Höhere Dichtkunst

Drehdurchführungen - Der Transport von Gasen oder flüssigen Medien durch eine rotierende Verbindung erfordertausgefeilte Dichtungstechnik voraus. Fünf Verfahren stehen hier zur Wahl.

10. Mai 2007

Eine zentrale Aufgabe in vielen Maschinen ist der Transport von Luft, Wasser, Öl oder hydraulischer Fluide von einer feststehenden Quelle in einen rotierenden Teil mithilfe einer Drehdurchführung. Zur Dichtung dient meist eine so genannte Druckdichtung, die den Systemdruck nutzt, um die Dichtflächen aneinanderzupressen. Bei hohen Geschwindigkeiten allerdings verschleißen diese Dichtungen stark. Einen anderen Weg geht der US-amerikanische Drehdurchführungsspezialist Deublin: Das Unternehmen verwendet ausschließlich druckausgeglichene Dichtungen und bietet hier gleich fünf verschiedene Dichtungstechnologien zur Wahl. Beim Verfahren »Closed Seal« liegen die Gleitringe auch ohne Mediendruck geschlossen aneinander. Systembedingt erfordert dieses Prinzip einen minimalen Schmierfilm zwischen den Gleitringflächen, sodass über längere Zeiträume geringe Medienmengen austreten können und folglich eine Entlüftung vorgesehen werden muss. Zudem eignen sich derartige Drehdurchführungen nur für definierte Anwendungsprozesse und müssen speziell auf das Medium, Trockenlauf, Druck und Drehzahl abgestimmt werden. Drehdurchführungen mit dem Dichtungsprinzip »Controlled Leakage« besitzen eine diskrete, kontrollierte Leckage in Abhängigkeit von Medium und den Betriebsdaten und sind deshalb prädestiniert für Hochgeschwindigkeitsanwendungen mit trockener Druckluft. Sie eignen sich generell nicht für den Einsatz mit Kühlflüssigkeit. Bei Durchführungen nach dem Prinzip »Pop-Off« liegen die Gleitringe unter Druck aneinander und öffnen im drucklosen Zustand einen schmalen Spalt. Dies ermöglicht während des Einsatzes ohne Kühlschmiermittel einen unbegrenzten Trockenlauf. Da die Gleitringe während des Werkzeugwechsels ohne Kühlmitteldruck das verbleibende Kühlmittel durchlassen, benötigen solche Durchführungen eine Leckageleitung zum Abführen der Leckage. Zudem eignen sie sich nicht für den Betrieb mit trockener Druckluft. Die jüngste Innovation des Unternehmens sind selbst einstellende Drehdurchführungen vom Typ »AutoSense«. Sie kombinieren die Einsatzgebiete der drei beschriebenen Technologien und erlauben den Einsatz mit Kühlschmierstoff, MMS und Druckluft bis 10 Bar und maximaler Drehzahl, benötigen jedoch eine Leckageleitung. Für den zusätzlichen Einsatz von Schneidöl eignen sich Drehdurchführungen vom Typ »All-Media«. Diese Technologie benötigt einen zweiten Medienanschluss und eine spezielle Schaltung, um die definierte Funktion zu gewährleisten, sowie eine Leckageleitung.

Jörn Jacobs/bt

Erschienen in Ausgabe: 03/2007