Höchste Qualität ist unser Ziel

Interview

Christen J. Merkle – Der Geschäftsführer von AHP Merkle verrät, worauf es bei modernen Hydraulikprodukten ankommt und warum gerade 2009 ein neuer Firmensitz gebaut werden musste.

15. Oktober 2010

Herr Merkle, heute bewegt sich AHP Merkle in vielen Bereichen. Wofür steht das AHP und welches waren die Meilensteine bei der Entwicklung Ihrer Produktpalette?

AHP steht für Ausrüstungen, Hydraulik und Pneumatik. Das P könnte man mittlerweile auch streichen, da wir heute ausschließlich Hydraulikzylinder herstellen. Die entscheidenden Entwicklungen in unserem Haus waren, im Jahr 1974, die ersten Standardzylinder. 1983 kamen die Blockzylinder hinzu. 1986 entwickelten wir Hydraulikzylinder mit äußerer Führung (HZF), die bis heute erfolgreich in der Automobilindustrie unter anderem bei BMW und PSA Peugeot Citroën, Daimler und Ford, zum Einsatz kommen. 1988 folgten dann die DIN-Zylinder und 1994 brachten wir die erste Schiebeeinheit auf den Markt. Ein besonders interessantes Produkt ist unsere Kernzugeinheit. Alle Kunden, die das Produkt einsetzen, sind begeistert. Die Funktionsweise ist nicht ganz einfach zu erklären, denn die Einheit ist ein doppeltwirkender Hydraulikzylinder, der ziehend arbeitet, aber doch die große Kolbenfläche benutzt. Ein Schlitten, der die Kerne aufnimmt, ist mit Kugelführungen präzise geführt. Die Kernzugeinheit ist zuerst einmal teurer, in der Gesamtbetrachtung oft aber die günstigere Lösung, da das Element circa 35 Prozent kompakter baut als vergleichbare Lösungen, und das bei gleicher Leistung. Es benötigt deutlich geringeren Konstruktionsaufwand, da wir das Produkt als Normelement anbieten können.

Welches sind die nächsten Entwicklungen, die in Ihrem Hause anstehen?

Momentan arbeiten wir, neben einigen anderen Projekten, aktiv am Verriegelungszylinder. Gleichzeitig versuchen wir, die Produktauswahl für unsere Kunden so einfach wie möglich zu machen. Dazu haben wir unsere Homepage in 14 Sprachen übersetzt und das ahp.book entwickelt. Das ahp.book ist unser über 500 Seiten starker Produktkatalog. Zusammen mit dem book bekommt der Kunde auch die gesamte Komponentenbibliothek auf CD, die in 2009 ebenfalls komplett überarbeitet wurde. Einfach einlegen, und schon steht dem Konstrukteur das gesamte Produktportfolio zur Verfügung. Software-Installation? Überflüssig, er kann direkt auf alle Zeichnungen zugreifen. Wichtig hier ist auch die Update-Funktion, die ihm eine stetige Aktualität der CAD-Daten gewährleistet.

Wie unterscheiden sich die Produkte von AHP Merkle hinsichtlich Qualität und Preis von Produkten Ihrer Marktbegleiter?

Wir sind im hochpreisigen Segment unterwegs. Also nicht der billige Jakob. In den letzten zwölf Jahren haben wir nur zweimal die Preise erhöht, das war uns durch Optimierung unserer Produktionsprozesse und die damit erzielten Effizienzsteigerungen möglich. Seit der durchgängigen Einführung der CNC-Technik können wir die Qualität kontinuierlich verbessern und das Preisniveau halten. Für uns war immer wichtig, die beste Qualität zu liefern. Ein Qualitätsmerkmal, mit dem wir uns deutlich abheben, sind die serienmäßig gehärteten, geschliffenen und hartverchromten Kolbenstangen. Und nicht zu vergessen: Der Ende 2009 fertiggestellteNeubau.DieseSprunginvestition haben wir trotz Finanz- und Wirtschaftskrise realisiert, und wir sind uns sicher, dass wir und somit auch unsere Kunden von den damit verbundenen Einsparungen dank modernster Lagertechnik und optimierter Abläufe bei den momentan deutlich ansteigenden Auftragseingängen profitieren werden.

Gibtes Superlativ-Anwendungen,die mit AHPMerkle Hydraulikzylindern realisiert wurden?

Durchaus. Wir haben einen Prüfstand für Düsentriebwerke bei Lufthansa mit unseren Hydraulikzylindern ausgerüstet. Und auch die Vuvuzelas, die in Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft verkauft wurden, sind mit unseren Hydraulikzylindern hergestellt worden.

In welchen Branchen sind Sie momentan am erfolgreichsten unterwegs?

Die Branchen, in denen wir erfolgreich sind, ist der klassische Formenbau, Werkzeugbau, Automotive und Maschinenbau. Im Bereich Formenbau sind wir der Markführer bei Hydraulikzylindern. Ob es neben den von uns bedienten Branchen weitere gibt, die es für uns zu erschließen gilt, weiß ich nicht. Ich denke, dass wir unsere Branchen gefunden haben. Wichtig für uns ist, dass wir den Kunden dahin folgen, wo sie unsere Produkte haben wollen. Ob das durch eine weitere Auslandsvertretung ist oder ob wir direkt ins Ausland liefern, das ist für uns zweitrangig. Unsre Kunden wissen, dass sie sich auf uns verlassen können, egal wo sie das Produkt einsetzen wollen, wir liefern.

Wie haben Sie das Krisenjahr 2009 erlebt und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Das Jahr 2009 hat uns härter getroffen als wir es erwartet haben. In den letzten 15 Jahren hatten wir immer ein kontinuierliches Wachstum gehabt, und auf einmal sprachen wir von 20 Prozent Umsatzrückgang. Aber Kurzarbeit gab es 2009 bei uns nicht. Als inhabergeführtes Familienunternehmen entschieden wir, nachdem die Mitarbeiter jahrelang gut mitgezogen haben, sie nicht gleich in Kurzarbeit zu schicken, wenn es einmal nicht so gut läuft. Wir haben uns in dieser Zeit auf neue Projekte konzentriert.

Das ahp.book ist entstanden und auch der Neubau unseres Firmensitzes in Gottenheim. Das war wohl die schwierigste Phase in 2009. Bei rückläufigen Umsatzzahlen den geplanten Neubau durchzuziehen. Aber wir haben uns dennoch dazu entschlossen. Zurückblickend war es genau die richtige Entscheidung, denn heute sind wir mit großzügigen Produktions- und Büroflächen bestens aufgestellt, um unsere zwischenzeitlich wieder mehr als vollen Auftragsbücher abzuarbeiten.

Bitte erklären Sie zum Schluss noch, wofür die »Renate-Merkle-Stiftung« steht.

Nach einer erschütternden Reise 2002 in die Ukraine wollte sich meine Mutter dort helfend engagieren, und in Form einer Stiftung wurde dieses Vorhaben möglich. Das Hauptprojekt ist die Verteilung von gesundem Brot an kranke Kinder und Rentner – dabei werden über 2.000 Laib Brot wöchentlich verteilt.

Die Fragen stellte Christoph Scholze

Zur Person

-Christen J. Merkle, geboren 1968 in Freiburg, ist der Sohn von Gerhard Merkle, dem Gründer und Hauptgesellschafter der AHP Merkle GmbH.

-Nach einer kaufmännischen Ausbildung trat er früh ins Familienunternehmen ein und arbeitete dort im kaufmännischen Rechnungswesen. Berufsbegleitend absolvierte er ein Studium der Unternehmensführung an der Universität St. Gallen in der Schweiz.

-Seit 2002 teilt sich der sechsfache Familienvater die Geschäftsführung mit seinem Vater Gerhard Merkle und ist seit 2008 auch zweiter Gesellschafter des Unternehmens.

Erschienen in Ausgabe: 07/2010