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Maschinenelemente

Energieführungsketten - Preisfrage: Was haben die Atacamawüste, Energieführungsketten und Teleskope gemeinsam? Eines der interessantesten internationalen Forschungsprojekte unserer Zeit!

09. September 2009

Wer das Wort »Anden« hört, denkt an dünne Luft, zierliche Lamas und an gut trainierte Bergsteiger. Dass Energieführungsketten aus Südwestfalen ihren Weg dorthin finden könnten, ist ein eher ungewöhnlicher Gedanke. Dabei unterstützen die Ketten eine Art moderner Lastenträger und helfen der Weltraumforschung. Auf dem Chajnantor-Plateau im Norden Chiles entsteht das »Atacama Large Millimeter Array« (ALMA). Der Radioteleskop-Verbund besteht aus 66 versetzbaren Einzelantennen mit jeweils 12 Metern Durchmesser und wird das größte Teleskopfeld der Welt sein. Ziel des Forschungsprojektes ist es, im Millimeterwellenbereich durch kosmische Staub- und Gaswolken zu horchen, um dadurch mehr über die Entstehungsgebiete von Sternen und Planeten zu erfahren. Weil die einzelnen Antennen zu diesem Zweck regelmäßig in einem Radius zwischen 75 und 7.000 Metern versetzt und zentimetergenau auf den Plattformen abgesetzt werden müssen, benötigte das Forschungsprojekt Spezialfahrzeuge. Dabei müssen die voll beladenen Transporter Steigungen von bis zu 10 Prozent überwinden, um auf die Hochebene zu gelangen. Dazu baute die in Baden-Württemberg ansässige Scheuerle Fahrzeugfabrik, Weltmarktführer in der industriellen Schwerlastsparte, einen Hochgebirgsschwertransporter. Zum Heben und Positionieren der riesigen Radioteleskope, die zentimetergenau abgesetzt werden müssen, entwickelte die Filderstädter Alfatec GmbH Schwerlastlineareinheiten. In einem Steigungswinkel von 15 Grad ziehen die Fahrschlitten der beiden Schwerlastlineareinheiten das 115-Tonnen-Radioteleskop mit rund fünf Metern pro Minute die Rampe des Schwerlasttransporters hinauf. Weil die Fahrschlitten sicher und zuverlässig mit Energie und Daten versorgt sein müssen, werden die Leitungen in Stahl-Energieführungen geführt, die mit dem Fahrschlitten mitlaufen. Um eine möglichst lange Lebensdauer der Energieführungen sicherzustellen, entschied sich Alfatec für Stahlketten des Spezialisten Kabelschlepp.

Langlebig und Robust

Denn durch die extreme Trockenheit der Atacamawüste sind Kunststoffketten kaum geeignet. Diese benötigen eine gewisse Luftfeuchtigkeit, um elastisch zu bleiben, und schließlich müssen Energieführungen, die der Atacamawitterung ausgesetzt sind, außergewöhnlich robust sein. Da die Schwertransporter über Schotterpisten fahren, sind die Ketten während des Einsatzes Staub, Erschütterungen und eventuellem Steinschlag ausgesetzt. Die ausgewählte Energieführung der »Steel Line« von Kabelschlepp ist robust genug für die harten Einsatzbedingungen: Extrem trockenes Wüstenklima, Sandstürme, Temperaturen von -15 bis +30 Grad Celsius innerhalb von 24 Stunden und extrem hohe Weltraum- und UV-Strahlung durch die Lage in 5.000 Metern Höhe. Zwar regnet es nur alle sechs bis zehn Jahre, dafür sind die Niederschläge umso heftiger. Auch dagegen sind diese Energieführungsketten gefeit. Bei dem Radioteleskop-Schwertransporter kommen die Energieführungen des Kabelschlepp-Typs S 0950 aus spezialbeschichtetem und verzinktem Stahl mit einer Länge von 3.895 Millimetern und einer Breite von 180 Millimetern zum Einsatz. Diese führen und schützen die Versorgungs- und Datenleitungen der Fahrschlitten. Extrem stabile Kettenlaschen, eine Gelenkkonstruktion mit Mehrfach-Anschlagsystem und Spezialbolzen sorgen dafür, dass die Ketten den mechanischen und witterungsbedingten Beanspruchungen zuverlässig trotzen. Durch die Trennstege werden die Leitungen separiert, sodass sie nicht aneinander reiben oder sich ineinander verdrehen können (Korkenziehereffekt). Der Aluminiumdeckel schützt die Leitungen zuverlässig.

I. Roth-Stahl, Kabelschlepp/aru

Fakten

- Das südwestfälische Unternehmen Kabelschlepp liefert Energieführungen aus Stahl/Edelstahl, Vollkunststoff oder Kunststoff mit Aluminium-Stegen.

- Die Energieführungketten gibt es in Standardgrößen oder in kundenindividueller Ausführung.

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009