Hightech mit Historie

Porträt

Franke – Aus der Idee des Firmengründers ist heute der Technologieführer für Drahtwälzlager geworden, und die Franke GmbH arbeitet weiterhin am Erfolg der Technologie.

20. April 2016

Ein Unternehmen, das auf der Erfindung eines einzelnen Menschen aufbaut und die sich durchgesetzt hat, verfügt dadurch im Grundsatz über eine solide Position. So hat es sich im Fall der Franke GmbH zugetragen. »Grundsätzlich erheben wir den Anspruch, der Erfinder des Drahtkugellagers zu sein, das geht zurück auf eine Idee unseres Firmengründers Erich Franke«, sagt deren heutiger Geschäftsführer Sascha Eberhard. »Unsere Mission ist es, diese etablierte Erfindung weiter in die Welt zu tragen.«

Die Franke GmbH produziert Drahtwälzlager und Linearsysteme am Hauptsitz in Aalen. 215 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Entwicklung, Produktion und Verwaltung arbeiten gemeinsam und verantwortlich Hand in Hand, um die Erwartungen der Kunden zu erfüllen. »Sie sind die Grundlage für den Erfolg«, verdeutlicht Sascha Eberhard. Entscheidend seien aber auch Technologie und Qualität. »Unabhängig von Kunde und Anwendung wollen wir die Drahtwälzlager-Technologie in Kombination mit Werkstoffen oder potenziellen Anwendungsgebieten vorantreiben.« Ein gutes Beispiel dafür sei das neue Karbonlager.

Immer nach vorne denken

»Alles geschieht eigeninitiativ«, fährt Eberhard fort. »Wir haben eine enge Kooperation mit der Hochschule in Aalen, vor allem der Studiengang Leichtbau passt gut zu uns. Es ist unser Markenkern, neue Entwicklungen zu generieren mit einer Erfindung, die eine lange Historie hat. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns jeden Tag.«

Bei einigen Projekten ginge das Unternehmen auch an seine Grenzen, bei Technologie wie Wachstum gleichermaßen – wie bei den riesigen Lagern für Computertomografen. »Diesen Markt haben wir weitestgehend durchdrungen, sind hier global aufgestellt und in Kontakt mit allen namhaften Herstellern«, erklärt Sascha Eberhard. Er wertet das als Beleg, dass sich die Technologie durchgesetzt hat, aber Franke werde sich nicht darauf ausruhen. »Die CT-Anwendung soll kein Leuchtturm sein, wir schauen auf weitere Anwendungen, generell sind unsere Produkte für jede Art von linearer oder rotativer Bewegung prädestiniert.«

Der Geschäftsführer nennt als eine Kernkompetenz von Franke, den Nutzen des Kunden nach vorn bringen zu können. »Je mehr Integration, desto weniger Bauteile, je weniger Bauteile, desto weniger Kosten. Das ist eine einfache Rechnung.« Das Unternehmen tendiert darum immer mehr zu kundenspezifischen Lösungen. »Wir liefern mit unseren Lagerelementen nur die Funktion. Der Anwender ist durch unser System mit Durchmessern von 70 bis 7.000 Millimeter sehr variabel. Er kann Drähte und Kugeln sogar einzeln kaufen.«

Der Anteil der Drahtwälzlager am Gesamtgeschäft beträgt 75, der der Linearsysteme 25 Prozent. Einsatzgebiete für beide Bereiche sind Medizintechnik, Maschinenbau, Robotik und Handhabung, Sicherheitstechnik, Optik, Apparatebau oder Fahrzeugtechnik – mit unterschiedlicher Gewichtung.

»Bei den Drahtwälzlagern ist Franke weltweit Technologieführer«, sagt Gerhard Reininger, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei Franke. »Die Erkenntnis von Erich Franke war, dass Präzision und Oberfläche der Laufbahnen maßgeblich für die Funktion von Wälzlagern sind. Als neue Technik übernahmen dabei Laufringe aus gehärtetem Draht die Funktion herkömmlicher Lagerschalen.« Im Ergebnis benötigen so konstruierte Drahtwälzlager minimalen Einbauraum, gewähren Freiheit beim Gehäuseaufbau und sparen Gewicht und Antriebsleistung. »Die Lager sind zudem leistungsfähig und reibungsarm dank geschliffener Laufbahnen.«

Wie schon erwähnt ist die Medizintechnik ein Hauptanwendungsgebiet. Sascha Eberhard: »Unsere CT-Lager werden von allen namhaften Herstellern weltweit eingesetzt und überzeugen durch hohe Präzision und äußerst leisen Lauf. Sie sind komplett mit Antrieb erhältlich, sauber und wartungsarm. Zusammen mit dem Leichtbau aus Aluminium kommen wir den Anforderungen der Branche fast zu 100 Prozent nach.«

In Rundstrickmaschinen passen Franke-Lager auch in kleine Einbauräume und sparen durch den leichten Lauf bis zu 30 Prozent Antriebsenergie. In Bestückungsautomaten sorgen sie für Taktraten von 18 Start-Stopp-Bewegungen pro Sekunde und in Rundtakttischen für hohe Präzision. Weitere Anwendungen sind Solar-Tracker, ein Kamera-Gyroskop am Hubschrauber oder eine mittenfreie Nabe bei Rennwagen.

Im Linearmarkt behaupten

Das zweite Standbein sind Aluminium-Linearsysteme. Hier herrscht ein harter Wettbewerb, und es gilt, dem Kunden den Nutzen von Franke-Produkten zu vermitteln. Argumente sind das geringe Gewicht und ein leichter und leiser Lauf. Dazu erfolgt das Abrollen auf geschliffenen Stahllaufbahnen, die in leichte Aluminiumgrundkörper mit Stahl-Laufbahnen und kreuzweise angeordnete Laufrollen integriert werden.

Auch in der Lineartechnik ist die Medizintechnik sehr wichtig. Franke-Linearsysteme dienen etwa zur Verstellung einer Röntgeneinheit. In Verpackungsmaschinen erreichen die Module Geschwindigkeiten bis zu zehn Meter pro Sekunde; die gekapselten Laufrollen arbeiten sauber und wartungsfrei über die gesamte Lebensdauer. Wichtig für die Lebensmittelverpackung sind die gekapselten Laufrollen mit Lebensdauerschmierung und die Unempfindlichkeit gegenüber Reinigungsmitteln. Außerdem sind sie vollwertige Komponenten für den Aufbau von Sondermaschinen und Vorrichtungen. Weitere Beispiele sind Fahrzeugbau und Flugtechnik, wo das geringe Gewicht entscheidend ist, der Fassadenbau oder Kameraführungen.

Aber Franke ist noch nicht am Ende des Weges angekommen. »Wir haben zwar Belege für erfolgreiche Anwendungen, die wir in der Nische gut bedienen mit unserer Technologie. Aber wir wollen diese fortwährend erweitern und jeden Tag nach neuen Anwendungen suchen, wo unsere Lösung den besseren Job macht«, gibt Sascha Eberhard einen Ausblick.

Denn die moderne Fabrik verändert sich. »Hier geht es heute zu wie in einem Labor. Ordnung wird großgeschrieben, der heutige Maschinenbau hat nichts mehr mit Öl und Schmutz zu tun. Dafür sind unsere Produkte wegen der Kombination von Integration und Wartungsfreiheit prädestiniert.«

Weiterhin arbeitet Franke verstärkt an Lösungen für das Trendthema 3D-Druck. In diesem Bereich kann das Unternehmen sehr kundenspezifisch arbeiten. »Wir beschäftigen uns hierbei auch mit Losgröße 1, zudem können wir ganz andere Gehäusestrukturen darstellen, die noch einmal deutlich leichter sind als Karbon. Für diese Technologie greifen wir auch auf Entwicklungspartner zurück.« Die Erfindung von damals ist also noch lange nicht abgeschlossen.

Erschienen in Ausgabe: 03/2016