Horizont erweitern

Editorial

Was wollen Sie denn damit?«, fragte mich Anfang der 80er mein Professor für Technische Mechanik, als ich ihm erzählte, ich hätte mich für einen Pascal-Programmierkurs angemeldet. Heute hat IT im Maschinen- und Anlagenbau eine marktentscheidende Bedeutung. Das wird nirgends so deutlich wie auf der Leistungsschau der Automatisierung: der SPS in Nürnberg. Abzulesen ist das übrigens auch an den Presseinformationen, mit denen die Fachmedien im Vorfeld der Messe versorgt werden. Dieses Jahr muss man sich schon ziemlich anstrengen, um auch mal eine Meldung ohne IT-Bezug zu finden. Der Wandel des Maschinen- und Anlagenbaus ist im vollen Gang – siehe auch unser SPS-Spezial ab Seite 49.

06. November 2017

Und das bestätigen auch die gerade vorgestellten Zahlen des Branchenverbandes Bitkom: Die Digitalbranche ist dieses Jahr zum größten industriellen Arbeitgeber in Deutschland aufgestiegen. Sie wird zum Jahresende rund 1,077 Millionen Menschen beschäftigen, erklärte Achim Berg, Präsident der Bitkom. Das sind 30.000 mehr als im Vorjahr und ein Plus von 2,9 Prozent. Damit hat die IT-Branche den bisherigen Beschäftigten-Primus Maschinenbau mit 1,014 Mio. Arbeitsplätzen überholt. Die Autobranche (764.000 Mitarbeiter) folgt der Elektroindustrie mit 847.000 Beschäftigten auf Platz 4.

Neben einem Beschäftigungs- verbuchte die Digitalbranche auch ein Umsatzplus: Vor allem das Geschäft mit Software legte mit 6,3 Prozent überdurchschnittlich zu. Ebenfalls kräftig gewachsen mit 3,6 Prozent ist auch der Bereich der Telekommunikations-Endgeräte. Allein mit Smartphones wird inzwischen mehr Umsatz gemacht als mit der gesamten Unterhaltungselektronik. In der Bitkom-Branche könnten aber noch weit mehr Menschen beschäftigt sein, so Achim Berg, wenn nur genügend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stünden. Bereits Ende 2016 habe es in Deutschland 50.000 offene IT-Stellen gegeben. Und aller Voraussicht nach wird die Zahl bis Ende dieses Jahres weiter angestiegen sein.

Hier sind – neben der Bildungspoltitik – auch die Bildungsstätten bzw. Lehrer und Professoren gefordert. Auch ihnen würde ein Besuch auf der SPS in den meisten Fällen dabei helfen, mal weit über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Hajo Stotz

Chefredakteur

Erschienen in Ausgabe: 08/2017