche Softwarelösung ist ein fließender Prozess. Während die Arbeitsvorbereitung seit der Einführung von NX direkt im System arbeitet, ist die Implementierung aller Workflows noch im Gang.

Die Verwendung der Standards setzenden Softwareprodukte NX und Teamcenter hilft Pankl Racing die Durchlaufzeiten in der Entwicklung von Präzisionsteilen und -systemen noch weiter zu verkürzen. Anforderungen, die bisher innerhalb der restriktiven Zeitvorgaben nicht zu erfüllen waren, rücken damit in den Bereich des Machbaren. Wissensmanagement optimiert die Abläufe. Das sichert Pankl Wettbewerbsvorsprung und bringt die Kunden eher aufs Siegerpodest.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 04/2007